Israels gefertigt wurde, die Stiftshütte, war eben nur ein Prachtzelt. Aus der Beschreibung, welche im 2. Buch Mosis, Kap. 31—40, enthalten ist, geht mit unbestreitbarer Gewißheit hervor, daß die Eintheilung ganz derjenigen ägyptischer Tempel entsprach; die Ausschmückung war eben den Umständen angemessen, möglichst prachtvoll, aber transportabel. Die Bundeslade nebst Zubehör war entschieden ganz ähnlich den tragbaren Altären der Aegypter. II. Bauten Salomo's und seiner Nachfolger, ca. 1000 bis 500 v. Chr. a) Salomonischer Tempel, gebaut um 1005 v. Chr. Der Altar steht im Westen. Auf der Ostseite empfängt den Eintretenden eine Vorhalle, Ulam, im Lichten 20 Ellen (Ammah zu 0,32% m.) breit und 10 Ellen tief, äußerlich 120 Ellen hoch (Chronika 2. 3. 4; Josephus, Archaeol. Jud. VIII, 3, 2). Wenn, wie das wahrscheinlich ist, dem Ezechiel der Salomonische Tempel als Ideal vorgeschwebt hat, so lagen auf jeder Seite drei Gemächer, jedes 6 Ellen ins Quadrat groß; die Zwischenmauern waren je 5 Ellen groß; rechnet man nun die Umfassungsmauern unten zu 7 Ellen Stärke, so erhält man als äußere Breite des Pylonenbaues 100 Ellen. Vor der Vorhalle standen zwei Säulen, Jachim und Boas. Aus der Vorhalle führte eine Thür in das Tempelhaus (/468) selbst. Dieses war 40 Ellen lang, 20 Ellen breit und 30 Ellen hoch. Das nun folgende Allerheiligste (Adyton) war (1. Könige 6, 2 u. 20; 2. Chron. 3, 8) 20 Ellen ins Quadrat groß und eben so hoch. Um Naos und Adyton lag ein Umgang in drei Geschossen, deren unterstes 5, das zweite 6, das dritte 7 Ellen breit war (1. Könige 6, 5ff.), weil die Balken auf Mauerabsätzen ruhten; jeder dieser Gänge, fsowie auch der oben darauf um das Naos herumführende, war 5 Ellen hoch. Die drei untersten waren nach außen geschlossen, vielleicht nach innen als Seitenschiff und als Emporen geöffnet, wie es 1. Kön. 6, 5 scheint; der oberste war nach außen offen; jede Balkenlage zu einer Elle gerechnet, blieben noch 6 Ellen, um welche das Naos die Gänge überragte. In dieser Wandfläche befanden sich Fenster (1. Kön. 6, 4). Die Disposition ist also zum größten Theil den ägyptischen Tempeln entnommen; Einiges erinnert an die hypostylen Säle der Aegypter und die Hal-Ilen der Perser. Ausführung und Ornamentik aber zeigen nach den Beschreibungen der Bibel weniger ägyptische als phönikische Elemente; dahin gehören namentlich die Verwendung hölzerner, mit Metall bekleideter Säulen, die zahlreichen Vorhänge etc.; die Cherubim erinnern theils an phönikische Gebilde, theils an die Mannlöwen assyrischer und persischer Paläste, theils an die ägyptischen Sphinxen; Löwen, Stiere, Knoten, Laubwerkund Granatäpfel finden sich mehr bei den asiatischen Völkern als bei den Aegyptern verwendet. Die Form und Disposition des ehernen Meeres sind offenbar asiatischen Ursprungs. b) Salomo's Haus. Die lutherische Uebersetzung der Beschreibung in 1. Kön. ist selbst für Techniker ziemlich unverständlich. Zusammengehalten mit Josephus Ar-Chaeol. Jud.“ VIII, 5, liefert sie folgendes Resultat: Die vHalle vor dem Haus (das Haus vom Walde Libanon) war 100 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen hoch. Das „Dach ruhte auf 45 viereckigen Säulen aus Cedernholz, „deren Kapitäle, mit Blättern verziert, den korinthischen 3entfernt ähnelten. Diese Säulen standen in drei Reihen zu 3je 15, theilten also die Halle in 4 Schiffe, von denen die zwei mittleren, zusammen 30 Ellen breit, höher aufstiegen. Die eine Langfront derVorderseite hatte dreifelderige Thür⸗ „flügel zwischen tadellos konstruirten Pfosten; die Hinter⸗ „seite u. die beiden Seitenwände im Oberbau der 2 Mittelnschiffe enthielten je eine, also zusammen 3 Reihen Fenster eAn das eine Ende der Halle stieß das königliche Wohnehaus und in dieses eingebaut war eine sehr schöne Exedra, die Halle zum Richtstuhl. Die Wohnräume des Hauses öffneten sich auf einen Hinterhof, an welchem