FeedGallenblase
HeilkundeBrockhaus 1882

Gallenblase, s. unter Galle (physiol.) und Gallencapillare. s. unter Galle (ohnsiol.). Gallenfarbstoffe. Aus der Galle der Tiere und Menschen sind im Laufe der Zeit zahlreiche gefärbte Verbindungen abgeschieden und mit verschiedenen Namen belegt worden: Bilirubin, Biliverdin, Bilifuscin, Biliprasin, Stereobilin, Bilicyanin, Choleverdin, Choletelin, Cholepyrrhin, Biliphäin, Bilifulvin u. s. w. Von allen diesen sind „nur die beiden erstern als chem. Individuen sicher anzuerkennen, die übrigen sind zum Teil wenig studiert, zum Teil bestimmt als Gemenge erwiesen: 1) Bilirubin C3 HSN. O%, von Städeler entdeckt. Zur Darstellung werden gepulverte Gallensteine vom Ochsen nacheinander mit Ather, Alkohol, verdünnter Salzsäure, Wasser erschöpft und der getrocknete Rückstand mit Chloroform ausgekocht. Das Bilirubin wird vom Chloroform aufgenommen. Um es weiter zu reinigen, wird diese Lösung völlig verdunstet und der Rückstand mit Alkohol und AÄther ausgezogen, darauf wieder in Chloroform gelöst und mit Alkohol versetzt, wodurch das Bilirubin in amorpher Form gefällt wird. Löst man dieses in Chloroform, Schwefelkohlenstoff oder Benzol, so krystallisiert es nach vorsichtigem Verdunsten in roten klinorhombischen Prismen. Außer in letztgenannten Lösungsmitteln ist es leicht in alkalischen Flüssigkeiten löslich, wird aber bei dauernder Berührung mit Luft in dieser Lösung unter Grünfärbung verändert; Zusatz von Säuren fällt unverändertes Bilirubin. Ein Zusatz von starker roter Salpetersäure zu der alkalischen Lösung färbt diese nacheinander grün, blau, violett, rot und endlich gelb (Gmelinsche Gallenprobe). Diese Farbenerscheinung wird als Nachweisungsmittel von Gallenpigment im Harn und sonstigen Flüssigkeiten bei Krankheiten der Leber benutzt. 2) Biliverdin ½ H,N. O, der färbende Bestandteil der grünen Gallen, ist offenbar ein Oxydationsprodukt des vorigen und läßt sich auch durch Orydation des Bilirubins erhalten, indem man die alkalische Lösung desselben so lange der Luft aussetzt, bis sie grün geworden, oder indem man sie mit Bleisuperoryd behandelt. Aus der grünen Lösung fällt Essigsäure flockiges Biliverdin, welches in Alkohol, in Eisessig und in Alkalien löslich, aber in Chloroform, Ather, Wasser unlöslich ist und nur sehr schwer krystallisiert zu erhalten ist. Es zeigt die Gmelinsche Reaktion ebenso wie das Bilirubin. Die Gallenpigmente stehen chemisch in naher Beziehung zu dem aus dem Blutfarbstoff, dem Hämoglobin, bei seiner Zersetzung hervorgehenden Hämatin und sind als Spaltungsprodukte desselben zu betrachten. Der Körper entledigt sich daher offenbar des verbrauchten Blutfarbstoffs in dieser Form, durch Ausscheidung der Galle.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 482Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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