FeedGay-Lussac (Louis Joseph)
NaturlehreBrockhaus 1882

Gay-Lussac (Louis Joseph), berühmter franz. Chemiker und Physiker, geb. 6. Dez. 1778 zu St.⸗ Leonard le Noblat im Depart. Ober-Vienne, wurde 1808 Professor der Physik an der Sorbonne zu Paris und wirkte außerdem seit 1809 als Professor der Chemie an der Polytechnischen Schule, bis er 1832 die Professur der allgemeinen Chemie am Jardin des Plantes übernahm. Seit 1830 war er Mitlied der Deputiertenkammer; 1839 erhielt er die Pairswürde. Er starb 9. Mai 1850 zu Paris. Im J. 1804 unternahm G. zwei Auffahrten im Luftballon, bei denen er in größern Höhen, als vor ihm je erreicht waren, wissenschaftliche Beobachtungen anstellte. Im J. 1805 beobachtete er, gemeinschaftlich mit A. von Humboldt, daß genau 2 Volumen Wasserstoff mit 1 Volum Sauerstoff sich zu Wasser vereinen, und fand später, daß ähnliche einfache Verhältnisse bei der Vereinigung aller Gase obwalten. Man verdankt ihm eine Reihe der wichtigsten Entdeckungen im Gebiete der Physik und Chemie. Unter diese gehören z. B. seine Forschungen über Ausdehnung der Gase durch Wärme, über das spezifische Gewicht und die Wärmecapacität der Gasarten, über die Metalle der Alkalien, welche er zuerst durch chem. Zersetzung von Alkalisalzen darzustellen lehrte, das Cyan, das Jod, Chlor, die Versuche mit der Voltaschen Säule u. s. w. In technologischer Beziehung waren von größter Wichtigkeit seine Studien über Salpeterbildung, vor allem aber die Ausbildung verschiedener analytischer Bestimmungsmethoden, durch welche die Untersuchung von Rohmaterialien und Produkten auf ihre wertbestimmenden Bestandteile ermöglicht und erleichtert wurde. Die Alkalimetrie, die Aeidimetrie, die Chlorometrie sind von ihm erdacht, die volumetrische Untersuchung des Silbers wird noch heute in allen Münzwerkstätten der Erde nach dem Geschen Verfahren ausgeübt. Einen Teil seiner frühern chem. Forschungen hat er in Verbindung mit Theénard angestelkt und in den „Recherches physico-chimiques ete. (2 Bde., Par. 1811) bekannt gemacht. Seine übrigen Entdeckungen sind meist enthalten in den Annales de chimieo und in den Annales de chimie et de physiquev, die er seit 1816 bis 1850 mit Arago u. a. herausgab. Viele Berichte sind in den «Comptes renduso der Akademie niedergelegt. Unter seinen einzeln erschienenen Schriften sind zu erwähnen die mit Avon Humboldt gemeinschaftlich gearbeiteten Mémoires sur Panalyse de Pair atmosphérique (Par. 1804), „Recherches physico-chimiques faites sur la pile o (2 Bde., Par. 1811), &Instruction pour Pusage le l'alcoomètre centésimaly (Par. 1824), Instruction sur l'essai de chlorure de chauxo (Par. 1824), «Instruction sur Pessai des matières d'argent par la voie humide v (Par. 1833), Cours de physique v (herausg. von Gros⸗ „selin, Par. 1827), Legçons de chimien (gesammelt von Marmet, 2 Bde., Par. 1828).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 601Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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