FeedFreydorf (Rud. von)
GeschichteBrockhaus 1882

Freydorf (Rud. von), bad. Minister, geb. 28. Febr. 1819 in Karlsruhe als Sohn des Generallieutenants und Kriegsministers Karl Wilhelm Eugen von F., studierte zu Heidelberg die Rechte, trat 1843 in den bad. Justizdienst, fungierte seit 1857 als Staatsanwalt in Mannheim und trat 1860 als Rat in das Justizministerium. Als solcher wirkte er an der die neue Regelung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche und die Reorganisation des Gerichtswesens betreffenden Gesetzgebung mit, wurde aber auf Betreiben des großdeutsch gesinnten Ministers von Edelsheim 26. Juni 1866 seiner Ratsstelle enthoben. Nachdem infolge des Deutschen Kriegs von 1866 das Ministerium Edelsheim entlassen worden war, wurde F. 28. Juli 1866 zum Minister des großherzogl. Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten ernannt. Er schloß 17. Aug. 1866 mit Graf Bismarck den Friedensvertrag und das Schutz- und Trutzbündnis mit Preußen und 4. Juli 1867 den Vertrag über Erneuerung des Zollvereins. Seitdem war er eifrig bemüht, die Militärorganisation und Gesetzgebung Badens mit der des Norddeutschen Bundes in möglichste übereinamt den er bringen, und nahm auch in Versailles an den Verhandlungen über die Gründung des Deutschen Reichs 1870 hervorragenden Anteil. F. war seit 1867 Abgeordneter zur bad. Zweiten Kammer, seit 1871 bad. Bevollmächtigter im Deutschen Bundesrat und seit Juli 1871 auch bad. Justizminister. Auf sein Ansuchen wurde er 24. Sept. 1876, als der Ministerpräsident Jolly seine Entlassung nahm, in Ruhestand versetzt. Er starb 15. Nov. 1882 in Karlsruhe. Von seinen schriftstellerischen Leistungen sind zu erwähnen: «Prozeßordnung in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten für das Großherzogtum Baden vom 18. März 1864 mit Erläuterungen » (Heidelb. 1867) und die (anonym erschienene) Schrift: «Die mecklenb. Verfassungsfrage. Deren Geschichte und gegenwärtiger Stando (Lpz. 1877.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 300Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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