Holzverband, m., Holzverbindung, k. im weitesten Sinn des Wortes, frz. assemblage m. de bois, engl. framing, joining of timbers, ist so viel wie Holzkonstruktion; die Lehre davon, einer der wichtigsten Zweige der Bauwissenschaft, zerfällt in zwei Theile: J. Die eigentliche Konstruktions⸗ oder Verbandlehre behandelt die Vereinigung mehrerer Holzstücke (Verbandstücke) zu einem Ganzen, Gesamtverband, Großverband, welches möglichst unverschiebbar vereinigt sein muß. Die verschiedenen Verbandarten haben besondere Benennungen und werden in besonderen Artikeln behandelt; s.daher d. Art. Balkenlage, Dach, Fachwand, Hängewerk, Knotensystem, Sprengewerk etc. II. Die Lehre von den Einzelverbindungen, d. h. von den verschiedenen Arten der Verbindung einzelner Verbandstücke an den Stellen, wo dies der Gesamtverband oder die Unzulänglichkeit einzelner Hölzer zu dem vorliegenden Zwecke nöthig macht. Hierher gehören: A. Verbindung horizontaler Hölzer. 1. Verlängerung: a) durch stumpfen Stoß, blos rechtwinklig an einander geschnitten, bietet ohne Armirung durch Klammern gar keinen Halt; b) der schräge Stoß eben so wenig. e) Ein nach der ganzen Breite durchgehender Zapfen (Schlitzzapfen) hilft blos gegen das Verschieben nach oben und unten. d) Der Stoß mit dem Grat, einfach oder doppelt, auch Hakenstoß genannt, hilft etwas oder nur wenig gegen das Verschieben nach der Seite, wenn er nicht armirt wird. e) Das gerade Blatt: s. d. Art. Blatt, 9. A. 3. und zugehörige Fig. 603, 604. k) Das schräg gestirnte od.schräg gestoßene gerade Blatt hilft nur dann gegen Seitenbewegung, wenn die schrägen Stirnen noch mit einem Grat versehen sind, muß jedoch pverbolzt werden, um gegen Auseinanderziehen zu halten; s. Fig. 605u. 606. g) Das schräg gestirnte od. schräg gestoßene gerade Blatt mit Versatzung oder auch mit Grat, s. Fig. 607, oder mit Verzapfung, Fig. 608. ) Das Hakenblatt hilft auch gegen Auseinanderziehen, bes. bwenn es armirt ist. Man kann mit demselben eben so viele Veränderungen vornehmen, wie mit dem geraden Blatt; das gerade Hakenblatt (Fig. 614) heißt in Oesterreich auch einfach verzahnte Ueberblattung, das schräge Hakenblatt (Fig. 620) heißt dort schief verzahnte Ueberblattung. Das gerade Hakenblatt mit schrügem Stoß und Keil aber heißt in Oesterreich Schaffhäuser Schloß. Hat es doppelte Verzapfung und in der Verhakung einen Keil, so heißt es Jupiterschnitt (Fig. 622). i) Der geächselte Schlitzzapfen mit Versatzung hilft gegen Seitenverschiebung. ) Der Schwalbenschwanzzapfen mit Versatzung (624 u. 625) hilft gegen Seitenverschiebung und Auseinanderziehung. J) Der Kreuzzapfen gegen Seiten⸗ und Höhenderschiebung. Es giebt natürlich noch viel mehr und komplizirtere solcher Verbindungen, die aufzuführen hier zu weit führen würde. Es sei nur noch erwähnt, daß man durch eingesetzte Blätter (s. im Art. Blatt), durch Armirung mit Platten, Schienen, Bolzen, Schrauben und Klammern den Zweck in der Regel weit besser erreicht. 2. Kreuzung oder Verknüpfung kann rechtwinklig sein. a) Ueberblattung, entweder bündig oder nicht, dann wohl auch Ueberschneidung genannt, s. d. Art. Aufblattung. Die Blätter haben die ganze Breite der hinein zu legenden Holzstücke; ist dies nicht der Fall, so sind es Ueberblattungen mit Versatzung, Schwalbenschwanz, Hakenblatt, Kamm, Hakenkamm oder dergl.; namentlich bei Verknüpfungen als Eckverbänden, d. h. in der Nähe der Enden eines oder beider Hölzer, werden häufig solche Ueberblattungen angewendet; s. darüber die betr einzelnen Artikel. b) Verkämmungen (s. d. Art. Aufkämmung, Hakenkamm und Kamm), ähnlich wie die Ueberblattungen, aber bei weitem nicht so tief und daher niemals thek Heidelberg bündig, also zu den Unterschneidungen zu rechnen. o)Verzapfung; s. Zapfen, Schere und Dollen. d) In stark schiefer Richtung, namentlich bei Gratstichbalken etc. angewendet: schräges Blatt, Schwalbens chwanzblatt, schräger Zapfen, voll oder geächselt, auch gestirnter Zapfen genannt. Ueberschneidung mit Versatzung, blose Versatzung, Versatzung mit Zapfen, doppelte Versatzung etc., s. die betr. Einzelartikel. e) Zu den Verknüpfungen gehören auch das Einschieben von Leisten (s. d. Art. Einschieben, Grat, Hirnleiste, eingeschoben), ferner noch verschiedene Eckverbände; s. d. Art. Eckverband nebst den dort angezogenen Artikeln. 3. Verstärkung od. Verbindung mehrerer horizontaler Hölzer zu einem als Ganzen zu betrachtenden Holzstück: s. im Art. Balken II. n. 1—8. Hierzu sind gewissermaßen die Verbindungen der Breter zu Herstellung von Tafeln, Läden, Füllungen etc. zu rechnen; s. dar. d. Art. Dielentafel, Fußboden, Fensterladen, Nuth, Feder etc. B. Verbindung senkrechter Hölzer. 1. Verlängerung. a) Stumpf über einander setzen, s. Aufpfropfen. b) Schlitzzapfen mit dem Grat, s. d. Art. Blattzapfen und Fig. 652. o) Blatt mit schrägem Stoß. d) Blattzapfen mit kreuzförmiger Versatzung des Zapfens und der Gabelblätter. 2. Verstärkungen. a) Nebeneinanderstellen und Verbolzen. b) Zahnblätter, Verzahnungen etc. e) Binden mit eisernen Reifen. C. Verbindung von senkrechten mit wägrechten Hölzern. 1. Ueberschneidung; die verschiedenen Arten s. oben. — 2. Ueberblattung, desgleichen. — 3. Verzapfung; s. Zapfen und Blattzapfen nebst zugehörigen Figuren. — 4. Aufdollung; s. Dollen. D. Verbindung schräg steheuder Hölzer mit wägrechten oder senkrechten. 1. Die verschiedenen Arten der schrägen und gestirnten Zapfen, Scherenzapfen, Schlitzzapfen etc. — 2. Die verschiedenen Arten der Versatzungen. — 3. Schräge Zapfen und Versatzungen in den verschiedensten Arten vereinigt. — 4. Verschiedene Arten der schrägen Blätter. Alle die Verbindungen sind, wenn sie blos von Holz ausgeführt werden, wegen der Veränderungen, denen das Holz unter dem Einfluß des Temperaturwechsels unterworfen ist, immer mehr oder weniger unzuverlässig; es ist daher stets anzurathen, dieselben entweder durch Armirung zu verstärken, oder durch eiserne Schuhe, Bolzen, Schienen und dergl. zu ersetzen.