Günther (Ant.), bedeutender kath. Philosoph und Theolog, geb. 17. Nov. 1783 zu Lindenau bei Leitmeritz in Böhmen, wurde auf der Klosterschule der Piaristen in der Stadt Hayde, später im Jesuitengymnasium zu Leitmeritz vorgebildet, studierte darauf in Prag Philosophie und Jurisprudenz, später, nachdem er längere Zeit Hauslehrer gewesen war, auf der Akademie zu Raab in Ungarn Theologie und erhielt 1820 vom Bischof Fürst Schwarzenberg die Priesterweihe. Im J. 1822 trat er im galiz. Kloster Starawies in den Jesuitenorden, verließ aber nach zweijährigem Noviziat das Kloster und begab sich nach Wien. Hier war er einige Jahre Vizedirektor der philos. Studien und war unermüdlich als philos.⸗theol. Schriftsteller thätig. Seine Schriften wurden sämtlich auf den Index gesetzt und schon 24. April 1853 von der Indexkongregation die Unterdrückung seiner Philosophie verfügt. G. starb zu Wien 24. Febr. 1863. Als philos. Theolog bemühte sich G., die positive Übereinstimmung von Glauben und Wissen zu erweisen, oder eine hetns zu schaffen, welche den modernen Pantheismus überwinde und den reichen Inhalt der kath. Dogmatik aus eigenen Mitteln begründe. Zu dem Zwecke will er den herrschenden Monismus ersetzen durch einen Dualismus, welcher auf Grund einer tiefern Fassung des Schöpfungsbegriffs die Vermischung von Gott und Welt unmöglich macht. Die Welt ist die durchaus freie Setzung Gottes, die Objektivierung seines Weltgedankens. In ihr sind Natur und Geist die beiden entgegengesetzten Prinzipien, als deren Synthese der Mensch erscheint. Die aphoristische Form seiner Schriften erschwerte sehr die Verbreitung seiner Gedanken. Von seinen Schrif—⸗ ten sind zu nennen: „Vorschule zur spekulativen Theologie des Christentums » (Wien 1828), «Süd- und Nordlichter am Horizonte spekulativer Theologien (Wien 1832), Pertönlich a Scrupulis. Zur Transfiguration der Persönlichkeits-Pantheismen der neuesten Zeito (Wien 1835), «Peregrinas Gastmahls (Wien 1830), Die Juste-Milieus in der deutschen Philosophie gegenwärtiger Zeito» (Wien 1838), 4«Eurystheus und Herakles „ (Wien 1843). Zusammen mit Papst (gest. 1838) gab er heraus die Janusköpfe für Philosophie und Theologiev (Wien 1834) und mit Veith das philos. Jahrbuch Lydiay (Wien 1848 50). An dem zwischen Möhler und Baur geführten Streite über das Verhältnis von Katholizismus und Protestantismus beteiligte sich G. mit der Schrift «Der letzte Symboliker v (Wien 1844). Vgl. Knoodt, „Anton G.» (2 Bde., Wien 1880); Flegel, Anton G.s Dualismus von Geist und Natur» (Bresl. 1880).