FeedFunktionswechsel
HeilkundeBrockhaus 1882

Funktionswechsel hat A. Dohrn (in seinem Werke 4„Der Ursprung der Wirbeltiere und das Prinzip des F., Lpz. 1875) eine häufig im Tierreiche vorkommende Erscheinung genannt, die nach ihm als das den Veränderungen des Organismus im ganzen und der Organe im besondern zu Grunde liegende Prinzip angeiehen werden muß, und welches von ihm dahin definiert wird, daß durch Aufeinanderfolge von Funktionen, deren Träger ein und dasselbe Organ bleibt, die Umgestaltung des Organs bewirkt wird. Jede Funktion sei aus mehrern Faktoren zusammengesetzt, einer Hauptfunktion und Nebenfunktionen. Durch Steigerung einer Nebenfunktion und Zurücksinken der Hauptpunttion ändere sich die Gesamtfunktion, die Nebenunktion werde allmählich Hauptfunktion und die olge dieses Prozesses sei die Umgestaltung des rgans. Es lassen sich in der That eine Menge von Umgestaltungen nachweisen, wo der F. zum Grunde liegt, wie z. B. in der Umwandlung von Kiemenspalten zu Mundöffnung, mittlerm Ohr u. s. w.; aber damit ist noch nicht nachgewiesen, daß allen und jeden Umwandlungen das Prinzip zu Grunde liege, und wenn einerseits F. an demselben Organe vorkommen, so darf nicht übersehen werden, daß nicht minder häufig Funktionen von einem Organe auf das andere übergehen und dieses umgestalten, ohne daß nachgewiesen werde, daß diese umgestaltende, zur Hauptsache werdende Funktion früher nur eine Nebenfunktion gewesen sei.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 414Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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