Gütereirkulation ist die Bewegung der Güter vom Produzenten zum Konsumenten, wenn als Konsumenten nicht nur diejenigen angesehen werden, welche die unmittelbaren Verbrauchs- und Gebrauchsgüter zur Befriedigung ihrer persönlichen Bedürfnisse verwenden, sondern auch diejenigen, welche Rohstoffe, Halbfabrikate, Hilfsstoffe und Werkzeuge für ihre geschäftlichen Zwecke verarbeiten, verbrauchen oder abnutzen. Die G. ist das notwendige Korrelat der volkswirtschaftlichen Arbeitsteilung, denn sie allein macht es möglich, daß jeder sich auf denjenigen Produktionszweig, für welchen er die relativ günstigsten Bedingungen findet, beschränken, und durch den Absatz seiner Erzeugnisse die Mittel zur Befriedigung seiner Bedürtnisse erlangen kann. Eine besondere Vermittelungsthätigkeit zur Erleichterung der G. ist der Handel (s. d.). Müßte der Produzent für seine Erzeugnisse immer selbst den Abnehmer ausfindig machen, der dieselben unmittelbar braucht, so würde dies große Schwierigkeiten kosten und bedeutenden Zeitverlust verursachen und nur einen langsamen Umsatz des Betriebskapitals gestatten. Das Eintreten des Kaufmanns aber, der dem Produzenten die Waare abkauft, um selbst für die weitere Veräußerung derselben zu sorgen, thut hier offenbar gute und volkswirtschaftlich wichtige Dienste. In ihren Anfängen beruhte die G. auf dem unmittelbaren Tausch von Waren gegen Waren. Schon frühzeitig aber kam das Geld (s. d.) als wirksames Hilfsmittel derselben in Gebrauch. Bei noch weiterm Fortschritt der wirtschaftlichen Kultur aber trat die Funktion des Geldes, als des unmittelbar wirkenden, sich selbst in einer der Warenbewegung entgegengesetzten Richtung bewegenden Cirkulationsmittels, relativ mehr in den Hintergrund, und der größte Teil der Gütermasse cirkuliert geenwärtig mit Hülfe der Bank⸗ und Kreditorganiation, bei der das Geld allerdings als Wertmaß und Deckungsmittel noch eine wesentliche Rolle spielt, aber nur verhältnismäßig wenig in wirkliche Bewegung gesetzt wird. Selbstverständlich ist auch die Ausdehnung und Vervollkommnung des Transports und der sonstigen Verkehrsmittel für die G. von wesentlicher Bedeutung, da dadurch das zugängliche Absatzgebiet für alle Waren erweitert wird. Als Stockungen der G. erscheinen die Krisen (. d.). Sie beruhen im allgemeinen auf einem zeitweiligen Asrallgen zwischen der Produktion und der zahlungsfähigen Nachfrage, das seinerseits häufig mit tiefer liegenden sozialen Schäden zusammenhängt. Das lübel wird dann noch verschlimmert durch die Erschütterung der Kreditorganisation, die, wie bemerkt, gegenwärtig eine wesentliche Grundlage der G. bildet. Der weltwirtschaftliche Zusammenhang der modernen G. gewährt allerdings die Möglichkeit, lokale Absatzstockungen leichter zu überwinden, andererseits aber erzeugt er auch eine wirtschaftliche Solidarität aller Kulturvölker, vermöge welcher die an einer Stelle doch zum Ausbruch gekommene Krisis mehr oder weniger auf alle andern Länder schädigend zurückwirkt. (S. Absatz.)