Lombarden (Longobarden, Langbärte), bekanntlich germanischen Stammes, drangen, ursprünglich von Narses gegen die Ostgothen zu Hülfe gerufen, unter Alboins Führung 568 in Italien ein, wendeten sich, durch 20000 Sachsen verstärkt, gegen den Exarchen von Ravenna und eroberten schnell einen großen Theil von Italien, wo sie herrschten, bis 774 Karl der Große den König Desiderius stürzte und als dessen Schwager die eiserne Krone nahm, ohne jedoch das Lombardenreich aufzulösen. Die longobardischen Herzöge und Grafen blieben größtentheils in von Friaul, 888, Guido und Lambert von Spoleto, 896,d Harduin von Ivrea, 1002 etc., schwangen sich zu Königen d von Italien auf. Spoleto wurde mindestens bis um 1020, 0 Aquileja bis 1043, Benevent bis 1056, Amalfi bis 1074, Salerno bis 1076 von longobardischen Dynasten be-9 herrscht. Entgegen der früher allgemeinen Behauptung, man kenne kein nachgewiesenes Bauwerk aus der Zeit der Longobardenherrschaft, steht jetzt eine stattliche Reihe derselben fest. Diese Reihe eröffnet allerdings ein blofer Umbau, die Einrichtung der Kirche S. Pietro in Castello zu Verona zum arianischen Gottesdienst, 569, welcher der östliche Theil des Mittelschiffs mit seinen auffällig rohen Fig. 2401. Fig. 2492. Fig. 2493. Fig. 2494. Fig. 2495. Kapitälen zuzuschreiben ist. Dann folgen die Kirchen zu Piona u. Caleo, das Baptisterium zu Lenno 572, alle drei noch nicht näher untersucht. Der erste größere Bau war die von Theudelinde gegründete Kathedrale von Monza (590 bis 595), ein um achteckigen Mittelraum gelagertes gleicharmiges Kreuz mit fünf Schiffen; von diesem Bau sind noch u. A. im Dachraum Reste der Fasade, im Innern die Hauptmasse des Kreuzbaues u. 6 Pär Säulen vorhanden, deren Kapitäle zwischen matt angedeuteten Blättern und Ranken Darstellungen von Ochsen, Greifen, Adlern etc. zeigen, ferner die auf Löwen rühenden Seiulen der Vorhalle re. Von Theudelinde rühren auch noch die Apsiden der BISLIOTHEK Kirche Sa. Giulia in Bonate bei Bergamo her. 590 mußte der Gothe Franeio nach hartnäckiger Gegenwehr sich samt der mit stattlichen Gebäuden und kostbaren Sammlungen ausgestatteten, größtentheils von Steinmetzen bewohnten Insel Comaeina im Comersee (lacus comacenus) den Longobarden ergeben. Die Bewohner wurden longobardische Bürger, erhielten manchfache Privilegien, besondere Gesetze 2e. und bildeten den Kern einer Gruppe von Bauleuten, die unter dem Namen Comacini bekannt sind. Sie gliederten sich in Meister, die magistri comacini, auch wohl magistri Casarii, und nach dem Thal von Antelamo magisbri Antelami genannt werden; in Collegae (Meistergesellen), Consortes (Gesellen) und Discipuli (Lehrlinge), die alle freie Leute waren; die unfreien Handlanger (servi), sowie deren Aufseher (massarii) stellte bald der Meister, Fig. 2496. Fig. 2497. Fig. 2498. 22—0 2499. Fig. 2500. Fig. 2501. bald der Bauherr. — Namentlich bekannt sind z. B. Maximus und Leontius in Brescia um 615, Rodpertus magister Cummacinus 739 und 750; Guodo comacinus, Pavia, um 955 etc.; Mag. Nicolaus de OCalamia zu Terlizzi, 1000; 1175 Raymundus Lambardus in Urgel, Spanien; Anselmus aus Campilione bei Como, 1209 in Modena; Adam de Aragnio Cumanae dioceseos, 4202 in Trient; Mag. Georgius de episcopatu comensi, 1227.1256 in Fermo, Jesi u. Penna; außerdem finden wir 1066 Lombarden in Montecassino, 1158 ward Kloster RathinHolländisch-Limburg scemate Longobardico gebaut. — Noch damals also sprach man von longobardischer Bauweise. An dem alten Theile von Sa. Sofia in Padug (um 595) ist die Fronte mit 4 Nischen zu den Seiten des Portals besetzt, deren Bögen einen gegen den Intrados überhobenen Extrados, mithin Vermehrung der Wölbstärke nach dem Scheitel hin