FeedGeorg
GeschichteBrockhaus 1882

Georg, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, geb. 17. Febr. 1582, kämpfte in den Niederlanden unter Moritz von Oranien und dem Marchese Spinola, und nahm in dän. Diensten 1611—13 in Schonen am Kriege gegen Schweden teil. Im Dreißigjährigen Kriege focht G. bald auf kaiserlicher, bald auf schwed. Seite, un Lam darauf bedacht, seinem Hause die welfischen Lande zu erhalten und diese Lande möglichst vor den Schrecken des Kriegs zu bewahren. Zu Anfang des Kriegs hielt sich G., damals Oberst des niedersächs. Kreises, neutral, trat 1626 in kaiserl. Dienste und kämpfte in Brandenburg, Holstein und Italien, nahm im Juli 1630 den Abschied und trat bald darauf in schwed. Dienste. Die von ihm 1631 geworbenen sechs Regimenter bildeten späterhin den Stamm der hannov. Armee und .½½% sich im Juni 1632 bei Sarstedt (überfall der Truppen der Liga), 2. März 1633 bei Rinteln (üüberfall der Kaiserlichen), 28. Juni 1633 bei Hessisch-Oldendorf aus. G. vereinigte seine Truppen erst nach der Schlacht bei Lützen mit dem schwed. Heere und eroberte 10. Nov. 1634 Minden, nahm 29. Juli 1635 den Abschied aus schwed. Dienste und trat bedingungsweise dem Prager Frieden bei; doch blieben seine Truppen fast sämtlich der schwed. Sache treu. G. übernahm 27. Jan. 1636 die Regierung von Göttingen und Kalenberg, worauf ihm die übrigen welfischen Fürsten den Befehl über ihre Truppen übertrugen, und zog 1637 für den Kaiser ins Feld, nahm Lüneburg ein, trat dann jedoch zu den Schweden über und übernahm auf Grund eines Bündnisvertrags auch den Befehl über die Truppen der Landgräfin von Hessen. Nach einer Zusammenkunft mit andern Fürsten, sowie schwedischen und franz. Generalen zu Hildesheim im Okt. 1640 fing G. an zu kränkeln, bis er 2. April 1641 starb. Nach einigen Geschichtschreibern war er zu Hildesheim vergiftet worden. G. war ein talentvoller Line Eiur und noch bedeutender als Organisator; seine Einrichtungen waren seiner Zeit voraus. Neben einem taktisch gut ausgebildeten, uniformierten und völlig disciplinierten stehenden Heere hatte er bereits eine Landmiliz organisiert, besaß eine tüchtige Feldartillerie und einen kriegsbrauchbaren Brückentrain; sein Verpflegungssystem war gut geordnet und beruhte auf Magazinen; seine Kavallerie war sehr beweglich und suchte in wahrem Reitergeiste ihre Erfolge durch die Attacke, nicht aber durch Schießen vom Pferde und Karakolieren zu erreichen. Auch die Infanterietaktik hat G. bei seinen Truppen mehrfach verbessert.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 806Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6