FeedMarmorfournier
Haus & KücheBau-Lexikon 1881

Marmorfournier, n., künstliches, oder Steinfournier; so nennt man dünne Blätter aus einer bunten, im Ansehen marmorähnlichen Komposition; sie dienen gleich Holzfournieren zum Ueberkleiden feiner Tischlerarbeiten, was folgendermaßen geschieht: Man erhitzt 140 J. Wasser bis auf 70e R. in einem gußeisernen Kessel, rührt es mit 75 Pfd. nach und nach eingetragener Kreide zusammen, gießt den Brei durch ein nicht zu feines Drahtsieb und läßt ihn, bis die Kreide sich abgesetzt hat, in Ruhe. Ist von dem breiigen Bodensatz das klare Wasser abgezogen, so thut man letzteres wieder in den Kessel und kocht es unter stetem Umrühren so lange, als es vom Rührscheit abläuft. Nun setzt man 4—4½ Pfund schönen Tischlerleim, ½ Pfund gekochten und wieder erkalteten Pergamentleim, mit dergleichen feinen Spänen und 170—00 g. feiner Papiermasse in Wasser aufgeweicht, zerrührt und wieder ausgedrückt, hinzu. Dem so entstandenen Brei kann man durch Hinzuschütten einer beliebigen, zarten, mit Leimwasser abgeriebenen Erdfarbe den Grundfarbenton des Marmors geben. Das Ganze kocht man nun bei mäßigem Feuer und bei beständigem Umrühren so lange ein, bis eine herausgenommene Probe an den Händen nicht mehr bedeutend klebt. Um daraus geformte Arbeiten stückweisezusammenzusetzen, benutzt man als Kitt eine erwärmte Mischung von 20 Pfund der Masse selbst, die man trocknet u.pulvert, HEIDELBERG O Universitmit 8 Pfd Harz und 3 Pfd. Talg; sind Ecken abgestoßen und andere Beschädigungen etwnnun so giebt man der Stelle durch Behauen eine reine und rauhe Oberfläche, tränkt sie dann mit Leinölfirniß und trägtebensolche Masse, mit Leinöl angemacht, auf. Sind stark hervorspringende Theile anzusetzen, so läßt man in die Oberfläche einige Nägel ein; stark überhängenden Gesimsen giebt man durch untergelegte Leisten eine Unterstützung bis zur Erhärtung.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 335Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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