Fürsteuberg, ein deutsches mediatisiertes Fürstentum von 2090 qkm mit etwa 100000 E., welches die Grafschaft Heiligenberg, die Landgrafschaften Stühlingen und Baar und die Herrschaften Jungnau, Trochtelfingen, Hausen und Möskir umfaßt, liegt unzusammenhängend in dem südl. Teile Schwabens und steht seit 1806 unter der Landeshoheit von Baden, Württemberg und Hohenzollern-Sigmaringen (Preußen). Die standesherrlichen Verhältnisse zu Baden wurden durch die Verhandlungen vom 11. Nov. 1823 und durch die übereinkunft vom 14. Mai 1825, die zu Württemberg durch die königl. Deklaration vom 23. Juni 1839 bestimmt. Das Städtchen Fürstenberg am Schwarzwalde, auf der Höhe des gleichnamigen Ber-Gar verdankte seinen Ursprung der dabeiliegenden urg, welche im 14. und 15. Jahrh. gewöhnlicher Wohnsitz des Hauptstamms des nach ihr benannten Geschlechts F. war. Letzteres führt seinen Ursprung auf die Grafen von Urach zurück, zunächst auf Heinrich J. (gest. 1284), den jüngsten Sohn Egons VI. von Urach, welcher bei der Erbteilung 1236 den F. erhielt. Seine Nachkommen wurden 18. Jan. 1283 Landgrafen zu Baar. Heinrich VII. von F., geb. 1464, und sein Bruder Woligang erwarben das Vertrauen Kaiser Maximilians; Heinrich erhielt den Oberbefehl im Schwabenkriege und fiel 21. Juli 1499 bei Dornegg an der Birs. Wolfgang starb 31. Dez. 1509. Von des letztern Söhnen diente Wilhelm I. von F. (geb. 1492, gest. 1549) erst unter dem Kaiser, dann unter Franz I. von Frankreich, und Friedrich III. von F. (geb. 1496, gest. 1559) erwarb durch Verheiratung unter anderm 1534 die Grafschaft Heiligenberg, mit welcher ihn 15. Dez. 1535 Karl V. belehnte. Friedrichs Söhne, Christoph I. und Joachim I., re jener die Kinzigerthaler, dieser die Heiligenberger Linie. 1) Heiligenberger Linie. Des Grafen Joachim I. Sohn, Friedrich IV. von F. (geb. 1563, gest. 8. Aug. 1617), war bis 1608 als CEinstun, meister des Kaisers Rudolf II. von großem Einfluß, dann von Matthias begünstigt. Jakob Ludwig von F., der jüngste Sohn des letztern, geb. 1592, gest. 15. Nov. 1627 als kaiserl. Rat und Oberst, so- wie der kath. Liga General der Artillerie, gehörte seit Anfang des Dreißigjährigen Kriegs zu den eifrigsten Verfechtern der kath. Sache und zeichnete sich durch manche Waffenthat aus. Ein Bruder Jakob Ludwigs, Graf Egon VIII. von F. (geb. 21. März 1588), erst Geistlicher, dann Soldat in ligistischen Diensten, war mit Vollziehung des Restitutionsedikts in Franken und Württemberg beauftragt, befehligte unter Tilly bei Leipzig 1631 den rechten Flügel und starb als kurbayr. Generalfeldzeugmeister 24. Aug. 1635, nachdem er kurz vorher noch zum Generalfeldzeugmeister des kath. Bundes ernannt worden. Von seinen Söhnen waren Franz Egon von F. Lerr 10. April 1625, gest. 1. April 1682 als Fürstbischof von Straßburg), Hermann Egon von F. (geb. 5. Nov. 1627, gest. 10. Sept. 1674 als Oberhofmeister des Kurfürsten Ferdinand Maria von Bayern) und besonders Wilhelm Egon von F. ganz dem franz. Interesse hingegeben. Letzterer (geb. 2. Dez. 1629) war Geheimrat des Kurfürsten Maximilian Heinrich von Köln, den er unbeschränkt leitete. Obschon der Kaiser Leopold 12. Mai 1664 alle drei Brüder in den Reichsfürstenstand erhoben und 6. Sept. 1667 in das Reichsfürstenkollegium eingeführt hatte, blieben sie ihm doch feind und verrieten ihr Vaterland an Frankreich. Endlich ließ der Kaiser 4. Febr. 167⁴4 — Köln sich Wilhelm Egons von F., der auf alle Weise die Pläne Ludwigs XIV. auf Deutschland förderte, bemächtigen, ihn nach Bonn und dann nach Wienerisch⸗-Neustadt führen, wo er an-Faunt enthauptet werden sollte, aus Furcht vor Frankreich aber, das sich seiner annahm, unangetastet blieb und durch den Nimwegener Frieden sogar wieder in seine Ehren und Würden eingesetzt wurde. Ludwig XIV. ernannte ihn 1682 zum Erzbischof von Straßburg, der Papst aber 1686 zum Kardinal; doch wurde er 1688 von der Kurfürstenwahl zu Köln ausgeschlossen. Er starb zu Paris 10. April 1704. Mit seinem Neffen, Fürst Anton Egon von F., geb. 1656, gest. 10. Okt. 1716 zu Hubertusburg, einem Günstling des Kurfürsten August des Starken von Sachsen, erlosch die Heiligenberger Linie. 