FeedFulton (Robert)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Fulton (Robert), der Schöpfer der heutigen Dampfschiffahrt, wurde 1765 in Little Britain in der Grafschaft Lancaster (Pennsylvanien) geboren. Schon als Knabe zeigte er Anlagen und Neigungen, die auf seinen 11. Deiwand Beruf hindeuteten. Als er sich 1779 bei Verwandten aufhielt, deren Wohnort an den Ufern des Conestoga gelegen war, machte er schon Versuche mit dem Betrieb von Fahrzeugen durch Schaufelräder. In Lancaster besuchte er häufig das Haus William Henrys, eines zum Betrieb eines Bootes mit Schaufelrädern konstruiert hatte. Einen großen Teil seiner Zeit pflegte er als Knabe in den Werkstätten verschiedener Handwerker zu verbringen, und besonders beschäftigte er sich mit Uhrmacherarbeiten. Eine Zeit soll er in Philadelphia der Lehrling eines Goldschmieds gewesen sein; doch widmete er sich später der Kunst und zeigte große Geschicklichkeit im Porträtmalen. Sobald F. mündig geworden war, ging er nach England, wo er in London des Malers Benjamin West Schüler wurde. Später hielt er sich zwei Jahre in Devonshire auf und lernte hier den Herzog von Bridgewater kennen, der sich lebhaft für die Idee, die Dampfkraft als Betriebsmittel der Schiffe zu verwenden, interessierte. Nachdem F. 1793 den Beruf eines Künstlers mit dem eines Ingenieurs vertauscht hatte, ging er nach Frankreich und machte 1797 in Paris erfolgreiche Versuche mit Torpedos und Torpedobooten. Schon 1793 hatte er der engl. Regierung sowie der Regierung der Vereinigten Staaten Vorschläge bezüglich des Baues von Dampfschiffen gemacht, die indes damals keine Berücksichtigung fanden. Im Begriff, Frankreich zu verlassen, lernte F. Livingston kennen, der zu jener Zeit (1801) Gesandter der Vereinigten Staaten in Frankreich war. Nach eingehender gemeinsamer Beschäftigung mit dem Projekt der Dampfschiffahrt beschlossen beide, ein Versuchsdampfschiff brs den Betrieb auf der Seine zu bauen. m Srüha r 1802 schickte F. von Plombières aus Zeichnung und Beschreibung der von ihm konstruierten Modelle an Livingston; im folgenden Winter vollendete er das Modell eines Dampfboots, bei welchem Schaufelräder an den Seiten angebracht waren. Am 24. Jan. 1803 sendete F., um die Priorität seiner Erfindung festzustellen, an das Direktorium des Conservatoire des arts et ;metiers in Paris ein Schreiben, das noch jetzt in dem genannten Institut aufbewahrt wird und das mit beigefügter Zeichnung des Dampfboots die Beschreibung der treibenden Maschine enthält. Im rühling des genannten Jahres war das neue ahrzeug vollendet, doch erwies sich bei den auf der eine angestellten Versuchen der Rumpf für die schwere Maschine zu schwach, sodaß derselbe brach und infolge dessen das Boot unterging. Ohne sich hierdurch entmutigen zu lassen, begab sich G an die Arbeit, das gesunkene Schiff zu heben. lücklicherweise war die Maschine wenig beschädigt, doch mußte ein neues Boot gebaut werden. Im Juni desselben Jahres war dieser Bau vollendet und 9. Aug. dampfte das kleine Fahrzeug in Gegenwart einer Kommission der Französischen Akademie sowie einer Anzahl bedeutender Gelehrten, Mechaniker und Stabsoffiziere mit ziemlicher Geschwindigkeit stromaufwärts. So günstig die hierbei gewonnenen Resultate für damalige Verhältnisse genannt werden mußten, so wurden sie doch wenig beachtet und lange nachher blieb das Boot unbenutzt auf der Seine liegen. Umsonst bemühte sich F., für sein Unternehmen die Unterstützung Bonapartes zu erlangen; mehr Erfolg hatte die Verwendung Livingstons bezüglich eines ihm durch den Staat Neuyork gewährten Monopols für die Dampfschiffahrt auf den nordamerik. Flüssen. Im Mai 1804 ging F. nach England, um dort die Experimente mit Torpedos wieder aufzunehmen, ohne daß er deshalb sein Projekt der Dampfschiffahrt aus den Augen verlor. Eine nach seinen Plänen von der Firma Boulton u. Watt in Soho ausgeführte Dampfmaschine wurde 1806 vollendet; F. eilte derselben nach Neuyork voraus und begann, dort angekommen, sofort den Bau des Fahrzeugs, für welches die Maschine bestimmt war. Inzwischen war auch Livingston nach den Vereinigten Staaten zurückgekehrt, und beide arbeiteten nun gemeinsam an dem größten aller bis * konstruierten Dampfschiffe. m Aug. 1807 konnte der Clermont, wie das neue Schiff genannt wurde, dem Betrieb übergeben werden. Bei der Fahrt von Neuyork nach Albany legte dasselbe die Entfernung von 150 engl. Meilen (etwa 2414 km) in 32, auf dem Rückwege in 30 Stunden zurück. Es war dies die erste größere Reise mit einem durch Dampf betriebenen Fahrzeug; in der Folge verkehrte der Clermont als regelmäßiger Passagierdampfer zwischen den beiden genannten Städten. Auf den Bau des Clermont folgte in den nächsten Jahren der dreier anderer Dampfer: Karitan, Car of Neptune und Paragon, von denen die beiden letztern nahezu die doppelte Größe des Clermont hatten. Im J. 1812 baute F. eine Dampffähre für den Verkehr zwischen Neuyork und Jersey-City, und im folgenden Jahre zwei andere, um Neuyork mit Brooklyn zu verbinden. Später konstruierte er noch mehrere Dampfschiffe für den Betrieb auf den Flüssen des Westens; einige seiner Fahrzeuge wurden 1815 als Paketboote auf der Linie Neuyork-Providence in Betrieb gesetzt. Im März 1814 erteilte ihm der Kongreß der Vereinigten Staaten die Bewilligung um Bau des ersten mit Dampf betriebenen Kriegsschisßs; im Juli des folgenden Jahres machte das Schiff, Fulton the l genannt, seine Probefahrt in den Ocean, wobei es die Entfernung von 53 engl. Meilen (etwa 853 EKm) in 8 Stunden 30 Minuten zurücklegte. F. erlebte jedoch diesen Erfolg nicht. Infolge eines Streites mit Livingston zu einem Termin nach Trenton gerufen, erkrankte er auf dem Rückwege und starb 24. Febr. 1815. Sein Tod wurde in seinem Vaterlande als ein nationales Unglück betrauert. F. war nicht nur einer der tüchtigsten und thätigsten Ingenieure seiner Zeit, er war zugleich ein einsichtsvoller und unternehmender Geschäftsmann, der durch Scharfblick und Energie die Früchte früherer Erfindungen zur Reife brachte und sich dadurch ein wohlbegründetes Verdienst erwarb. Seine wichtigste Arbeit, abgesehen von der Nutzbarmachung der Dampfkraft für den Schiffsbetrieb, ist die experimentelle Bestimmung des Widerstandes flüssiger Körper und die systematische Feststellung der Größenverhältnisse von Fahrzeugen und Maschinen in Beziehung zu der Leistung derselben. Vgl. Montgery, Notice sur la vie et les travaux de Robert F.v (Par. 1825).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 406Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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