wahrscheinlich auch die Halle der Tochter Pharao's lag. Weitere Angaben in der Bibel lehren uns, daß der Unterbau der Tempelplattform von behauenen Steinen aufgeführt, die Häuser sowie die Höfe mit gesägten Steinplatten belegt waren, daß die Brüstungsmauerabdeckungen aus Cedernholzbretern bestanden etc. Den Steinplattenbeleg der Außenwände schilbildeten gewissermaßen einen Sockel; die vierte Reihe war reich mit Reliefs besetzt, welche Bäume und Pflanzen darstellten. Die höheren Mauertheile waren geputzt. c) Gräber. Solange nicht nähere Untersuchungen das Gegentheil nachweisen, kann man jedenfalls einige der Gräber im Kidronthal (Thal Josaphat) bei Jerusalem für Erzeugnisse dieser Periode halten. Namentlich gehört hierher das Grab des frommen Königs Josaphat, eine Felsengrotte, die sich nach außen in einer breiten Thür öffnet, welche mit einer Chambranle umzogen und mit einem Giebel bekrönt ist; die Glieder der Chambranle und des Giebels sowohl als die Seitenakroterien zeigen ähnliche vorgriechische Formen, wie manche von den lykischen Felsengräbern. Dadurch dokumentirt sich pelasgischer Einfluß. Das ganz HEIDELBERG aus dem Felsen frei gearbeitete Grab des Zacharias, welches wir in Fig. 2218 mittheilen, hat ganz dieselbe „Disposition wie die etruskischen Gräber bei Asso; der Hauptsims ist ägyptisch. Die Halbsäulen haben den ionischen ähnliche Kapitäle, aber ebenfalls in vorgriechischer Form, wie man sie an persischen und phönikischen Arbeiten, a selbst an assyrischen Bronzekapitälen findet. Ganzalterthümlich ist die Kapitälgliederung der Eckpilaster, welche auf Fig. 2218 rechts im Vordergrund im Detail dargestellt ist. Zweifelhafter erscheint das Alter des sogenannten Absalomsthurms Fig. 2219, besonders wegen der Triglyphen. Die ziemlich späten Formen dieser Triglyphen harmoniren aber so wenig mit der ganzen phönikischen Anlage, mit dem Hohlkehlgesims, den geböschten Mauern, der starkon Verjüngung der Säulen und Eckpilaster und den sehr früh dorischen Kapitälen der letzteren, daß fast zu vermuthen steht, diese Triglyphen seien eine spätere Zuthat, vielleicht aus der Zeit römischer Herrschaft, wie denn überhaupt das Gebäude spätere Veränderungen erlitten zu haben scheint. Der Unterbau, bis einige Centimeter über die Hohlkehle, ist aus dem Felsen gearbeitet, der Oberbau gemauert. d) Die Wohnhäuser der Juden mögen auch noch mansches Assyrische und Aogyptische gezeigt haben; jedenfalls hatten sie flache Dächer und wenig Fenster. III. Bauten des Nehemia etc., circa 500100 v. Chr. a) Tempelbau Serubabels und Nehemia's, um 445 v. Chr. (Ezechiel 40, 47 ff.; Esra 6, 3 ff.; Josephus, „Archaeol. Jud.“ VIII, 3). Dieser Tempel war äußerlich 100 Ellen lang und eben so breit, innerlich 60 Die Vorhalle war äußerlich ca. 120 Ellen hoch, innerlich 20 Ellen breit und 10 Ellen tief. Das Portal war 20 Ellen breit, 40 Ellen hoch; rechts u. links von demselben lief ein WMMHN Den — Fig. 2220. Kapitäl vom Tempel zu Jerusalem. Ellen rings um das Gebäude. Vor diesem Portal führten 12 Stufen von 19 Ellen und je ½ Elle Höhe zu einer den ganzen Tempel umziehenden Terrasse von 6 Ellen Höhe. Aeußerlich war der Pylonenban 100 Ellen breit und enthielt 6 Gemächer, wie beim Salomonischen Tempel. Aus der Vorhalle führte eine Thür von 10 Ellen Breite in das Naos; dieses war 20 Ellen breit und 40 Ellen lang; die Thürwand war 6 Ellen stark. Aus dem Naos führte eine 6 Ellen breite Thür durch eine 2 Ellen starke Wand in das Allerheiligste. Das Tempelhaus war rings mit Gemächern umbaut, die dicht an einander lagen und unter einander durch Thüren verbunden waren. Auf jeder Langseite lagen deren 5 in jedem der drei Geschosse, auf der Hinterseite in den unteren Geschossen je 3, im dritten Geschoß blos 2. Das unterste Geschoß war 5 Ellen weit und durch eine 7 Ellen starke Mauer vom Naos getrennt; das zweite Geschoß 6 Ellen weit, die Mauer des Naos hier 6 