Geldern oder Gelderland, ein aus verschiedenen Landschaften zu beiden Seiten des Niederrheins gebildetes ehemaliges Herzogtum, hatte zum Kern die in den Ppnarischen Gauen Hattuaria und Hamaland entstandenen Territorialgrafschaften G. und Zütphen. Das eigentliche G., im Mittelalter Gelre genannt, und das spätere Obergeldern an der Maas und Niers umfassend, erscheint zuerst als kaiserl. Landvogtei, deren Vögte, wahrscheinlich seit Wichard I. de Pont (878 910), das Land als erblichen Besitz ansahen und sich Herren von Gelre nannten. Als der Mannsstamm dieser Familie 1061 mit Wichard III. erlosch, kam das Land durch dessen Erbtochter Adelheid an deren Gemahl Otto von Nassau und wurde durch Kaiser Heinrich IV. 1079 zur Grafschaft erhoben. Graf Otto vermählte sich in zweiter Ehe mit Sophie, der einzigen Tochter Wichmanns, des letzten Grafen von Zütphen, und vereinigte diese Grafschaft mit G. Sein Enkel Heinrich I., Graf von G. und Zütphen (gest. 1162), erwarb durch seine Vermählung mit Maria, Tochter Gottfrieds von Bouillon,‚ 1135 beträchtliche Stücke der Landschaft Veluwe zwischen Rhein und Zuidersee. Heinrichs Sohn, Otto II., gewann von Utrecht die Betuwe zwischen Rhein und Waal. Otto III. oder der Lahme (1229.— 71) befestigte mehrere Städte, gab ihnen Privilegien zur Beförderung des Handels und des Gewerbfleißes und brachte 1248 die Reichsstadt Nimwegen an sich. Seit ihm wurde der Name Gelderland auf die erwähnten Landschaften zwischen Maas und Zuidersee übertragen. Ottos III. Enkel Reinhold erhielt 19. März 1339 vom Kaiser Ludwig dem Bayer die n Tandwehr-In der nachfolgenden Zeit wurde das Land mehrsach durch zwei Parteien, die Hekeren und Bronkhorsten, beunruhigt, die sich von neuem erhoben, als der nassauische Herzogsstamm 1371 mit Eduard ausstarb und zwei Erbtöchter auf die Nachfolge Anspruch machten. Wilhelm von Jülich, der Sohn Marias von G., trug endlich 1379 den Sieg davon und vereinigte so G. mit Jülich. Doch schon mit Wilhelms Bruder und Nachfolger, Reinhold IV. (gest. 1423), starb die neue Linie im Mannsstamm wieder aus. Johanna, die Schwester Reinholds IV., brachte das gesamte Herzogtum ihrem Gemahl, Johann von Arkel, und des letztern Tochter nachher dem Hause Egmond zu. Da indessen auch der Herzog von Berg Ansprüche auf die Erbschaft erhob, so mußte Arnold von Egmond 1437 demselben Jülich abtreten. Von seinem empörerischen Sohne Adolf und dem aufgewiegelten Nimwegen in die schlimmste Lage versetzt, verkaufte Arnold 1472 nach Enterbung des Sohnes G. und Zütphen an Karl den Kühnen von Burgund. Doch hatte das burgund. Haus nach Arnolds Tode (1473) große Mühe, das Land zu behaupten, und es gelang seinem Enkel, Karl von Egmond, 1513, nach langjähriger Fehde und mit franz. Hilfe, die Hälfte des Herzogtums dem burgund. Erben, Kaiser Maximilian, wieder zu entreißen. Er behauptete sich bis 1528, wo er die Oberhoheit Karls V. anerkennen mußte. Nach seinem Tode 1538 hielt sich mit Hilfe der Stände Herzog Wilhelm von Kleve als Erbe Karls bis 1543, wo der siegreiche Kaiser Karl V. das Land den Niederlanden einverleibte. Seitdem gehörte G. zu den niederländ. Provinzen. Es war in die vier Quartiere Roermond, Nimwegen, Zütphen und Arnheim eingeteilt, von denen das erste, auch Obergeldern genannt, der alten Landvogtei Gelre entsprach und bei der Krone Spanien blieb, während die drei andern, die zusammen Niedergeldern bildeten, 1579in der niederländ. Revolution sich losrissen und den Generalstaaten beitraten. Auf jenes spanische G. machte der dauer Friedrich I. von Preußen, den Spanischen Erbfolgekrieg benutzend, damentein die er als Herzog von Kleve aus dem Testament Karls von Egmond herleitete. Derselbe ließ 17. Dez. 1703 Truppen unter dem General von Lottum vor die von den Franzosen besetzte Stadt und Festung G. rücken und bekam diese nach einer mehr als zwölfmonatlichen Blockade in seine Gewalt, was dann die Besitzergreifung des ganzen Roermondschen oder Oberquartiers zur Folge hatte. Im Utrechter Frieden vom 