zeigen; dies sowie das Zickzack in zwei Farben, überhaupt die weiter als bei den Ostgothen etan ührte Verwendung farbiger Ziegel und sonstiger Steine, das völlige Fehlen des Karnieses, die labeche Anwendung der Viertelkehle u. des kleinen Rundstabs charaktexisirt die frühesten Bauten der Longobarden, Wulchs im allgemeinen die Erbschaft der Ostgothen antraten, auch bezüglich der bei den Ostgothem durch byzantinischen Einfluß herbeigeführten Abweichungen vom lateinischen Typus, bald sich noch mehr von diesem entfernten u dabei nicht nur die ostgothischen Formen gemäß germanischer Gefühlsweise weiter bildeten, sondern auffälligerweise einzelne byzantinische Elemente besonders bevorzugten. Schon sehr früh unternahmen sie sehr große Centralbauten (der alte Dom zu Brescia, 617 gebaut, mit einem Totaldurchmesser von 37,35 m. u. Weite der Mittelkuppel von 19,%½ m., mit einem von zwei Thürmchen flankirten Westthurm, vermuthlich das Vorbild zu dem Aachener Münster), u. legte kleine Kirchen gern im Quadrat an, durch eine Kuppel auf vier Mittelsäulen als griechisches Kreuz ausgestaltet. Doch erbauten sie auch Basiliken (s. unten), strebten aber hier wie überhaupt nach neuen Formen. Dies führte zu manchem Mißgriff und mancher Unbeholfenheit, besonders in Gestaltung der Kapitäle. Hier lassen sich drei Reihen von Versuchen unterscheiden, aus denen wir einige Beispiele vorlegen. Die erste Reihe galt der Ummodelung des korinthischen Kapitäls. Ihr gehören an: Fig. 2487 aus San Giorgio in Valpolicella bei Verona, um 720, Fig. 2488 von der Aedicula des Baptisteriums zu Cividale, um 740; Fig. 2489 aus der Heidenkirche zu Aquileja, um 750; Fig. 2490 ebenfalls aus Aquileja, um 800. — Die zweite Reihe entsprach dem Streben nach selbständiger Gestaltung eines für das Tragen von Bögen geeigneten Kapitäls; dieses Streben führte durch die seltsamsten Formen endlich zum Würfelkapitäl. Dahin gehören z. B. Fig. 2491 bis 2493 aus Ascoli am Tronto, um 700, noch ohne Halsglied, aus S. Antonino in Piacenza, um 700; Fig. 2497 aus dem älteren Baptisterium zu Parma, um 730; Fig. 2498 aus Moseufo, um 725; Fig. 2499 aus dem Dom zu Novara, um 730; Fig. 2500 vom Glockenthurm S. Zaccaria in Venedig, 827; Fig. 2501aus dem Kloster Gerusalemme zu Bologna, 1019, das erste, bei dem die Schilde scharf eingesetzt sind, schließt diese Reihe. — Die dritte Reihe vereint beide genannten Bestrebungen, indem versucht wird, einen würfelförmigen oder sonst geometrischen Kern mit Blattwerk zu verzieren; s. Fig. 2502 aus S. Sofia Padua, um 595; Fig. 2503 aus Valpolicella, um 720 Fig. é Fig. 2518. Fig. 2514. 2504, 2505 aus S. Giusto zu Lucca, 750; Fig. 2506 aus S. Alessandro zu Valva, vor 880; Fig. 2507 und 2508 von S. Cecilia zu Pisa, um 995. — Die vierte Gruppe endlich bilden solche Kapitäle, an denen lebende Wesen nicht nur, wie in Fig. 2503, in einer Füllung, sondern als iglit / mothes 18835d3/0304 Kapitältheile selbst dargestellt sind, entweder nur den Auch in der Gestaltung der Rundbogenfriese, Halbsäulen, Thürdispositionen, Fenstergliederungen, Bogenstirnen etc. strebten sie, neuere, dem konstruktiven Wesen der Sache u. ihrer Liebhaberei für farbige Ausstattung, zierliche kleine Musterung und phantastisch-symbolische Darstellung, entsprechende Formen zu finden, wobei immer mehr und mehr eine Läuterung eintrat und so die Entwickelung desjenigen Formensystems vorbereitet ward, das wir romanischen Stil zu nennen pflegen. — Für die Rundbogenfriese U. Hauptsimse geben wir Beispiele in Fig. 2513 aus Padua vom J. 595; Fig. 2514 ebendaher, etwas später; Fig. 2515 und 2516 aus Mailand um 790 respektive 870; Fig. 2517 aus Padua um 900; Fig. 2518 aus Bologna um 970; Figur 2519 