Gewerbe neben-und miteinander betrieben wurden, überhaupt erst möglich machte. Die Ausartung der Zünfte, welche mit dem allgemeinen Verfall der Städte eng verflochten war, konnte durch die vom Staate gestatteten Ausnahmen nicht aufgehalten werden. Es wurden daher schon im 17. Jahrh. mehrfache Versuche gemacht, die Zünfte einzuschränken und ihren Mißbräuchen in Deutschland durch Reichsverordnungen entgegenzuwirken. Allein diese Anstrengungen waren vergeblich. Es bedurfte eines gründlichen Umschwungs und der Proklamierung des dem Zunftzwange und der Privilegierung gerade entgegengesetzten Prinzips der Gewerbefreiheit, auf welchem die neuere G. beruht. Die neuern Gewerbegesetze haben den naturrechtlichen Satz von der angeborenen Arbeitsfreiheit auf die gewerbliche Thätigkeit des Menschen angewendet, und stellen als einen Fundamentalsatz der gewerblichen Verfassung hin, daß es in der Regel einem jeden freistehen soll, ein jedes Gewerbe zu betreiben. Da jedoch die im Prinzip anerkannte sein zann, 0 nicht regellos und schrankenlos sein kann, so pflegen die neuern Gewerbegesetze gleichzeitig auch die Regeln und Einschränkungen, denen der Gewerbebetrieb mit Rücksicht auf das Gemeinwohl künftig unterliegen soll, näher anzuführen. Der Umschwung der Anschauungen zu Gunsten der Arbeitsfreiheit ist theoetisch durch die Physiokraten und das große Werk don Adam Smith über die Ursachen des Volksvohlstandes eingeleitet worden. In demselben i 0 hre, in welchem dieses Werk erschien, wurde die 1 Vewerbefreiheit auf dem ungeheuern Gebiete der r tordamerik. Union in der Deklaration der Men-5 n schenrechte vom 4. Juli 1776 auch praktisch eingen führt. Die 1775 erfolgte Verbindung des Dampfes itmit der Maschine zur Dampfmaschine des James . Watt vollzog gleichzeitig eine Revolution des Ged werbewesens auf technischem Gebiete, welche der 9allgemeinen Einführung der Gewerbefreiheit mehr nals alle staatlichen Maßregeln vorgearbeitet hat. r Ebenfalls 1776 erschien auch ein Edikt des Gassen Ministers Turgot, welches die Zünfte abschaffen nsollte. Indes konnte Turgot dasselbe nicht durchd führen. Er wurde gestürzt und erst die Französische n.Revolution verschaffte den Grundsätzen der Ge⸗ „werbefreiheit den Sieg, indem sie durch das Gesetz „vom 2. März 1791 mit einem Schlage das Zunftwesen beseitigte. In England bestand übrigens „die Gewerbefreiheit damals thatsächlich schon seit rlängerer Zeit, da das sog. Lehrlingsgesetz der Kötnigin Elisabeth vom J. 1562, die Codifikation der ältern Zunftordnung, überhaupt nur auf diejenigen „Städte und Gewerbe anwendbar war, für die es bei seinem Erlaß Geltung hatte, und überdies allmählich außer Gewohnheit gekommen war. Die förmliche Aufhebung dieses Gesetzes erfolgte jedoch erst im Jahre 1814. In Deutschland wurde die Gewerbefreiheit zunächst überall eingeführt, wohin sich die franz. Fremdherrschaft erstreckte. Andererseits aber bildete diese Reform auch einen wesentlichen Bestandteil des Systems, wodurch Preußen in der Stein-Hardenbergschen Periode seine innere Wiedergeburt zu Stande brachte. Durch die Edikte vom 2. Nov. 1810 und 7. Sept. 1811 wurde der Gewerbebetrieb von der Zugehörigkeit zu einer Zunft oder Innung unabhängig gemacht, wenn auch die Zünfte als freie Körperschaften bestehen bleiben konnten. In den neuen Landesteilen, die 1815 mit Preußen verbunden wurden, blieb die vorhandene G. zunächst bestehen, und erst 30 Jahre nachher wurde durch das Gesetz vom 17. Jan. 1845 eine (Allgemeine Gewerbeordnung für die ganze Monarchie geschaffen. Dieselbe steht auf dem Boden der Gewerbefreiheit und liegt in vielen Stücken der spätern Deutschen