FeedGeldumlauf
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Geldumlauf ist die Bewegung des Geldes von Hand zu Hand, die infolge der Vermittlerrolle desselben bei dem Güterumsatze stattfindet. Das in diesem der0 für die Volkswirtschaft Wesentliche ist nicht der G. an sich, sondern die denselben in entgegengesetzter Richtung begleitende Warenbewegung vom Produzenten zum Konsumenten. Früher war man unter dem Einfluß uades Gcls. Anschauungen geneigt, die Bedeutung des G. als einer selbständigen wirtschaftlichen Treibkraft zu überschätzen, indem man annahm, daß derselbe im Stande sei, sowohl die Produktionskräfte wie die Konsumtionsfähigkeit der Nation zu wecken und zu vermehren und somit auch eine größere Gütermasse in den Verkehr und zur Konsumtion zu bringen. Eine gewisse anregende Wirkung eines vermehrten G., namentlich bei bedeutenden Zuflüssen von einem Edelmetall, ist in der That oft zu beobachten, und andererseits ist eine erhebliche Verminderung des Baarvorrates eines Landes oft mit empfindlichen Störungen der Produktion und des Handels verbunden. Jedoch bleibt die normale Gestaltung des Güterumsatzes immer hauptsächlich von dem richtigen Verhältnis von Produktion und Konsumtionsfähigkeit abhängig, das seinerseits wieder wesentlich durch die sozialen Zustände bedingt ist. Übrigens wird der Guüterumlauf bei weitem nicht ausschließlich urerg Vermittelung des baren, effektiven Geldes unterhalten, sondern es konkurrieren mit dem letztern noch andere Umlaufsmittel, namentlich Banknoten und Checks in Verbindung mit Giro⸗ und Kompensationseinrichtungen, und je ausgedehnter sich die Verwendung dieser Hilfsmittel entwickelt hat, um so weniger werden die Verhältnisse des Güterverkehrs durch Schwankungen des baren G. beeinflußt. Nur in Zeiten der Krisis tritt die Unselbständigkeit jener anderweitigen Umlaufsmittel zu Tage, und das bare Geld erhält dann wieder eine dominierende Stelle. Die Zusammenziehung des Umlaufs desselben als Folge des verschwundenen Vertrauens ist eine der schlimmsten Begleitserscheinungen der Krisen, wie andererseits die Wiederbelebung des G. als Vorbote der Rückkehr normaler Zustände erscheint.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 709Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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