FeedGegenreformation
ReligionBrockhaus 1882

Gegenreformation ist die gemeinsame Bezeichnung aller Maßregeln, durch welche die kath. Kirche den Protestantismus in vielen Gegenden wieder unterdrückte. Dabei wurden Gewaltmaßregeln der verschiedensten Art nicht gescheut. Die Handhabe zu dieser Bewegung bot das sog. Territorialsystem, d. h. der Grundsatz, daß jeder Fürst in seinem Gebiete die Religion einführen dürfe, welche er selbst bekenne, aber den andersgläubigen Unterthanen freien Abzug gewähren müsse. Im Augsburger Religionsfrieden zu Gunsten der Protestanten aufgestellt, wurde dieser Grundsatz später gegen sie verwertet. Als Werkzeug der G. arbeiteten überall die Jesuiten, welche alle prot. Länder überschwemmten und überall mit größter Schlauheit, hier im Bunde mit der staatlichen Gewalt, dort im Gegensatz u ihr; hier mit offener Gewalt, dort mit geheimer Zuteine, an der Untergrabung und Verdrängung des Protestantismus arbeiteten. Im J. 1551 kamen die ersten Jesuiten, 13 an der Zahl, nach Wien, bald nachher ließen sie sich in Köln und in Ingolstadt nieder, und von diesen drei Sitzen aus verbreiteten sie sich bald Über ganz Deutschland. Zunächst begann die G. in Bayern. Herzog Albrecht V. schloß den prot. Adel vom Landtage aus, veriagte die evang. Prediger, zwang die evang. Laien, entweder den Katholizismus anzunehmen oder das Land zu verlassen, und forderte von allen Beamten die Unterzeichnung der tridentinischen Professio fidei. Bayerns Beispiel folgten mehrere geistliche Fürsten. Der Kurfürst von Trier, Jak. von Eltz, untersagte 1572 allen Protestanten den Zutritt zu seinem Hofe. Der Kurfürst von Mainz, Daniel Brendel, machte 1574 mit Hilfe der Jesuiten das ganze Eichsfeld wieder katholisch. Ebenso verfuhr 1575 der Abt von Fulda, Balthasar von Dernbach. Der Bischof von Würzburg, Julius Echter, war sehr geneigt, durch den übertritt zum Protestantismus sein Bistum zu einem weltlichen Fürstentum zu machen. Da dies nicht gelingen wollte, hielt er es für geboten, durch vollständige Ausrottung des Protestantismus sich von jedem Verdacht zu reinigen. Auf einer Kirchenvisitation 1584 ersetzte er überall die prot. Geistlichen durch Zöglinge der Jesuiten, und er soll durch seine wirksamen Maßregeln in einem Jahre nicht weniger als 62000 Protestanten zur alleinseligmachenden Kirche zurückgeführt haben. Ahnlich verfuhren die Bischöfe von Bamberg, Salzburg, Hildesheim, Münster u. s. w. Die größten Triumphe feierte die G. in den österr. Erbländern. Hier hatten Ferdinand I. (1556—64) und Maximilian II. (1564—76) der Ausbreitung und Befestigung des Protestantismus keine Schwierigkeit in den Weg gelegt, und von Jahr zu Jahr wuchs die Zahl der Evangelischen. Eine gewaltige Wendung trat ein unter Rudolf II. (1576—1612), der am span. Hofe durch Jesuiten erzogen, und unter Ferdinand II. (seit 1619 Kaiser), der in den Schulen der Jesuiten zu Ingolstadt gebildet war. Die Grausamkeit, mit welcher die Evangelischen ihrer Prediger beraubt und entweder zur Annahme des Katholizismus oder zur Auswanderung gezwungen wurden, veranlaßte den Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs. Während desselben bezeichnet das Restitutionsedikt vom J. 1629 den Höhepunkt der G. Im Westfälischen Frieden 1648 wurde endlich der gewaltsamen Zurückführung des Katholizismus ein Ende gemacht. Auch in Frankreich und in den Niederlanden fand eine blutige G. statt. Vgl. H. Heppe, „Die Restauration des Katholizismus in Fulda, auf dem Eichsfelde und in Würzburgo (Marb. 1850); Peschek, Geschichte der G. in Böhmen» (2 Bde., Lpz. 1844); Reuß, La destruction du Protestantisme en Bohéème (Straßb. 1867); Wiedemann, „(Geschichte der Reformation und G. im Lande unter der Enns v (3 Bde., Prag 1879—82); Keller, „Die G. in Westfalen und am Niederrhein» (Bd. 1, Lpz. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 653Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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