Tieftrunk (Joh. Heinr.), Philosoph aus der Schule Kants, geb. zu Stove bei Rostock 1759, wurde, nachdem er seine Studien vollendet, zunächst Prediger, dann Rektor der Schule zu Joachimsthal in der Ukermark. Er erhielt 1792 den Ruf als ord. Professor der Philosophie nach Halle, wo er 7. Okt. 1837 starb. Seine schriftstellerische Wirksamkeit hatte ihren wesentlichen Mittelpunkt in der Ausführung und Anwendung des aus der Kantschen Philosophie hervorgegangenen Rationalismus. Hierher gehören vorzüglich folgende Schriften von ihm: Einzig möglicher Zweck Jesu aus dem Grundgesetz der Religion entwickelte (Berl. 1789; 2. Aufl. 1793), 4Censur des christl.⸗prot. Lehrbegriffs nach den Prinzipien der Religionskritik (3 Bde., Berl. 1791—94), Die Mündigkeit der Religion (2 Bde., Berl. 1800). Außerdem war T. besonders für eine popularisierende Entwickelung der Kantschen Rechts- und Sittenlehre thätig. Dahin gehören besonders die Philos. Untersuchungen über das Privat- und öffentliche Rechte (2 Bde., Berl. 1797 —99) und die „Philos. Untersuchungen über die Tugendlehrev (2 Bde., Halle 1805). Selbständiger ist sein«Grundriß der Sittenlehre » (2 Bde., Halle 1803). Die Logik bearbeitete er zweimal, zuletzt unter dem Titel «Die Denklehre im rein deutschen Gewande⸗ (Halle 1825). Ferner ist noch «Das Weltall nach menschlicher Ansichto (Halle 1821) zu erwähnen. Auch machte er sich durch die Herausgabe von Kants „Vermischten Schrifteno (3 Bde., Halle 1799 —1800) verdient.