Fronde (eigentlich «Schleuderv) hieß in Frankxreich die Partei, die sich während der Minderjährigkeit Ludwigs XIV. dem Hofe und der Regierungspolitik des Ministers Mazarin widersetzte und 1648—54 bedeutende innere Unruhen erregte. Die Prinzen und Großen sahen sich von den hohen Staatsämtern zu Gunsten der Ausländer ausgeschlossen, das Parlament war in seinen polit. Befugnissen bedroht und das Volk seufzte unter der Last von Abgaben und Verwaltungsmißbräuchen. Während der Hof über den Westfälischen Frieden unterhandelte, begann das Parlament eine hartnäckige Opposition, indem es die Einregistrierung der königl. Edikte, besonders der harten finanziellen Auflagen, weigerte. Obschon der neunjährige König durch mehrere Lits de justice die Einregistrierung der Edikte erzwingen und den Widerstand des Parlaments verbieten mußte, änderte doch dasselbe seine Haltung gegen den Hof nicht. 2 — griff darum zu Gewaltmitteln. Er ließ 26, Aug. 1648 die heftigsten Gegner des Hofs, den Parlamentspräsidenten Potier de Blanemenil und den Parlamentsrat Peter Broussel, verhaften. Als das Volk den Staatsstreich erfuhr, griff es zu den Waffen, zerstreute die Schweizergarde und errichtete 27. Aug. in den Straßen um das Palais-Royal Barrikaden (la journée des barricades), worauf der Hof sich zu einem Vergleiche entschloß, dem Volke mehrere Steuern erließ und das Versprechen gab, die Justiz besser zu handhaben. Das Parlament hatte durch diesen Sieg Mut gewonnen; diesenigen Mitglieder, welche die Maßregeln des Hofs fortwährend einer scharfen Beurteilung unterwarfen und deshalb von den Anhängern Mazarins spottweise Frondeurs genannt wurden, bildeten die Mehrzahl. Der Hof beschloß endlich, die Bewegung, die sich der Bevölkerung der Hauptstadt mitgeteilt hatte, durch Waffengewalt zu erdrücken und entwich 6. Jan. 1649 heimlich nach St.⸗Germain-en-Laye, während der Prinz Ludwig Conde Paris mit 7000 Mann blockieren mußte. Das Parlament, für das sich jetzt die Prinzen Conti, Longueville, Beaufort und Orléans, die Herzoge von Bouillon, Elbeuf, Vendöme, Nemours, der Koadjutor Retz und der Marschall de la Mothe offen erklärten, rief seinerseits das Volk zum Widerstande auf und unterhandelte sogar mit dem Statthalter der span. Niederlande um ein Hilfskorps. In dieser drohenden Lage schloß der Hof 11. März den Vertrag zu Ruel, der indes von beiden Parteien nur als ein Waffenstillstand betrachtet wurde. Nach der Rückkehr des Hofs im August erhielt der Kampf eine neue Wendung, indem sich die Prinzen von Geblüt persönlich mit dem Minister Mazarin um die Regierungs-Wun stritten, was 18. Jan. 1650 die plötzliche erhaftung der Prinzen Condé, Longueville und Conti zur Fol e hatte. Diese Gewaltthat rief den Aufstand in allen Provinzen hervor. Der Marschall Turenne nahm den Titel eines Generallieutenants der königl. Armee zur berog der Prinzen an, verband sich mit dem Erzherzog Leopold Wilhelm, wurde aber, nachdem er sich vieler fester Plätze bemächtigt, 15. Dez. von den Truppen Mazarins im Treffen bei Rethel geschlagen. Mazarin kehrte im Triumph nach Paris zurück. Allein hier waren alle Parteien unter die Waffen getreten, und man forderte so drohend seine Entfernung, daß er die Prinzen der Haft entlassen und entfliehen mußte; er ging zum Erzbischof von Köln auf das Schloß Brühl nahe bei Bonn; das Parlament verbannte ihn samt seiner Familie, und der Prinz von Conde erhielt bei Hofe die Oberhand. Bald jedoch trat eine völlige Umgestaltung in den Parteien ein. Turenne und der einflußreiche Koadjutor Retz wurden durch die Königin-Mutter, die nach wie vor mit Mazarin im engsten Ideenaustausch blieb, gewonnen, und Condé, gegen den ein Gewaltstreich ausgeführt werden sollte, mußte in seine Statthalterschaft Guyenne entfliehen. In diesen Wirren hatte Ludwig XIV. das 14. Jahr erreicht und dem Namen nach 7. Sept. 1651 die Regierung angetreten. Er ließ Condé Vorschläge zur Rückkehr machen, dieser aber, voll berechtigten Mißtrauens, warf sich nach Bordeaur und begann von hier aus von neuem den Krieg gegen den Hof. Am 2. Juli 1652 kam es zwischen beiden Parteien in der Nähe von Paris zu einem heftigen Gefecht. Conde war bereits dem Untergange nahe, als ihm die von seiner Schwester, der Herzogin von Longueville, geleiteten Pariser ihre Thore öffneten. Nicht lange jedoch, so erhielt in der Hauptstadt die royalistische Gesinnung die Oberhand, und man begann von hier mit dem Hofe zu verhandeln. Condé, der jeden *9+ verwarf, verließ 15. Okt. Paris und begab sich in die ½½½ trat aber endlich, da niemand mehr für ihn die Waffen führen wollte, 1654 in span. Dienste. Schon 21. Okt. 1652 war der König in Paris eingezogen und hatte in einem Lit de justice zwar die Amnestie proklamiert, jedoch den Parlamenten den Einspruch in die polit. Angelegenheiten verboten und den Prinzen Condé als Hochverräter geächtet. Auch Mazarin war schon im November wieder nach Paris gekommen, um aufs neue die Zügel der Regierung zu ergreifen. Obgleich nun alle die Großen, die im Heere des Prinzen die Waffen geführt hatten, sowie 12 der unruhigsten Parlamentsräte verbannt wurden, kehrte doch selbst die Provinz Guyenne zum Gehorsam zurück, da die span. Hilfe ausblieb. So war aus dieser langen und stürmischen Bewegung die königl. Gewalt endlich doch als Siegerin hervorgegangen. Vgl. Sainte-Aulaire, «Ilistoiré de la F. (3 Bde., Par. 1827; 2. Aufl. 1860); Fitzpatrick, Great Condé and the period of the P. A historical sketch v (2 Bde., Lond. 1873).