FeedHabsburg
GeschichteBrockhaus 1882

Habsburg, Dynastengeschlecht, hat seinen Namen von dem Schlosse Habsburg, welches der Bischof von Straßburg, Werner, aus dieser Dynastie um 1027 auf einer Anhöhe bei Windisch an der Aar baute. Zum ersten male wird dieses Schlosses, dessen Ruinen noch jetzt stehen, in einer Urkunde von 1099 gedacht. Zur Zeit des ersten hohenstaufischen Königs scheint es dem damaligen Besitzer des noch bescheidenen Grafengutes, Werner II., gelungen zu sein, das Landgrafiat des obern Elsasses und die Schirmvogtei über Kloster und Kirche Murbach und Luzern an sich zu bringen. Werners Sohn, Albrecht III., bekam von Kaiser Friedrich I. den Zürichgau und als Verwandter des bafi Lenzburgschen Hauses, das 1172 ausstarb, einen Teil von dessen Gütern am Luzernersee, Willisau, Sempach u. s. w. Dessen Sohn, Rudolf, hatte eine hervorragende Stellung unter den schwäb. Großen, stellte dem Kaiser Friedrich II. bedeutende Geldmittel zur Verfügung, wofür ihm die Grafschaft Aargau verliehen wurde. H.s Besitzungen hatten eine solche Ausdehnung erlangt, daß sie zum Jurisdiktionsgebiete sieben geistlicher Fürsten gehörten, der Bischöfe von Straßburg, Konstanz, Basel, Chur, Genf und Lausanne und des Abtes von St. Gallen. Graf Rudolf, der auch noch die Grafschaft im Frickgau gewann, hinterließ (gest. 1232) zwei Söhne, Albrecht den Weisen (gest. 1239), Vater des nachmaligen röm. Königs Rudolf, und Rudolf II. Sie teilten die Besitzungen unter sich, sodaß Albrecht außer dem Schlosse H. die Ländereien im Aargau und Elsaß, Rudolf die Grafschaft Klettgau, die Grafschaften Rheinfelden und Lauffenburg und die Besitzungen im Breisgau erhielt. Nach dem Reierungssitze hieß diese Linie die Lauffenburgische. In der Folge teilte sie sich wieder in zwei Linien‚ von welchen die eine mit dem Grafen Johann IV. 1408, die andere mit dem Grafen Eggo 1415 erlosch. Lauffenburg kam dadurch an Ssterreich, Klettgau ging durch Johanns IV. Erbtochter Ursula auf den Grafen Sulz und von diesem durch Heirat 1687 auf das Haus Schwarzenberg über. Albrecht, Stammyater der Hauptlinie, vergrößerte seine Besitzungen durch Heirat mit Helwigis, Gräfin von Kyburg, Tochter des Grafen Ulrich von Kyburg, Lenzburg und Baden, der von den Herzögen von Zähringen abstammte und mit Kaiser Friedrich II. verwandt war. Aus dieser Verbindung stammt Rudolf I., geb. 1. Mai 1218, der Begründer des Kaisergeschlechts H., welcher 29. Sept. 1273 durch Wahl der Kurfürsten den deutschen Thron bestieg. Der Kampf mit Ottokar von Böhmen verschaffte dem Hause H. den Besitz von Ssterreich. Von den Besitzungen seines Hauses gingen in den folgenden Zeiten die helvetischen an die zur Unabhängigkeit gelangte Eidgenossenschaft, die im Elsaß an Frankreich verloren; nur die in Schwaben blieben bei seinem Hause. Rudolf I. wußte durch Kauf und andere Mittel 96 1 Besitzungen in der Schweiz zu vermehren, und ei seinem Tode (15. Juli 1291) standen Freiburg, Luzern, Zug, Glarus, Kyburg, Zofingen, Baden, Lenzburg, Aarau u. s. w. entweder ganz oder zum Teil unter habsburgischer Herrschaft. Er hatte drei Söhne: Albrecht J., seit 1298 deutscher König, Hartmann, dem er die burgund. Krone zuwenden wollte, der aber schon 1287 starb, und Rudolf, der anfangs mit Albrecht die österr. Lehne teilte, die er 1283 Albrecht gegen ein Jahrgeld überließ, 1289, also vor seinem Vater, starb. Rudolfs Sohn Johannes (Parricida), erst nach dem Tode des Vaters geboren, ward 1308 der Mörder seines Oheims Albrecht und starb 1313. Der König Albrecht I. hatte von seiner Gemahlin Elisabeth, der Tochter des Herzogs iuolf (0e von Kärnten und Tirol, fünf Söhne: Rudolf (gest. 1307); Friedrich III. der Schöne, seit 1314 deutscher König (gest. 1330); Leopold II. (der Glorreiche, gest. 1326); Albrecht II. (der Weise, gest. 1358); Heinrich (der Freundliche, gest. 1327); Otto (der Fröhliche, gest. 1339). Rach einem Familienvertrage leitete Friedrich nach Albrechts I. Tode die Regierung Osterreichs und Leopold die Erbgüter im Elsaß, Helvetien und