2) Die Kinzigerthaler Linie gründete Christoph I. von F. (geb. 24. April 1534, gest. 17. Aug. 1559), ein Sohn Friedrichs III. Von seinen Enkeln starb Graf Wratislaw I. von F. (geb. 1584), welcher meist in den Niederlanden lebte, 10. Juli 1631 als Präsident des Reichshofrats zu Wien. Vettern Wratislaws waren Wratislaw II. von F. (geb. 1600, gest. 1642) und Friedrich Rudolf von F. (geb. 1602, gest. 26. Okt. 1655 als k. k. Oberstfeldzeugmeister), von denen ersterer Stammvater der Möskircher, letzterer Ahnherr der Stühlingener Linie wurde. Auf beide Linien ging 1716 der Fürstentitel über. — a) Der Möskircher Linie gehörte Karl Egon Eugen von F. (geb. 2. Nov. 1665) an, welcher 1697 Generalfeldzeugmeister des Schwäbischen Kreises, 1700 k. k. Feldmarschalllieutenant wurde, als solcher 14. Okt. 1702 in der Schlacht bei Friedlingen den linken Flügel kommandierte und an den erhaltenen Wunden starb. Sein Bruder, Fürst Froben Ferdinand von F. (geb. 6. Aug. 1664, gest. 4. April 1741) hinterließ einen einzigen Sohn, den Fürsten Karl Friedrich Nikolaus von F., mit welchem 7. Sept. 1744 die Möskircher Linie erlosch. — b) Friedrich Rudolf von F., der Stifter der Stühlingener Linie, hatte zum Enkel den Grafen Prosper Ferdinand von F., geb. 12. Sept. 1662, der vor Landau 21. Nov. 1704 als kaiserl. Dren uurtete Er fiel. Von des letztgenannten Söhnen stiftete Graf Ludwig August Egon die landgräfl. Subsidiallinie in Weitra, während der ältere, Joseph Wilhelm Ernst von F., geb. 12. April 1699, Reichsfürst seit 1716, seinereit als Diplomat dielfach thätig, nach dem Ausslrben der Möskircher Linie in den alleinigen Besitz aller Reichslande kam und, nachdem er noch 19. Jan. 1762 die Ausdehnung des Reichsfürstenstandes auf alle ehelichen Erben beiderlei Geschlechts erhalten, während bisher nur der jedesmalige Regent Fürst, die andern Familienglieder Landgrafen hießen, 29. April 1762 zu Wien starb. Ihm succedierte sein älterer Sohn, Fürst Joseph Wenzel Johann Nepomuk von F. (geb. 21. März 1728, gest. 2. Juni 1783). Dessen erste Gemahlin, Gräfin Maria Anna von Waldstein zu Pürglitz (gest. 1756), von welcher er zwei Söhne hatte, begründete durch Testament vom 30. Aug. 1756 in der Person ihres weiten Sohnes, Karl Egon, die fürstliche Subsidiallinte in Böhmen. Da jedoch der fürstl. Hauptstamm 17. Mai 1804 ausstarb, so fiel die Succession in den Reichslanden an die böhm. Subsidiallinie. Der Gründer derselben, Fürst Karl Egon von F. (geb. 7. Mai 1729, gest. 11. Juli 1787), hinterließ zwei Söhne, Karl Joseph Aloys von F., geb. 1760, welcher als Generalfeldmarschalllieutenant des Schwäbischen Kreises 25. März 1799 in der Schlacht bei Stockach fiel, und Philipp Nerius Maria Joseph von F. (geb. 21. Okt. 1755, gest. 5. Juni 1790). Der Sohn des erstern, Karl Egon von F., geb. 28. Okt. 1796, succedierte 17. Mai 1804 in den Reichslanden. Derselbe war bad. General, lange Zeit hindurch erbliches Mitglied der bad. Ständeversammlung und in derselben Vizepräsident, und starb 22. Okt. 1854. Ihm succedierte sein ältester Sohn, Fürst Karl Egon von F., geb. 4. Marz 1820, preuß. General der Kavallerie und Generaladjutant des Großherzogs von Baden. Die erwähnte landgräfliche Linie in Osterreich oder die Subsidiallinie zu Weitra stiftete der jüngere Sohn des Grafen Prosper Ferdinand Philipp von F., Ludwig August Egon von F. (geb. 4. Febr. 1705, gest. 10. Nov. 1759 als Reichs-Generalfeldzeugmeister). Derselbe hinterließ zwei Söhne, die Landgrafen Joachim Egon von F., geb. 22. Dez. 1749, gest. 26. Jan. 1828 (der unter anderm in der Herrschaft Pürglitz das große Hüttenwerk Neujoachimsthal anlegte), und Friedrich Joseph von F., geb. 24. April 1751, gest. 1. Juli 1814. Ein Sohn des letztern war Landgraf Friedrich von F., geb. 29. Sept. 1793, gest. 22. Mai 1866, österr. General der Kavallerie und früher Kapitän der k. k. Trabantenleibgarde. Enkel Joachim Egons sind: Landgraf Egon Johann von F., geb. 21. März 1802, erbliches Mitglied des österr. Herrenhauses, gest. 10. Jan. 1879, Landgraf Joseph von F., geb. 22. Febr. 1808, Landgraf Friedrich Egon von F., geb. 8. Okt. 1813, Fürst-Erzbischof von Olmütz (seit 1853) und Kardinal (seit 1879), und Landgraf Ernst Philipp von F., geb. 6. Nov. 1816. Das Haupt dieser Linie ist gegenwärtig Landgraf Eduard, geb. 5. Nov. 1843, Sohn des Landgrafen Johann. Vgl. Münch, 4«Geschichte des Hauses und Landes F.» (3 Bde., Aachen 1830 —32).