FeedGeiser
ErdkundeBrockhaus 1882

Geiser, eigentlich Geysir, d. i. Wüterich (vom altisländ. geysa) oder tobender Sprudel, nennt man die größten der in Island, Amerika und Du südl. Amte von Island, 37 km im des ulkans Hekla und 22 EKm im NNO. des Bischofssißes Skalholt (zuerst gegen Ende des 13. Jahrh. von den Annalisten genannt), befinden sich westl. vom Flusse Hvita und südwestl. vom Berge Blafell, am Fuße der centralen Gletscherwüste in einem ziemlich ebenen, von felsigen Hügeln umschlossenen Wiesenthale (Hoegdal) 28 größere und kleinere Oeffnungen, aus denen heißes Wasser hervorspringt, und außerdem noch 10—12 Stellen, an denen emporwallende Dämpfe und vernehmbares Brodeln das unterirdische Vorhandensein des Wassers verraten. Unter jenen Quellen sind die größten und merkwürdigsten der uralte Große G. und der etwa 70 m von ihm entfernte Strokkr (d. h. Butterfaß), der erst 1784 durch ein Erdbeben entstand und amie auch wohl der Neue G. genannt wird. Sämtliche Quellen werfen heiße Wasserstrahlen unter Erschütterung des Erdbodens empor, teils beständig, teils intermittirend. Fast alle setzen auch an ihrer Mündung Kieselerde oder Tuff ab und bauen so die flach kegelförmigen Hügel selbst auf, aus deren Mittelpunkt sie hervorbrechen. Der Große Geiser hat sich von Kieseltuff und Sinter einen Eruptionskegel von 8—10 m Höhe und 65 m Durchmesser gebildet, auf dessen Spitze ein 19 bis 2,3 metiefes, schüsselartiges, im Durchmesser von 17 bis 21mmessendes Becken ausgehöhlt ist. In der Mitte dieses Bassins führt ein cylindrisches Loch, von etwa bm Durchmesser an der Mündung, in das Innere. Dieses sich nach unten verengende Loch ist 24 m tief. Die Wände sind so glatt poliert und so hart, daß es nicht möglich ist, ein Stück davon mit dem Hammer abzuschlagen. Gewöhnlich ist das Becken mit krystallhellem, seegrünem Wasser von durchschnittlich 66e R. Hitze angefüllt, welches nach Osten abfließt. Plötzlich aber läßt sich ein unterirdischer Donner hören, der Boden zittert, das Wasser im Becken kocht auf, große Dampfblasen steigen aus dem Cylinder und schleudern das siedende Wasser hoch empor. Bald jedoch tritt wieder Ruhe ein, und die dichten Dampfwolken olen sich sich. Diese kleinern Explosionen wiederholen sich regelmäßig in Zwischenräumen von etwa 90 Minuten; aber im Laufe eines Tags oder auch nach längerer Pause entfaltet der G. seine ganze Kraft. Ein stärkeres Donnern geht dem gewaltigen Ausbruch voran, das Wasser im Becken schlägt hohe Wellen und wirbelt umher, in der Mitte ust ein sich mächtige Dampfblasen, aus deren Dunst ein 26—33 mehoher Wasserstrahl mit furchtbarem Gebrause in die Höhe steigt. Größere und kleinere Strahlen verbreiten sich in allen Richtungen, einige seitwärts sprühend, andere senkrecht emporschießend. Ungeheuere Dampfwolken wälzen sich übereinander und verhüllen zum Teil die 3 m dicke Wassergarbe. Endlich erdröhnt ein dumpfer Stoß aus der Tiefe, dem ein spitzer, alle andern an Höhe überragender Strahl, gewöhnlich etwas über 26, mitunter gegen 33 m hoch, zuweilen von Steinen begleitet, nachfolgt, eine zu mehr als 160 t geschätzte Masse. Die ganze Erscheinung fällt sodann nach einer Dauer von etwa 10 Minuten in sich zusammen, und das Becken liegt wieder ruhig oder gar trocken da. Solche Eruptionen treten alle 24—30 Stunden ein. du 20—23 m Tiefe hat das Wasser vor dem Ausruch 109—127² C., nach demselben an der Oberfläche 