Schwaben. Friedrichs des Schönen Sohn Friedrich II. starb 1322, seine Brüder Leopold und Heinrich hinterließen keine Erben. Albrecht II. und Otto regierten gemeinsam, bis Otto 17. Febr. 1339 starb, dem seine Söhne Friedrich II. und Leopold II. (1343) bald im Tode nachfolgten, sodaß auf Albrecht II. und seiner männlichen Nachkommenschaft die Hoffnungen des Hauses ruhten. Dessen Kinder waren: Rudolf, Erbe von Tirol (gest. 1365); Bople 6 II. (gest. 1362); Albrecht III. (mit dem opfe genannt, gest. 1395); Leopold III. (der Fromme), welcher Breisgau, Feldkirch, Bregenz, Sonneberg und Hohenberg erwarb und 1386 starb. Dem Familienvertrage der Unteilbarkeit der Länder gemäß leitete Rudolf IV. (der Stifter) die Regierung. Er nahm den erzherzogl. Titel an, den erst Kaiser Friedrich III. bestätigte. Es regiert dann die Albertinische Linie in Osterreich bis zu ihrem Erlöschen 1457. — Die Nachkommen Albrechts III. waren: sein Sohn Albrecht IV. (gest. 1404), dessen Sohn Albrecht V., König von Ungarn, als deutscher König (1438) Albrecht II. (gest. 1439). Letzterm gebar Kaiser Sigismunds Tochter, Elisabeth, den spätern König von Böhmen und Ungarn, Ladislaus Posthumus, der 1457 kinderlos starb. — Leopold III., der zweite Sohn Albrechts II., hatte vier Söhne: Wilhelm, der Ehrgeizige (gest. 1406); Leopold 1V., der Dicke (gest. 1411); Ernst der Ciserne (gest. 1424) und Womdie IV. mit der leeren Tasche (gest. 1439). Von diesen gemeinschaftlich regierenden Brüdern starben Wilhelm und Leopold unbeerbt. Ernst und Friedrich teilten die Länder der Leopoldinischen Linie unter sich, sodaß Ernst über Steiermark, Kärnten und Krain, Friedrich über Tirol und die Hausgüter im Elsaß, Helvetien und Schwaben regierte. Friedrichs Sohn, Sigismund, erwarb Nellenburg und starb w1496. Ernsts Söhne waren: der deutsche Kaiser Friedrich III. (als Erzherzog von Ssterreich Friedrich V., gest. 1493) und Albrecht VI. (gest. 1463). Des erstern Sohn, Maximilian J., deutscher Kaiser seit 1493, brachte durch Heirat mit Maria von Burgund (1477) die reiche burgund. Erbschaft an sein Haus (gest. 1519). — Sein Sohn Philipp gewann seinem Hause durch Heirat mit Donna Juana Spanien und starb 1506. Doch trat nun eine Teilung der Familie und der Hausbesitzungen ein, indem Philipps ältester Sohn als Karl I. Spanien und Burgund erhielt, w1519 aber als Karl V. deutscher Kaiser ward. Ferdinand I., der zweite Sohn Philipps, bekam dagegen die österr.-deutschen Länder, denen er durch seine Heirat mit Anna (1521), der Schwester Ludwigs II., des letzten Königs von Ungarn und Böhmen aus dem Mose der Jagellonen (gest. 1526 in der Schlacht bei Mohacs), noch diese Königreiche, nebst Mähren, Schlesien und der Lausitz hinzufügte. Die Spanische Linie starb 1700 mit König Karl II., die deutsche Linie der Habsburger mit Karl VI. 1740 aus. — Ferdinand J., der Bruder Kaiser Karls V., wurde 1556 deutscher Kaiser und hatte fünf Kinder: a) Elisabeth; b) Maximilian II., 1564 deutscher Kaiser; e) Ferdinand (in Tirol und Vorderösterreich, gest. 1595), dessen einziger Sohn Karl 1618 starb; d) Katharina; e) Karl (in Steiermark, Kärnten, Krain und Görz, gest. 1590). Max II. hatte fünf Söhne: Rudolf II., Kaiser (gest. 1612); Ernst (gest. 1595); Mathias, Kaiser (gest. 1619); Max (gest. 1618) und Albrecht (gest. 1621). Von der Steirischen Linie (Karl, gest. 1590) stammte außer Leopold, dessen Linie bald erlosch, noch Kaiser Ferdinand II. ab (gest. 1637), der alle österr. Länder wieder vereinigte. Sein Sohn, Ferdinand III., Kaiser seit 1637, hatte zwei Söhne: Franz (gest. 1654) und Leopold I., Kaiser seit 1658. Letztern überlebten zwei Söhne: Joseph I., Kaiser seit 1705, und Karl VI., Kaiser seit 1711, der bei der Teilung der span. Monarchie die Niederlande, Neapel, Sicilien und Mailand erhielt, und mit dem 1740 der Mannsstamm des Hauses H. ausstarb. Karl VI. hinterließ kraft der Pragmatischen Sanktion seine Staaten der einzigen Tochter Maria Theresia (gest. 1780), in welcher das Haus H. durch die Verbindung mit dem Hause Lothringen (Habsburg-Lothringen) wieder aufblühte, und die ihrem Erbe noch Galizien und die Bukowina zufügte. Ihrem Gemahl Franz I. Stephan, Sohn des Herzogs Leopold von Lothringen, deutschem Raiser seit 1745 (gest. 1765), gebar sie Kinder: 3) Clisabeth (gest. 1740); b) Marianne (gest. 1789); c) Charlotte (gest. 1741); d) Joseph II. (gest. 1790), Kaiser seit 1765, vermählt mit Isabella von Parma (gest. 1763), dann mit Josepha von Bayern (gest. —1 dessen beide Töchter früh starben; e) Marie Christine (gest. 1798), Statthalterin in Ungarn und den Niederlanden, vermählt mit Albert von Sachseneschen; ) Maria Elisabeth (gest. w1808); g) Karl (gest. 1761); h) Maria Amalia (gest. 1804), vermählt mit Ferdinand von Parma; i) Leopold II., Kaiser seit 1790 (gest. 1792); k) Karoline, Königin von Neapel (gest. 1814), Gemahlin Ferdinands IV.; Johanne Gabriele (gest. 1762); m) Josepha (gest. 1767); n) Ferdinand, Herzog von Modena (gest. 1806), dessen Sohn Franz IV., gest. 1846, vier Kinder hatte: Maria Therese, Franz V. (Herzog 1846—59, gest. 1875), Ferdinand (gest. 1849) und Beatrix; o) Marie Antoinette (gest. 1793), Gemahlin Ludwigs XVI. von Frankreich; p) Maximilian, Erzbischof von Köln und Kurfürst, Bischof zu Münster, Hoch⸗ und Deutschmeister (gest. 1801). — Kaiser Leopold II. hinterließ eine zahlreiche Familie: 1) Maria Theresia (gest. 1827), vermählt mit dem König Anton von Sachsen; 2) Franz II., deutscher Kaiser seit 1792, der aber 1806 den deutschen Kaisertitel aufgab und sich seit 1804 als Kaiser von Österreich Franz I. nannte; 3) Ferdinand III., Großherzog von Toscana (gest. 1824), dessen Sohn, Leopold II., Großherzog 1824 — 59, gest. 1870, sechs Kinder hatte; 4) Maria Anna, die 1809 zu Prag als Stiftsdame starb; 5) Karl, der, als Feldherr berühmt, 1847 starb und vier Söhne und zwei Töchter hinterließ; 6) Joseph, gest. 1847 als Palatin von Ungarn und zwei Söhne und zwei Töchter hinterlassend; 7) Marie Clementine (gest. 1801), vermählt mit Franz I. von Sicilien; 8) Anton, gest. 1835 als Großmeister des Deutschen Ordens in Ssterreich; 9) Johann, der 1848 deutscher Reichsverweser ward und 1859 starb; 10) Rainer, bis 1848 Vizekönig von Mailand, gest. 1853 mit Hin-IINLuawig⸗ fünf Söhnen und einer Tochter; 11) Ludwig, k. k. Feldzeugmeister, gest. 1864; 12) Rudolf, gest. als Kardinal und Parnoio von Olmütz 1831. — Kaiser Franz II. hatte sieben Kinder: Marie Luise, Gemahlin Napoleons I., gest. als Herzogin von Parma 1847; Ferdinand I., Kaiser seit 1835, der 1848 die Regierung niederlegte und 1875 starb; Maria Clementine, Gemahlin des 1851 gestorbenen Prinzen Leopold von Sicilien (gest. 1881); Leopoldine Karoline, gest. als Gemahlin des Kaisers Pedro I. von Brasilien 1826; Karoline Ferdinande, Gemahlin des Königs Friedrich August II. von Sachsen, die 1832 starb; Maria Anna, gest. 1858; Franz Karl Joseph, geb. 7. Dez. 1802, gest. 8. März 1878. Aus des letztern Che mit Friederike Sophie Dorothea (geb. 27. Jan. 1805, gest. 28. Mai 1872), Tochter König Maximilian Josephs von Bayern, entsprangen vier ph I.; der seit 1848 regierende Kaiser Franz Joseph I.; Ferdinand Maximilian Joseph, geb. 6. Juli von Reriko, gest. 1867; Karl Ludwig H. Maria, geb. 30. Juli 1833; Ludwig Joseph Anton Victor, geb. 15. Mai 1842. — Die Stammlande des Hauses gingen der Familie großenteils verloren, als die Schweiz sich unter Albrecht I. vom Deutschen Reiche losriß; die letzten Besitzungen in der Schweiz wurden 1802 an diese abgetreten. Die Stammburg blieb fast 150 Jahre nach Rudolfs I. Larses d zum röm. König noch ein Besitztum des Hauses von Ssterreich wegen seiner Anhänglichkeit an den Papst Johann XXIII. in Acht und Bann geriet und einen großen Teil seiner Besitzungen verlor, fiel auch die Burg an den Kanton Bern. Vgl. Röpell, „Die Grafen von H.» (Halle 1832); Fürst Lichnowsti, 4Geschichte des Hauses H. v (8S Bde., Wien 1836-37).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 684Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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