Georg III. (Wilhelm Friedrich), König von Großbritannien und Irland, 1760 — 1820, bis 1815 Kurfürst und seitdem König von Hannover, — 4. Juni 1738, war der Enkel des vorigen und ohn des Prinzen Friedrich Ludwig von Wales und der Prinzessin vogra einer Tochter des Herzogs Friedrich II. von Sachsen-Gotha. Schon im Alter von 13 7½ vaterlos, erhielt er unter der Vormundschaft seiner Mutter durch den Lord Bute eine Erziehung, die weder seinen wenig glücklichen Anlagen, noch seinem künftigen Berufe angemessen war. Die Abgeschlossenheit, in der er seine Jugend hinbrachte, hatte besonders einer außerordentlichen Hartnäckigkeit des Charäkters Vorschub geleistet, die auf den Gang seiner Regierung oft wesentlichen Einfluß übte. Er bestieg 1760 den Thron mit einer Proklamation, in der er sich, im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern, als Goit ichr Engländer ankündigte, was auf das Volk sehr günstig wirkte. Das Parlament bewilligte ihm eine Civilliste von 800000 Pfd. St. und 12 Mill. Pfd. St. Subsidien zur Fortsetzung des Alldlichie Zoer Kriegs, der bereits für England die glücklichste Wendung genommen hatte. Sehr bald ergriff jedoch an Pitts Stelle der streng toryistische Lord Bute das Staatsruder, unter dessen Einflusse gegen die öffentliche Meinung am 10. Febr. 1763 der Friede von Paris zu Stande kam. Der Rückschlag blieb nicht aus. Die Willkür der herrschenden Partei, mit der G. sympathisierte, erregte populare Demonstrationen, die in der Opposition Wilkes und des Verfassers der Juniusbriefe gipfelten. Auch den Krieg mit den amerik. Kolonien, der für England den harten Frieden von 1783 und die Unabhängigkeit der nordamerik. Staaten zur Folge hatte, beschwor G. durch seine persönliche Unterstützung der rücksichtslosen Zollpolitik seines Ministeriums mit herauf. Das wachsende Mißvergnügen gab sich nicht nur im Parlament durch eine heftige, von Burke geleitete Opposition kund, sondern 1780 auch durch einen sehr drohenden, von Lord Gordon begonnenen Aufstand, wobei das Leben des Königs mehrmals in Gefahr geriet. Erst seit Dez. 1783 fand G. an dem jüngern Pitt einen umsichtigen Vertreter seiner Politik, obschon Bute und die Königin stets großen Einfluß auf seine Entschließung behielten. Inzwischen hatten sich bereits 1765 vorübergehend Spuren von Geisteszerrüttung des Königs gezeigt; 1788 kehrten diese Anfälle heftiger und anhaltender wieder. Die Oppositionspartei wollte dem Prinzen von Wales, als dem Leimmder die Regentschaft übertragen, weil derselbe, mit der Regierung seines Vaters unzufrieden, voraussichtlich das Ministerium und das polit. System verändern werde. Pitt aber, der mit der Königin die Staatsregierung teilte, suchte die Regentschaftsfrage hinauszuziehen und legte schließlich dem Parlament eine besondere darauf bezügliche Akte vor, die zwar angenommen wurde, jedoch nicht in Wirksamkeit trat, indem der König im Febr. 1789 genas. Die Französische Revolution, deren Ausbrüche auch das brit. Reich erschütterten, sand an dem König und seinem Minister die unversöhnlichsten Gegner. Um die demokratischen Bewegungen im Innern zu ersticken, ließ Pitt 1793 die Fremdenbill und die Treacherxous-correspondence-bill durchsetzen, und im folgenden Jahre kam sogar nebst mehrern Statuten zum persönlichen Schutze des Königs die Aufhebung der Habeas-Corpus-Acte zu Stande, wodurch die parlamentarische Opposition ihre Gewalt verlor. Der Krieg mit Walge: hatte neue Konflikte mit Irland zur Folge. Nur blutige Gewalt hielt die Insel nieder; darauf, 1800, wurde endlich die sog. Union mit Großbritannien balbsltart doch mochte sich der König nicht zur Abschaffung des Testeides entschließen, obschon Pitt die Emancipation der Katholiken versprochen hatte. Die Unpopularität G.s hatte wiederholte Attentate gegen ihn zur Folge, wobei er jedoch stets die größte Ruhe und Entschiossenheit an den Tag legte. Im J. 1786 verwundete ihn mit einem Messer eine Wahnsinnige, Namens Margarete Nicholson, als er im Begriff war, aus dem Wagen zu steigen; 1796 griff ihn das Volk auf dem Wege nach dem Parlament mit einem Hagel von Steinen an, und 1800 schoß ein gewisser Hatfield, der ebenfalls für verrückt erklärt wurde, im Theater mit einem Pistol nach der königl. Loge. Das Privatleben G.s war musterbesch er lebte gern im Kreise seiner Familie und eschäftigte sich in seinen Mußestunden mit landwirtschaftlichen Versuchen. Dennoch erneuerten sich bei ihm seit 1804 die Wahnsinnsanfälle, und gegen Ende 1810 erlosch seine Vernunft gänzlich, sodaß alle Hoffnung zur Herstellung verschwand. Der Prinz von Wales wurde deshalb 29. Jan. 1811 von dem Parlament zum Regenten erklärt, der König aber unter Obhut seiner ¹. und des Herzogs von Nork in den Palast zu Windsor eingeschlossen, wo er bei eiserner Leibesbeschaffenheit seine traurige Existenz noch neun Jahre fortsetzte. In den letzten Jahren auch noch gänzlich erblindet, starb er 29. Jan. 1820. Während seiner Regierung hatte das brit. Reich nach allen Richtungen den höchsten Aufschwung und die mächtigste Weltstellung gewonnen, was viel weniger der Politik des Königs als den Ereignissen und den großen Staatsmännern und Feldherren zuzuschreiben war, die in dieser bewegten Regierungsepoche ihre Talente entfalteten. Der Verlust von Nordamerika wurde durch die Eroberung Bommung die Besitznahme vom Kap der Guten offnung, der Jonischen Inseln u. s. w. aufgewogen. Aus seiner 8. Sept. 1761 mit der Prinzessin Charlotte Sophie von Mecklenburg-Strelitz (gest. 17. Nov. 1818) geschlossenen Ehe hatte G. sieben Söhne: Georg August, Prinzen von Wales, der ihm als Georg IV. auf dem Throne folgte; Friedrich, Herzog von Nork; Wilhelm Heinrich, Herzog von Clarence, der später als Wilhelm IV. den Thron bestieg; Eduard, Herzog von Kent, den Vater der Königin Victoria, der 23. Jan. 1820 starb; Ernst August, Herzog von Cumberland, den nachmaligen König von Hannover; August Friedrich, Herzog von Sussex; Adolf Friedrich, Herzog von Cambridge, und sechs Töchter. Vgl. Aikin, «Annals of the reign of king George III.5 (2 Bde., Lond. 1820); Hughes, Uistory of England from the accession of George III.„ (7 Bde., Lond. 1836); Brougham, «Historical sketch of statesmen in the time of George III.v (Lond. 1839; deutsch, 2 Bde., 1839—40); Massey, „History of England during the reign of