aus Murano selbe Zeit, Fig. 2520 aus Pisa, um 995; Fig. 2521 aus Venedig ums Jahr 1000. Fig. 2522 aus Frascati, dieselbe Zeit; Fig. 2523 aus Toscanella vom Jahr 1039. Einige Gestaltungen von Kämpfersimsen giebt Fig. 2524. Die Fenster waren 9 im Anfang meist sehr schmal und schlank (1:4 bis 1: 7 im Lichten). Beispiele für die Gestaltung siehe Fig. 2525 aus Bisceglie um 700; Fig. 2526 aus Lucca um 760 u. Fig. 2527 aus Spoleto um 630. Die Form Fig 2526 wurde bis um 950 beibehalten, nur bekam der Halbkreis der Hinterplatte um diese Zeit oft Nasen. Die Kuppelung u. reihenweise Vereinigung von Fenstern oder Bögen zu Gallerien, resp. Zwerggallerien, war sehr beliebt. Fig. 2522 u. 2523, sowie 2528 um 790, 2538 um 700, geben Beispiele; große gekuppelte Fenster mit Oberbogen kommen schon vor 900 vor. Fig. 2529 ist aus der Badia bei Orvieto (um 1050). Die Ausschmückung der Bögen wurde ebenfalls unter Verlassen der hergebrachten Architravirung neu ausgebildet; s. Fig. 2530, aus BISLIOTHEK u. 2534 aus Pisa, um 995, u. Fig. 25354 u. b aus Lucch um 1160.— Für die Thürdisposikion mögen als Beispiele dienen Fig. 2536 aus Lucca u. Fig. 2537 aus Pistoja, beide um 750. Bei beabsichtigtem größern Reichthum wurde, nachdem die vor die ganze Fagade sich erstreckenden Vorhallen mit den Atrien häufig wegblieben, vor die Thüre eine kleine Vorhalle gesetzt, in Gestalt eines auf von Löwen oder Elefanten etc. getragenen Bogens mit Giebel, z. B. in Novara um 730, innerlich, s. Fig. 2539. (Die Emporen über den innern Seitenschiffen sind vermuthlich um 920, die Ueberwölbung 1020 eingebracht, welcher Zeit auch die Würfelkapitäle entstammen. Thürme u. Giebel datiren von 730, die Vorhalle im untern Theil von 1020, im obern von 1124.) Bei S. Zenonemaggiore in Verona (Fig. 2540) stammt die Thüre zum Theil noch vor der Reparatur um 811, wurde aber 961 und 1135 umgearbeitet. Der hier sichtbare Theil der Seitenschiffe ist von 811, nebst den Ecklisenen der Westfront, welche niedriger enden als der jetzige Giebelanfang. Die Reihen von Zwillingsfenstern an der Westfront sind wohl von 1045, das Radfenster von 113576., ebenso das Kapitäl Fig. 2551. — Diese Portalvorbauten wurden später immer reicher ausgestattet, aber es kam noch vor dem Fahr 1000 auch eine andere Art der Bereicherung in Aufnahme, nämlich die Einsetzung der eigentlichen Thüre in eine durch eingestufte Gewände u. Bögen gebildete Nische, wobei sehr bald die Bögen durch in die Einstufungen gesetzte Säulen gestützt wurden, woraus das bekannte romanische Portal entstand. Vereinung beider Manieren findet sich in Genua an einem Seitenportal des Doms, aus der Zeitum 1030.— Um 1035datirtdas Portal von St. Nicolä zu Bari, Fig. 2541, u. um 1040 das Portal der Kathedrale 3u Bitonto, Fig. 2542, deren Bau im übrigen zwischen 800 und 830 zu setzen ist. Aus der Zeit um 1040 stammt le zu Murano. (I, 3, 5, 6, 7, 9 sind rothe, 2, 4, 8 gelbe Ziegel.) auch der in Fig. 2543 dargestellte Theil der Kathedralezu Matera. —An Fig. 2544 u. 2545, S. Micchele in Pavia, scheint die Apsis im Untertheil, nebst einem Stück der Hrypta, noch von 680 zu sein, der Obertheil aber von 925ff., ebenso die Vierungskuppel. Das Langhaus ist zwischen 1024 u. 1155 erbaut. Fig. 2546 ist 801 gebaut, der Sims 1122 aufgelegt. — An Fig. 2549, Kathedrale zu Piacenza, rührt der Untertheil der Fagade samt der Hauptmasse der Portale noch von 856 her, während die Vorhallen der Seitenportale einem von 1122 — 1158 vorgenommenen Umbau angehören; ebenso die steigenden Zwergarkaden am Giebel und das Radfenster; die Vorhalle des Mittelportals datirt erst von 1550, der Thurm von 1333. Die Kirche S. Ambrogio in Mailand, Fig. 2547 u. 2548, hat noch mehr Umänderungen