Gaß (Friedrich Wilhelm Heinrich Joachim), bedeutender prot. Theolog, geb. 28. Nov. 1813 zu Breslau, wo sein Vater, Joachim Christian G., der Freund und Gesinnungsgenosse Schleiermachers, am 19. Febr. 1831 als Professor und Konsistorialrat starb. In Breslau und Schweidnitz vorgebildet, besuchte G. die Universitäten Breslau, Halle und Berlin, habilitierte sich 1840 als Privatdocent in Breslau, ward 1846 —7 1847 in Greifswald außerord. Professor der Theologie. Im J. 1855 zum ord. Professor befördert, las G. besonders über das Neue Testament und über nsdsnach Eer Im J. 1861 ging G. nach Gießen, 1868 nach Hei delberg, und seitdem behandeln seine Vorlesungen vorzugsweise die systematischen Disciplinen der Theologie. Seine ersten Arbeiten beziehen sich auf die Litteratur und Theologie der griech. Kirche. (Gennadius und Pletho. Aristotelismus und Platonismus in der griech. Kircheß (Bresl. 1844), „Die Mystik des Nikolaus Cabasilas vom Leben in Christov (Greifsw. 1849). Dazu kommen zahlreiche kleinere Abhandlungen und als Abschluß dieser Studien die «Symbolik der griech. Kirche (Berl. 1872). Durch gelehrte Forschung und unbefangenes Urteil in gleicher Weise ausgezeichnet, ist sein Hauptwerk zur Geschichte der prot. Theologie: Geschichte der prot. Dogmatik im Zusammenhange mit der Theologie überhaupt (4 Bde., Berl. 1854 —67). Ebenfalls histor. Art ist das jüngste Hauptwerk: „«Geschichte der christl. Ethiks (Bd. 1, Berl. 1881). Außer kleinern Schriften, wie über Calixt und den Synkretismus, verschiedenen Broschüren und akademischen Reden sind zu nennen der mit wechsel Schleiermachers mit seinem Vatero (Berl. 1852), (Die Lehre vom Gewissen» (Berl. 1869), „Optimismus und Pessimismus, der Gang der christl. Welt- und Lebensansicht» (Berl. 1867) und die Herausgabe von Henkes Vorlesungen über „Neuere Kirchengeschichteß (2 Bde., Halle 1874 —76). Auch ist G. Mitarbeiter an der „Zeitschrift für Kirchengeschichtes von Brieger, am 4Theologischen Deaenehil »von B. Pünjer und an Herzogs Real-Encyklopädie v (1. u. 2. Aufl.).