Ellen stark, das dritte Geschoß war 7 Ellen weit, die Naosmauer hier blos 5 Ellen stark. Um die Gemächer lief eine Wand von 5 Ellen Stärke und außen ein Korridor von 3 Ellen Breite. Eine unten beginnende Wendeltreppe führte zu diesen Korridors, dann aber weiter auf das Obergemach, welches über dem 40 Ellen hohen Naos lag und so das Tempelhaus auf 60 Ellen erhöhte. Das Naos selbst ward beleuchtet durch Fenster über jenen Gemächern. Die Formen dieses Tempels haben jedenfalls sehr viele persische Elemente gezeigt, da Cyrus selbft diesem Tempelbau nicht fremd blieb. Die Gemächer scheinen nach dem Tempel zu offen gewesen zu sein, so daß die Naosmauer nur n aus Pfeilern bestaud (Ezechiel 41, 5). Die Wände dieser r Gemächer waren mit Gold bekleidet (auch dies erinnert an Persien). Die Decken bestanden aus gehobelten Balken u. Bretern, die in Leim vergoldet waren. Von den Formen kann ein Kapitäl einen Begriff geben, welches, jedenfalls 1 von diesem Bau stammend, in dem unterirdischen Eingang zu dem Tempel noch jetzt erhalten ist und welches wir in Fig. 2220 mittheilen. Auch ein guter Theil der Substruk-g tionen der Tempelterrasse sowie der untere Theil des Thurms Davids etc. mögen dieser Periode angehören. Diese Mauern zeigen in Verband und Behandlungsweise eine auffallende Aehnlichkeit mit denen zu Passargadä.t p) Gräber. Aus dieser Periode scheinen die sogenannten Gräber der Propheten am Oelberg zu stammen. Der Eingang ist unterirdisch und in Gewölbform ausgehauen und führt in eine Vorkammer, aus welcher zwölf ebenfalls ausgehauene Gänge nach den die Vorkammer konzentrisch umziehenden Gallerien mit Grabnischen führen. Ob die i Gräber des Abraham der Sahra etc. zu Hebron —einfache Würfel, mit flachen Pyramiden bekrönt — ebenfalls dieser) Periode angehören oder neuer sind, vermögen wir bis jetzt nicht zu entscheiden, da der Zugang zu denselben ungemein schwer zu erreichen ist. e) Wohn häuser. Hierüber ist leider nur das bekannt, was aus den betreffenden Bibelstellen zu schließen ist. Die Dächer waren flach, die Höfe enthielten meist eine Cisterne. IV. Bauten des Herodes und seiner Zeitgenossen. a) Der Tempelbau des Herodes, circa 17 v. Chr. war eigentlich nur eine sehr umfängliche Reparatur. Die Pylonen scheinen allerdings ganz neu aufgeführt worden zu sein, ebenso die Hallen zu beiden Seiten des Tempels, doch mochten wohl alle diese Bauten nnr in der vom alten Tempel beibehaltenen Disposition israelitisch, in allen Detailformen römisch sein. b) Hallenbauten des Herodes. Die Halle Salomo's auf der Ostseite des Heidenhofs (äuzeren Tempelhofs) war zweischiffig; die ein Stadium lange königliche Halle, πνιαναννα, an der Südseite war dreischiffig und wurde von 4 Reihen Säulen getragen (die eine dieser Reihen war durch eine Steinmauer verbunden), die 162 Säulen hatten 3 Klaftern Umfang, waren im Schaft 27 Fuß (römisches Mäß) hoch, hatten attische Basen und korinthische Kapitäle. Die Seitenschiffe waren 30 Fuß breit und über 50 Fuß hoch; das Mittelschiff war 45 Fuß breit und gegen 90 Fuß hoch. Das Sparrenwerk war mit in Hautrelief in Holz geschnitzten Figuren verziert. ) Gräber. Das sogen. Grab des Jakobus zeigt eine in den Felsen gehauene Front, bestehend aus 2 Säulen zwischen 2 Anten, in dorischer Form durchgeführt und ein ziemlich schlechtes dorisches Gebälk tragend. Ganz ähnlich ist die Front der sogen. Gräber der Könige (eigentlich Grab der Helena von Adiabene, die zu Christi Zeit Jüdin ward). Die Säulen fehlen hier, mögen aber da gestanden haben, wo jetzt nur eine rauhe Stelle des Felsgesteins den Architrav unterbricht. Das Gebälk trug früher drei Pyramiden. V. Seit der Berstörung Zerusalems haben die Israeliten nie mehr eine eigene Bauweise auszubilden vermocht. Ihre Bauten folgen dem landesüblichen Stil, obwohl stets besondere Eigenthümlichkeiten an denselben sich zeigen. Vgl. dar. d. Art. Synagoge und Grabmal.