Gaudy (Franz Bernh. Heinr. Wilh., Freiherr von), deutscher Dichter, aus einer schott. Familie stammend, geb. 19. April 1800 zu Frankfurt a. O. als der Sohn eines preuß. Generallieutenants, erhielt seine wissenschaftliche Bildung im franz. Gymnasium zu Berlin, dann auf der Landesschule Pforta. Er trat 1818 in das preuß. Heer und avancierte bald zum Offizier, nahm aber 1833 seinen Abschied und privatisierte, mit litterarischen Arbeiten beschäftigt, in Berlin. Eine gewisse Zerfallenheit mit der Welt trieb ihn 1835 und 183 nach Italien. Er starb zu Berlin 5. Febr. 1810. In seinen frühern Liedern zeigte G. sich als Nachahmer der saultrndn Liederform. Später erhob er sich zu selbständigen Äußerungen seines Talents und war zuletzt besonders glücklich in ergötzlichem Humor persiflierte und durch Leichtigkeit des Tons und schlagfertigen Witz an die Art Berangers erinnerte. Da er glaubte, daß die Autorität des Adels durch die neuen polit.⸗sozialen Um ein gebrochen sei, fand der Liberalismus an ihm einen entschiedenen Anhänger. Zu seinen frühern, zum Teil noch unreifen Arbeiten gehören: „Eratov (Glogau 1829; 2. Aufl. 1838), (Gedanken-Wiosan eines der Cholera Entronnenenp (2. Aufl., logau 1832), «Schildsagen» (Glogau 1834), Koralleno (Glogau 1834). Schon kräftiger zeigt sich sein Talent in der Novelle „Desengano (Lpz. 1834) und in den «Kaiserliedernv (Berl. 1835), worin er Napoleon feierte. Heier seiner ersten, 1835 nach Italien gemachten Reise waren die zum Teil * anmutig geschriebene Reisedarstellung „Mein Römerzug» (3 Bde., Berl. 1836), die launige Novellette Aus dem Tagebuche eines wandernden Schneidergeselleno (Lpz. 1836; neue Ausg. 1871) und die „Venet. Novellen » (2 Bde., Bunzl. 1838). Seiner letzten Periode gehören noch die „Rovelletten » (Berl. 1837) und die 4Lieder und Romanzen » (Opz. 1837) an. Im Verein mit Chamisso veranstaltete er eine Auswahl von Bérangers Liedern in freier Bearbeitung (Lpz. 1838; neue Ausg. 1873). G.s „Sämtliche Werker gab Arthur Müller (24 Bde., Berl. 1844—47) heraus. Nach Schwabs Rücktritt war G. mit Chamisso Redacteur des Deutschen Musenalmanachso.