erlebt. — Um 380 vom heil. Ambrosius begonnen u. am 19. Juni 386 eingeweiht, wurde sie 789 einem 784 daneben gegründeten Kloster übergeben; um 820 erhielt sie die Kuppel, um 790 den Westgiebel, um 830 die jetzige Apsis und 880 das Atrium; 1130 und 1160 erfolgten Umbauten; um 1200 eine Erneuerung der Kuppel; der Thurm ist 1128 gebaut. Aber nicht blos in Details strebten die Longobarden selbständig neue Formen zu schaffen und legten so den Grund zu dem Fig. 2525. Fig. 2526. Fig. 2527. romanischen Stil, sondern auch in den Dispositionen der Kirchen. Fast alle Kirchen der Zeit um 750 sind Basiliken mit sehr schmalen Seitenschiffen u. Holzdecken. Das Querschiff steht selten vor, ist aber meist nach den Längenachsen der Kirche ziemlich breit und in zwei Flügel und eine Vierung getheilt, welche letzteredann also länglichist, wodurch die meist darauf stehende Kuppel kein regelmäßiges Achteck bildet. Neben sehr schmalen kommen auch sehr kurze Basiliken vor. Die Mauern sind anfangs stark, bald aber ziemlich schwach, dann meist durch Ecklisenen, von 800 an durch über Eck stehende Sporen verstärkt; zwischen den Ecklisenen stehen seltener Lisenen, öfter Halbsäulen, so auch an der Apsis, welche Blendbögen od. den Rundbogenfries tragen. Der reine Centralbau findet sich in der Zeit von 810, außer an vielen Baptisterien, z. B. zu Asti, siehe Fig. 2550, u. A. auch zu Breseia, Pavia, Almenno, Bologna, Fig. 2528. Aus Mailand. Fig. 2529. Aus Orvieto. Benevent; die Form eines griechischen Kreuzes od. Quadrats zu Capri, S. Germano, Brescia, Verona, die VerbindungdesCentralbaues mit demBasilikenbau zu Monza, Otranto, Valva, Ferentillo, Piacenza, Novara, Monferrato, Pistoja, Lucca, Pavia, Como, Sessa, Mailand, Spoleto, Monte-Cassino, Pisa etc. Der Stützenwechsel findet sich ziemlich häufig angewendet, Emporen bis um 1000 fast allgemein. Um 900 zeigtsich das Querschiff ausgebildet, u. in Kuppel u. Fußboden höher gehoben, im Mittelschiff längere Joche als in den Seitenschiffen; damit geht Hand in Hand die Weiterbildung der Quergurte auf dem Wege zur völligen Ueberwölbung und die Umwandlung der Lisenen in Sporen, ferner die häufige Anwendung der Zwergarkaden, die organische Ausbildung des Rundbogenfrieses, an den Bögen das Aufgeben der Architrapirung, gesonderte Behandlung der einzelnen Wölbsteine, Stelzung, Scheiteliglit / mothes 18835d3/0306 ek Heidelberg DFC Fig. 2536. Aus Lucca Fig. 2537. Aus Pistoja. Dijon, nach dem Jahre 1000 auf Tirol. Um diese Zeit be ginnt der um 870 etwas verstärkt auftretende byzantinisch Einfluß völlig zurückzuweichen; die Kuppeln dieser Zei haben Zeltdächer. Nun beginnen Ueberwölbungsversuch bei Basiliken; 1028 wurden in Fiesole die Kreuzarm durch halbe Tonnengewölbe bedeckt, die sich an die Schild bögen der Vierungskuppel noch etwas ungeschickt anlegen bei dem kurz darauf erfolgten Umbau von Sa. Mari Immaceulata zu Trani wurden die Seitenschiffe durch halb Tonnengewölbe, das Mittelschiff durch 3 Kuppeln bedeckt in Altamura wurden die Emporen mit halben Tonnen gewölben überdeckt, das Hauptschiff durch 2 Quergurt gegen den Druck dieser Wölbungen verspreizt und da rübe mit Tonnengewölben eingedeckt; noch vor 1050 wurd S. Maria de Martiri bei Molfetta mit 2 Kuppeln in ähn licher Weise überwölbt wie in Périgueux und Perigord aber sämtliche einschlagende Bauten Frankreichs sind nae 1050 begonnen, Perigueux selbstzwar 1047 geweiht, abe nach einem 1120 erfolgten Brand umgebaut, also späte als die genannten longobardischen Bauten. Von 1050 n, zeigt sich das Wölbsystem ziemlich fest begründet; im ht Mittelschiff sechstheilige Gewölbe, je 2 Jochen der Seitenm schiffen entsprechend, die ihrerseits Kreuzgewölbe haben