FeedGeiger (Abraham)
ReligionBrockhaus 1882

Geiger (Abraham), ausgezeichneter jüd. Gelehrter, geb. 24. Mai 1810 zu Frankfurt a. M., wurde anfangs nach altrabbinischer Weise von seinem Vater und seinem ältern Bruder Salomon unterrichtet und erhielt erst von seinem 11. Jahre an einen regelmäßigen Unterricht, worauf er 1829 die Universität zu Heidelberg bezog, die er nach kurzem Verweilen mit Bonn vertauschte. Hier studierte er Philosophie und morgenländ. Sprachen und löste die von der Fakultät gestellte Preisaufgabe über die jud. Quellen des Koran, welche später unter dem Titel éWas hat Mohammed aus dem Judentum aufgenommen 2v (Bonn 1833) erschien. Bereits im Nov. 1832 folgte er einem Rufe als Rabbiner nach Wiesbaden. Seit 1835 verband er sich mit mehrern tüchtigen Mitarbeitern zur Herausgabe der wissenschaftlichen «Zeitschrift für jüd. Theologieo (Bd. 1—4, Frankf. u. Stuttg. 1835 -39; Bd. 5 u. 6, Grünberg u. Lpz. 1842—47). Die scharfe Beleuchtung herrschender Ansichten und Gebräuche erweckte ihm unter den Orthodoxen im Judentum bald heftige Gegner, und namentlich hatte er, seit ihm 1838 als Rabbiner zu Breslau ein ausgedehnter Wirkungskreis zuteil geworden, gegen die Angriffe derselben einen harten Kampf zu bestehen. Im J. 1863 nahm G. das Rabbinat in seiner Vaterstadt Frankfurt an, wo er bis 1870 wirkte. In diesem Jahre folgte er einem Rufe nach Berlin, wo er als Rabbiner der Gesamtgemeinde und als Lehrer an der neuerrichteten Hochschule für die Wissenschaft des Judentums thätig war, bis er 23. Okt. 1874 starb. Außer Predigten, Gelegenheitsschriften und zahlderipa Beiträgen zu der genannten Zeitschrift und der später von ihmherausgegrbenen „Jüd. Zeitschrift für Wissenschaft und Lebenv (Bresl. 1862 —74), die er fast allein schrieb, veröffentlichte er zunächst einige durch vielseitige Gelehrsamkeit ausgezeichnete histor. und litterarhistor. Monographien. So machte er Mitteilungen im Melo Chofnajimo (Berl. 1840) über Joseph Salomo del Medigo, im Wite Naamanimv (Berl. 1847) über die nordfranz. Exegetenschule, die er später in Parschandathay (Lpz. 1855) ergänzte. Der gelungenen Übersetzung vom Divan des Castiliers Abu'l-Hassan Juda ha-Levis (Bresl. 1851) reihten sich Jüd. Dichtungen der span. und ital. Schules (Lpz. 1855) und „Salomo Gabirol und seine Dichtungen» (Lpz. 1867) an. Schätzenswert für den Orientalisten und Sprachforscher ist G.s Lehr-und Lesebuch zur Spracheder Mischnav(Bresl. 1845). Als Arbeiten von allgemeinerm Interesse folgten sodann Urschrift und übersetzungen der Bibel in ihrer Abhängigkeit von der innern Entwickelung des Judentums (Bresl. 1857) und Das Judentum und seine Geschichte (3 Bde., Bresl. 1865—71; 2. Aufl., Bd. 1, 1865). Große Verbreitung hat sein „Israel. Gebetbuch' (2. Aufl., 2 Bde., Berl. 1870) gefunden. G.s Machgelassene Schrifteno (5 Bde., Berl. 1875—77) veröffentlichte sein Sohn Ludwig G.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 682Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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