Mißbildungen oder Monstrositäten, auch Bildungsabweichungen, nennt man im weitesten Sinne alle abnormen Veränderungen in der Form einzelner Pflanzenteile. Dieselben können entweder durch pflanzliche oder tierische Parasiten hervorgerufen werden oder durch andere Einflüsse, wie allzu reichliche oder mangelhafte Ernährung u. dgl. oder auch ohne äußere Umstände durch Variation entstehen. In ersterm Falle tritt entweder infolge des Eingriffs der Parasiten eine Vertrocknung, Verschrumpfung oder eine völlige Zerstörung der befallenen Pflanzenteile ein oder es bilden sich Anschwellungen, Hypertrophien u. dgl., die man allgemein unter dem Namen Gallen oder Cecidien zusammenfaßt. (Näheres s. unter Gallen und Pflanzenkrankheiten.) Diejenigen Veränderungen, die durch andere Umstände bewirkt werden oder die in der Natur der Pflanze begründet liegen, sind äußerst mannigfaltiger Art. Die Betrachtung derselben bildet einen besondern Teil der Lehre von den Pflanzenkrankheiten oder der Pflanzenpathologie und wird gewöhnlich als Teratologie bezeichnet. Hierher gehören unter anderm die Erscheinungen des Riesenwuchses, Zwergwuchses oder Nanismus, der Verbänderung oder Fasciation, ferner die verschiedenen Veränderungen der Blüten, wie die sog. Pelorienbildung, die Vergrünung oder Chloranthie, die abnorme Vermehrung oder Verminderung einzelner Blütenteile, wie sie z. B. bei der Füllung der Blüten auftritt. Auch die vermehrte Knospen⸗ oder Sproßbildung, die sog. Polykladie, sowie die Sprossung oder Proliferation sind hierher zu rechnen. Für die vergleichende Morphologie haben die M. insofern eine Bedeutung, als man in manchen Fällen daraus ersehen kann, in welcher Weise eine Rückbildung gewisser Pflanzenteile stattfindet; so kann man z. B. aus der Vergrünung oder blattartigen Veränderung der Staubgefäße erkennen, daß diese Organe wirklich den Charakter eines Blattes tragen, was man übrigens mit Sicherheit nur aus den Stellungsverhältnissen an der Blütenachse schließen kann. Diese Bedeutung der M. für die vergleichende Morphologie ist jedoch vielfach überschätzt worden und insbesondere sind es die in der Blüte auftretenden Veränderungen in der Zahl der vorhandenen Organe und in der Gestalt derselben, welche zu sehr gewagten und zum Teil ganz ungerechtfertigten Schlüssen Anlaß gegeben haben.