FeedCholesterin
NaturlehreBrockhaus 1882

Cholesterin, Cholestearin oder Gallenfett C241I40. Ein im Tier⸗ und Pflanzenreich weit verbreiteter, aber in normalen Organismen immer nur in geringen Mengen auftretender Körper, ist zuerst in den Gallensteinen aufgefunden und hat daher seinen Namen erhalten. Neuere Untersuchungen haben nachgewiesen, daß das C. in gar keiner Beziehung zu den Fetten steht, es scheint ein Spaltungsprodukt der Eiweißkörper zu sein. Man erhält es am leichtesten aus menschlichen Gallensteinen, die häufig fast ganz daraus bestehen. Diese werden zerkleinert, mit starkem Alkohol gekocht, siedendheiß filtriert, worauf das C. in charakteristischen, tafelförmigen Krystallen beim Erkalten sich ausscheidet. Beim Krystallisieren aus weingeistiger oder allwafser Lösung enthält es stets 1 Molekül Krystallwasser, aus Petroläther und Chloroform krystallisiert es wasserfrei. In Wasser ist es unlöslich, leicht löslich aber in Alkohol, Ather, Chloroform, Schwefelkohlenstoff. Die Konstitution des C. ist noch nicht bekannt, doch sprechen viele Thatsachen dafür, daß es ein Alkohol sei. Charalteristisch für das C. ist sein Verhalten gegen Schwefelsäure, namentlich in seiner Lösung in Chloroform; schüttelt man eine solche mit ihrem gleichen Volum konzentrierter Schwefelsäure, so wird sie schnell blutrot, kirschrot bis purpur, die von der Säure getrennte rote Chloroformlösung färbt sich dann blau, grün, endlich gelb; die Schwefelsäure zeigt schöne grüne Fluoreszenz.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 338Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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