FeedSchweißstelle
NaturlehreBau-Lexikon 1881

Schweißstelle, Schweißnaht, frz. soudure, engl. shut, sucht man möglichst zu verlängern und stellt sie daher thunlichst schräg gegen den Querschnitt. Außer Stabeisen u. Stahl haben nur noch Platin und Palladium die Eigenschaft der Schweißbarkeit. Je weniger fremde Beimischungen das Eisen oder der Stahl enthält, desto leichter schweißbar sind dieselben; eine Ausnahme macht der Phosphor, indem ein ziemlich bedeutender Gehalt an Phosphor der Schweißbarkeit wenig Eintrag thut, dagegen aber das Eisen kaltbrüchig macht. Ein vermehrter Kohlenstoffgehalterschwert die Schweißbarkeit. Deshalb ist Stabeisen leichter schweißbar als gewöhnlicher Stahl, dieser wieder leichter als Gußstahl, u. endlich hört schon bei den härtesten Gußstahlsorten die Schweißbarkeit fast ganz auf, und die Roheisensorten sind gar nicht mehr schweißbar; s. auch Eisen. