Galéenus (Claudius), nächst Hippokrates der berühmteste Arzt des Altertums, geb. 131 n. Chr. zu Pergamum, war der Sohn des Nikon, eines Architekten, welcher auf seine Erziehung Hängr Sorgfalt verwendete. Nachdem G. bei Anhängern der vier damaligen Hauptschulen, der stoischen, platonischen, peripatetischen und epikureischen, die Philosophie in ihrem ganzen Umfange studiert hatte, begann er in seinem 17. Lebensjahre das Studium der Heilkunde, in der er in seiner Vaterstadt, in Smyrna und Korinth von verschiedenen berühmten Ärzten unterrichtet wurde. Hierauf reiste er, um seine Kenntnisse zu erweitern, nach Lycien und Palästina und hielt sich dann längere Zeit in Alexandrien auf, um in diesem Centralpunkte der damaligen gelehrten Welt sich besonders auch in der Anatomie zu vervollkommnen. Nachdem er 158 n. Chr. nach Pergamum zurückgekehrt war, wurde er als Arzt der Gladiatoren angestellt. Infolge eines Aufruhrs aber wendete er sich im J. 164 nach Rom, wo er durch glückliche Kuren und physiol. Vorlesungen sich bald großen Ruhm erwarb. Im J. 167 oder 168 kehrte er nach Pergamum zurück. Schon im folgenden Jahre wurde G. indes von den Kaisern Marcus Aurelius und Lucius Verus nach Aquileja gerufen und nach dem Tode des letztern vom erstern aufgefordert, ihn nach Germanien zu begleiten, was er jedoch ausschlug, um in Rom als Leibarzt des Commodus zu leben. Hier benutzte er seine Muße zur Ausarbeitung zahlreicher Schriften, von denen viele bei einem großen Brande im J. 191 verloren gingen. Noch unter den Kaisern Pertinax und Septimius Severus lebte er in Rom und starb um 200, ob in Rom oder in Pergamum, ist ungewiß. G. nimmt auch als Philosoph eine selbständige Stellung ein. Er war als solcher CEklektiker auf peripatetischer Grundlage. Weit bedeutender aber war er als Mediziner. Sein Hauptverdienst besteht in der Bearbeitung der Anatomie und Physiologie, wodurch er einen sichern Grund für die Pathologie gewann und so mächtig auf die nachfolgende Zeit wirkte, daß er bis auf Paracelsus als unantastbare Autorität für alle mediz. Schulen galt. G. hat wohl 300 Schriften größtenteils medizinischen, zum Teil philos. Inhalts verfaßt. Von den fast 200 aber, die (zum Teil freilich nur in übersetzungen oder fragmentarisch) unter seinem Namen auf uns gekommen sind, gilt nur etwas über die Hälfte für echt. Vieles von den noch nicht veröffentlichten Werken scheint noch in den Bibliotheken verborgen zu liegen. Die vollständigste Ausgabe seiner Schriften hat Kühn (20 Bde., Lpz. 1821 —33) besorgt. Seitdem sind einzelne Schriften G. zum ersten male neu herausgegeben, wie die ELOακ½ονν &½πμανανννν von Minas (Par. 1844), Fragmente seines Kommentars zum Timäos des Platon von Daremberg (Par. 1848), die Schrift „De partibus philosophiaen von Wellmann (Berl. 1882), andere in kritisch berichtigten Ausgaben, wie namentlich sein Werk De placitis Hippocratis et Platoniso von Iw. Müller (Bd. 1, Lpz. 1874, enthält den ganzen Text). Deutsche übersetzungen einzelner Schriften lieferten Sprengel und Nöldecke, eine französische mehrerer 4„Oéeuvyres anatomiques, physiologiques et philosophiques „ (2 Bde., Par. 1854—-56) Daremberg.