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HeilkundeBrockhaus 1882

Mund (0s) heißt im engern Sinne die zwischen der Nase und dem Kinn gelegene Queröffnung, die Mundspalte (fissura oris). Umgeben ist sie von den Lippen (abia), bestehend aus Muskelschichten (namentlich dem Ring- oder Schließmuskel des M., musculus orbicularis oris) und zwei Hautflächen, einer äußern, der Gesichtshaut, und einer innern, der Mundschleimhaut angehörigen. An der Stelle, wo die äußere Haut in die Schleimhaut übergeht, wird die erstere so dünn und zart, daß durch die obere Haut das Blut der Haargefäße hindurchschimmert, woher die rote Farbe der Lippen kommt. Außer dem Schließmuskel, welcher die ganze Mundspalte ringförmig umgibt, vermitteln noch viele kleinere und größere Muskeln die Bewegungen der Lippen, sodaß eine große Verschiedenheit der Mundstellungen bewirkt wird, welche nicht nur willkurlich beim Sprechen, Singen, Lachen u. dgl. hervorgebracht werden können, sondern auch unwillkürlich oft die Bewegungen der Seele andeuten. Im weitern Sinne bezeichnetmanmit Mund die Mundhöhle (cavum oris), welche vorn von der Mundspalte, hinten von dem Gaumensegel, an beiden Seiten von den Backen, oben von dem Gaumen und unten von den das Zungenbein mit dem Unterkiefer verbindenden Muskeln eingeschlossen wird. Diese Höhle ist bei geschlossener Mundspalte nur nach hinten teilweise offen, indem das von oben herabhängende Gaumensegel den Boden derselben nicht erreicht, und wird durch die hierdurch entstandene Offnung (isthmus faucium) mit der Rachenhöhle verbunden. (S. Gaumen.) Die ganze Mundhöhle ist mit einer derben, mit Pflasterepithel überzogenen Schleimhaut ausgekleidet, welche zahlreiche Schleimdrüsen, Gefühlsnerven und Lymphgefäße enthält, vorn über die Lippen in die äußere Haut übergeht und nach hinten sich in die Schleimhaut der Atmungs- und Verdauungswerkzeuge fortsetzt. In der Mundhöhle liegen die Zähne, die Zunge und die Ausführungsgänge der Speicheldrüsen. Durch den Verein dieser Organe ist die Mundhöhle teils der Sitz des Geschmacksinns, teils aber auch der Ort, wo die Nahrungsmittel ihre erste Vorbereitung zur Verdauung (Zerkleinerung, Einspeicheln) erhalten; auch ist die Mund⸗ und Rachenhöhle von großer Wichtigkeit für die Lautbildung, indem sie leicht verschiedene Formen und Dimensionen annehmen kann und dadurch zur Erzeugung der Geräusche und Töne, aus denen die Sprache besteht, vorzüglich befähigt ist. (S. Kehlkopf.). Die Krankheiten des M. sind sehr mannigfaltig. Die Lippen, besonders vielen mechan. Verletzungen ausgesetzt, neigen zu krebsigen Entartungen (Lippenkrebs), zu andern Geschwüren, zu Ausschlägen. Die Zähne (s. d.) und die Zunge (s. d.) haben ihre besondern Krankheiten. Die auskleidende Schleimhaut des M. findet sich häufig entzündet, teils mehr oberflächlich, in Form eines leichten Katarrhs, des Mundkatarrhs (stomatitis), der auch oft andere, besonders fieberhafte Krankheiten begleitet, oder bläschen- und pustelartiger Ausschläge (Follicularkatarrh des M.), oder der sog. Schwämmchen (s. d.), teils tiefer erkrankend, als kruppöse, diphtheritische und merkurielle Entzündung, ferner als Mundskorbut (stomacace, sog. Mundfäule), welche zuweilen epidemisch herrschen kann und ähnliche Ursachen wie der Skorbut hat. Eine seltenere Krankheit der Mundschleimhaut ist der Wangen⸗ und Lippenbrand der Kinder (der sog. Wasserkrebs, noma, gangraena oris, ein rasch die Weichteile zerstörender feuchter, auf Entzündung beruhender Brand). Alle Entzündungen des M. erfordern die größte Reinlichkeit, die Entfernung scharfer Zahnränder und den häufigen Gebrauch schwach adstringierender Mundwässer (Salbei⸗, Eichen-oder Ulmenrindenabkochungen, schwache Lösungen von chlorsaurem Kali, kohlensaurem Natron u. dgl.). Außerdem ist die Mundschleimhaut besonders oft bei sekundärer Syphilis mit weißlichen Milchflecken oder fleckigen kupferroten Entzündungen oder förmlichen Geschwüren besetzt. Bildungsfehler des M. sind die Hasenscharte (s. d.) und der Wolfsrachen, welche nur auf operativem Wege „Munda, alte Stadt im südl. Spanien, im Gebiet der Turdetaner, bekannt durch den Sieg Cäsars über die Söhne des Pompejus (17. März 45 v. Chr.). M. lag 400 Stadien (75 Km) von Carteia (beim heutigen Algeciras); doch ist die eigentliche Stelle

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 931Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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