i⸗— So war denn in jeder Beziehung das System ausgen, bildet, welches als romanischer Stil bekannt ist. Schon s. von 700 an (s. Fig. 2538) hatten die Longobarden hier u. 0da auf der Vierung einen Thurm errichtet. — Neben dieser, er zum Theil byzantinischen Einfluß, hauptsächlich aber wohl 6-der germanischen Gefühlsweise der Longobarden zuzuuf schreibenden, Durchbildung der Vereinigung von Basilika und Centralbau in der Kreuzform neben Durchbildung des Gewölbbaues und der doch auch auf germanischer Denkweise fußenden, ziemlich häufigen Anwendung von zwei, allerdings wie in S. Lorenzo zu Verona noch nicht sehr hohen, auch oft wie in Fig. 2539ziemlich weit auseinander stehenden Westthürmen finden sich andere Elemente, die auf ein strikteres Festhalten an römischen Traditionen hindeuten, als man dies anderwärts findet. Dahin gehörtz. B. die immer noch häufige Aufführung eines an Heliehmen Punkt stehenden, einzelnen Glockenthurms, das häufige Vorhandensein eines Atriums, z. B.an San Ambrogio in Mailand, s. Fig. 2547 und 2548, am Dom zu Novara, an S. Lorenzo in Mailand, s. Fig. 1036; die Aufstellung eines „Tabernakels über dem Altar, einer ambonenartigen Kanzel he im Schiff u. des Bischofsstuhls in der Apsis. Häufiger als it anderwärts hatten die Seitenschiffe Emporen über sich. Inhefolge dessen ist der Lichtgaden entweder sehr niedrig od. fällt ne ganz weg. Dadurch gewöhnte man sich, die Façaden, auch ⸗da, wo ein Lichtgaden vorhanden war, durch einen breiten n; Giebel abzuschließen, der über alle Schiffe sich ausbreitet. ig Dabei werden aber sowohl an diesem Giebel die Breiten be der einzelnen Schiffe als an der Langseite die Joche durch t, Lisenen oder schlanke Halbsäulchen angedeutet. Durch⸗ „brechung der Fagaden durch kleine Arkadenreihen ist ziemte lich häufig, besonders zieht sich um die Apsis fast stets uner mittelbar unter deren Hauptsims eine solche Zwerggallerie de herum. Gänzlich ungerechtfertigt ist die Meinung engn-lischer Archäologen, als sei die l. B. ein Vorläufer der d; normannischen Architektur. Im Gegentheil wurde die ich longobardische Bauweise da, wo Normannen hinkamen, er verdrängt. er II. Bauweise in der Lombardei, franz. architecture an de la Lombardie, engl. lombardik architecture.— Als die letzte Longobardendynastie von den Normannen gestürzt worden war, hörte in Unteritalien bald der Einfluß longobardischer Kunstrichtung auf u. die noch dortexistirenden longobardischen Baumeister mußten sich dem Willen der neuen Herrscher fügen. Die meisten davon mochten sich Kämpfe in ihre Heimat zurückgezogen u. oft zwar werden Comasken, Longobarden etc. auch außerhalb der Lombardei als Baumeister genannt, aber doch war fortan vorzugsweise die Lombardei der Schauplatz ihrer Thätigkeit. — War die sub L. geschilderte Bauweise die Vermittlerin zwischen dem lateinischen und ostgothischen einerseits und dem normannischen Stil anderseits, so darf die von etwa 1040 an in der Lombardei herrschende Bauweise nur als Zweig des romanischen Stils betrachtet werden. Die romanischen Bauwerke der Lombarden bilden in der That eine festgeschlossene Gruppe, welche in manchen Zügen von dent Typus romanischer Bauten anderer Gegenden abweichen, indem sie diese Züge in archaistischer Tradition von der lombardischen Bauweise L.beibehielten, während anderwärts der Stil sich weiter bildete; dahin gehören die von, durch Löwen getragenen, Säulen gestützten Portalvorhallen mit ihren Loggien, der weite Abstand oder das gänzliche Fehlen der Thürme, die häufige Anbringung von Zwergarkaden, die breiten, über alle drei Schiffe gehenden Giebel, die niedrigen, breiten Fenster, die riesigen Radfenster etc. lombardischer Kamin. m. s. d. Art. Kamin 1.