76—89“ C. Der Strokkr hat eine nach oben nur etwa 3 m erweiterte Ausflußröhre, in welcher das Wasser in der Regel 3—5 m tief unter der Mündung steht. Doch siedet das Wasser fortwährend heftig und hat im untern Teil der 13,3 m tiefen Röhre 108—114 C. Hitze. Kommt der Strokkr dem Großen G. an Gewalt und Masse des Wassers nicht gleich, so übertrifft er ihn doch im Ausbruche häufig an Pracht und Schönheit. Einer andern Quellengruppe gehört dagegen der Kleine Geiser an, welcher etwa 60 km von dem Großen entfernt liegt, aber infolge eines Erdbebens seit 1789 bis auf einige 2 mehohe Strahlen verschwunden ist. übrigens findet man in der Ebene eine große Zahl von geringern Strolkrs mit grauem, rötlichem, grünlichem, bläulichem Wasser, und an dem benachbarten Laugafiell, d. h. Berg der heißen Quellen, braucht man nur den Thonboden zu durchstoßen, um sofort einen Strom von Dampf aus siedendem Wasser hervorzulocken. Im Vergleiche mit frühern Berichten scheint indes die gesamte Thätigkeit des Bodens sich in allmählichem Abnehmen zu befinden. Die Erscheinung dieser heißen es Dampie gründet sich auf die Expansivkraft des Dampfes. Das Wasser in den Höhlungen, aus welchen die Quellen hervordringen, wird — vulkanisches Feuer im Innern so stark erhitzt, daß es sich zum Teil in Dämpfe verwandelt, die, durch die enge Ausflußröhre gesperrt, bei rascher Anhäufung zuletzt nach Art einer Dampfkanone sich gewaltsam den Weg bahnen und das Wasser mit mächtiger Heftigkeit herauswerfen. Einen ganz ähnlichen Vorgang zeigt unter den zahlreichen Springquellen und kochenden Sprudeln auf der Nordinsel Neuseelands die Tetarata-Quelle am Rotomahana oder Warmen See. Das Quellbassin ist 19,5 melang und 19, mebreit, und dm Wasser wallt in der Mitte meterhoch auf. In em schneeweißen Sinterbecken erscheint dasselbe vollkommen blau. Am Rande ist das Wasser 84 C., in der Mitte wohl 100“ warm. Zuweilen wird das gesamte Wasser auf einmal ausgeworfen, und das 10 metiefe Becken ist dann auf kurze Zeit leer. Unfern liegt nahe am Ufer des Sees der große Ngahapu-Sprudel, von dessen 78,4˙ K. heißem Wasser eine riesige Dampfsäule aufsteigt. Das Wasser in dem 13 und 10 m messenden Becken befindet sich fast immer in furchtbarer Aufregung und wird bis 3 m hoch ausgeworfen. Alles dies wird weit übertroffen von den G., welche Hayden 1871 in den Felsgebirgen Nordamerikas entdeckte. Das Quellgebiet des Nellowstone (im Territorium Wyoming), durch seine pulkanischen Phänomene eins der interessantesten Gebiete der Erde, ist 1872 zum unverkäuflichen und unantastbaren Gebiete, zum Nationalpark erklärt worden. Dies des Anbaues ganz unfähige, in 2440 m Höhe gelegene Gebiet hat 9267 qkm Fläche. In dem westlich nahe beim YNellowstonesee gelegenen Quellthal des Fireholeflusses oder Obern Madison entspringen mindestens 1500 Quellen aller Art, von denen nicht eine der andern gleicht. Hier befindet sich auch der kolossalste aller G. der Erde, die Géante; eine 6 bis 7,5 m starke Wassermasse steigt bis über 30 m auf (aber ohne Absatz zu geben), und dann folgen aus der Mitte fünf Säulen gegeneinander geneigt, welche mehr als 50 m Höhe erreichen. Vgl. Fuchs, „Vulkane und Erdbebeno (Bd. 17 der „Internationalen wissenschaftlichen Bibliotheks, Lpz. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 685Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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