11. April 1713 wurde dasselbe geteilt. Abgesehen von dem Dominium Erkelenz, welches unter dem Namen Pfälzisch-G. der Kurfürst von der Pfalz als zeitheriger Herzog von Jülich-Berg erhielt, kam der größere Teil (1208 glem) mit der Hauptstadt G., der Landschaft Kessel und dem Amt Krieckenbeck an den König von Preußen, der dann den Titel eines Herzogs von G. annahm. Der kleinere Teil, nämlich die Stadt Roermond mit ihrem Gebiet und die Festen Venlo und Stevensweerd oder Steffenswerth fielen nebst den übrigen span. Niederlanden an OÖsterreich, dem aber kraft des Barrieéretraktats vom 15. Jan. 1715 nur Roermond nebst Gebiet blieb, während Venlo und die Herrlichkeit Montfoort zu den Generalitätsländern der niederländ. Republik kamen. Durch die Friedensschlüsse von Basel 1795, von Campo-Formio 1797 und von Lunéville 1801 wurde Obergeldern mit Frankreich vereinigt und durch die Wiener Verträge von 1815⁵ zwischen Preußen und dem neugeschaffenen Königreich der Niederlande verteilt. Der preuß. Anteil, anfangs dem Regierungsbezirk Kleve zugeteilt, bildet seit der Auflösung des letztern einen Bestandteil des Regierungsbezirks Düsseldorf. Früher war er dessen größter Kreis (1073,7 Akm), indem der damalige Kreis Rheinberg mit der Grafschaft Meurs dazu gehörte. Seit 25. Jan. 1856 ist aber der jetzige Kreis Meurs mit Rheinberg vom Kreise G. abgezweigt. Auch sind schon früher die geldernschen Exklaven Viersen zum Kreise Gladbach und Erkelenz als Kreisstadt zum Regierungsbezirk Aachen gelegt worden. Vgl. de Meester, (Geschiedenis van de Staaten van Gelderland (2 Bde., Harderwijk 1864); Nijhoff, Het voornaemste uit de geschiedenis van Gelderlando (Arnheim 1869). Die niederländische Provinz Gelderlend oder Gelderland, das Hauptstück des heralt Herzogtums, hat zur Hauptstadt Arnheim, zerfällt in die vier Gerichtsdistrikte Arnheim, Nimwegen, Zütphen und Tiel, mit 22 Kantonen, 116 Gemeinden (15 Städten) und zählt (1882) auf 5080,97 alcm 476 026 E., von denen drei Fünftel zur reform., über ein Drittel zur kath. Kirche gehören. Das Land im Osten der Mel besteht aus Heide, Sand und Bruch. Die Veluwe zwischen Arnheim am Rhein, Zütphen an der Ysel und Amersfoort in Utrecht ist ein sandiges Plateau und meist Heideland, im südl. Teile hügelig und bei allem Reichtum an Quellen trocken. In dem gleichfalls hügeligen und mit Heide bedeckten Teile südlich von Nimwegen, zwischen Waal und Maas, liegt der Hunenberg mit dem Nederrykschen Walde. Die ganze Betuwe (d. i. gute Au) oder das von Rhein und Leck, Waal und Maas begrenzte Inselland der alten Bataver (s. d.) und der spätere Batugau, sowie der Tieler und Bommeler Waard sind niedrig und bestehen aus fruchtbarem Kleiboden. Im Nordwesten gibt es dürre Sanddünen, Buschwerk und Waldung, im Nordosten Brüche, Torfmoore und Heidefelder. Außer den genannten größern Flüssen sind Cem, Linge, Berkel, Grift und Schipbeek bemerkenswert. Etwa 550 qkm des Areals sind mit Wald besetzt, und G. hat mehr Holz als irgend eine der andern Provinzen. Der Heide- und unfruchtbare Sandboden nimmt gegen 35,7, das Grasland 27, der Acker⸗ und Gartenboden 24 Proz. der Bodenfläche ein. Die 5 Worzünliche i sind Cerealien, Tabak und Flachs. Vorzügliche Kirschen, auch Birnen und Apfel bilden einen beträchtlichen Ausfuhrartikel nach der Provinz Holland und nach England. Der PViehstand ist bedeutend, und die Pferde G.s sind auch im Auslande gesucht. Papiert und W sind hauptsächlich Ziegelbrennerei, Papier⸗ und Baumwollfabrikation. Bedeutend sind außerdem die Gerberei, Schuhmacherei und Brauerei. Der Handel besteht meist in Getreide⸗ und Speditionshandel. Von den Hafenstädten Nijkerk, Harderwijk und Elburg an der Zuidersee hat nur die erstere einen guten Hafen, die beiden andern treiben neben Handel auch Fischerei. Außer den Distriktshauptstädten sind beligende Lunn Apeldoorn (s. d.) und das dabeiliegende Lustschloß Loo, ferner Kuilenborg am Leck und die frühern Festungen Bommel (s. d.), Doesborgh an der Yssel und Wageningen am Rhein.