Gregor J., der Große, röm. Papst 590—604, hat auf die Gestaltung der kath. Kirche und besonders auf die Hebung des Papsttums den weitgehendsten Einfluß ausgeübt. G. stammte aus der angesehenen röm. Familie der Anicier. Sein Vater Gordianus war Senator, seine Mutter Sylvia wurde wegen ihres frommen Lebenswandels später heilig gesprochen. G. wurde um 540 geboren, erhielt eine vielseitige Bildung, widmete sich der Rechtskunde, las aber daneben die Schriften der Kirchenväter. Um 574 ernannte ihn Kaiser Justin zum röm. Prätor. Durch den Tod des Vaters in den Besitz eines großen Vermögens gelangt, stiftete er sechs Benediktinerklöster in Sicilien, ein siebentes in seinem Hause in Rom, in welches er selbst eintrat. Ungern nur ließ er sich von Papst Paschalis II. zum Diakon weihen und als Apokrisarius 579 nach Konstantinopel senden, wo er mit Erfolg für die Aussöhnung des Kaisers mit dem Papst thätig war. Im J. 585 nach Rom zurückgekehrt, wurde G. Abt des von ihm gestifteten Klosters und vom Papst zu allen wichtigen Geschäften herangezogen. Der Papst rief ihn auch von einer Missionsreise nach Britannien zurück. Am 3. Sept. 590 wurde G. auf Grund einstimmiger Wahl von Klerus, Senat und Volk auf den päpstl. Stuhl erhoben. Mit den arianischen Longobarden wußte sich G. wenigstens so weit zu verständigen, daß die kath. Königin Theodelinde, eine hayr. Prinzessin, ihren Gatten Agilulf bewog, den kath. Bischöfen die Rückkehr zu ihren Sitzen zu gestatten und seinen Sohn katholisch taufen zu lassen, daß Agilulf 593 gegen Zahlung einer großen Summe Geldes von der Einnahme Roms abstand und 599 mit dem griech. Erarchen einen Frieden schloß, der wenigstens einige Jahre dauerte. Das Verhältnis zum griech. Kaiser konnte dabei kein freundschaftliches bleiben. Es litt noch mehr unter den Streitigkeiten, welche zwischen G. und dem Patriarchen von Konstantinopel wegen des röm. Primats ausbrachen. Der Patriarch Johannes IV., Faster, hatte sich mehrfach den Titel eines «cökumenischen Patriarcheno (episcopus universalis) beigelegt. Obgleich dies 5 morgenländischem Sprachgebrauch ein Ehrentitel eines jeden Patriarchen war, sah G. darin die tadelnswerte Anmaßung, alle Glieder der Kirche sich unterzuordnen, und bedrohte Johannes IV. sowie dessen Nachfolger Cyriacus mit Aufhebung der Kirchengemeinschaft. G. selbst nannte sich „(Knecht der Knechte Gotteso (servus servorum Dei). Auch im Abendlande scheute G. mancherlei Streitigkeiten nicht, um die Bischöfe und Metropoliten vom röm. Stuhl abhängiger zu machen. Als äußeres Zeichen dieser Abhängigkeit führte er die von Papst Symmachus kmn 500) zuerst aufgebrachte Übersendung des Palium allgemein ein. Von großer Bedeutung war die Mission unter den Angelsachsen in Britannien. Im J.596 sandte G. den Benediktinermönch Augustin mit 40 Genossen nach Kent zum König Ethelbert und ab ihm Lerg in Briefen die eingehendsten Vorschristen. er König ließ sich taufen und viele Angelsachsen foldien dagegen gelang es nicht, die altbrit. Kirche zur Unterwerfung unter Rom zu bewegen. Das Mönchswesen hat G. stark begünstigt und die Scheidung der Mönche von den Geistlichen angebahnt, um in den Mönchen, nachdem sie der bischöfl. Aufsicht entzogen waren, eine dem Papsttum unbedingt ergebene Schar von Streitern zu besitzen. Auch um die Reformation des Klerus hat sich G. bemüht. Über die Pflichten der Geistlichen verbreitet sich seine cRegula pastoralisb. Als Theolog wird G. neben Ambrosius, Hieronymus, Augustin zu den vier Lehrern der Kircher (doctores ecclesiae) des Abendlandes gezählt. Seine dogmatische Hauptschrift sind die Dialogorum de wita et miraculis patrum Italicorum et de aeternitate animarum libri IVy. Die Bilder verteidigt er, will sie aber nur als Hilfsmittel für die Unwissenden gelten lassen. G. bezeichnet bost das Abendmahl als eine that sächliche Wiederholung des Opfers Christi am Kreuz. Heiligen⸗ und Reliquiendienst hat er stark begünstigt, die Lehre vom Fegfeuer und den damit zusammenhängenden Seelen-oder Totenmessen weiter gebildet. Für die Ordnung des Gottesdienstes ward von Bedeutung, daß G. das Sacramentariumo Papst Gelasius I. vermehrte und daß er durch seine Sängerschule statt des bisher gebräuchlichen «Ambrosianischen Gesangsv den sog. Gregorianischenv einführte, eine ernst feierliche, recitative Vortragsweise. Von seiner Abneigung gegen die weltlichen Wissenschaften machte G. kein Hehl, und daraus mögen die unwahren Nachrichten entstanden sein, er habe die Palatinische Bibliothek verbrennen, sowie ie Monumente und Statuen Roms umstürzen lassen. G. starb 12. März 604. Von seinen Werken (4 Bde., Par. 1705) sind zu nennen die Moralia, sive expositiones in Jobumo, eine moralische Auslegung des Hiob, die Dialogi, sive de vita et miraculis patrum Italicorumo. Vgl. Lau, 4Gregor I. nach Leben und Lehrev (pz. 1845); Pfahler, 4G. der Große und seine Zeite (Bd. 1, Frankf. 1853); Baxmann, «Die Politik der Päpste von Gregor I. bis Gregor VII. (2 Bde., Elberf. 1868 — 69); Böhringer, „(Die Kirche Christi und ihre Zeugen » (Bd. 1, Abteil. 4, Zür. 1846; 2. Aufl. 1873).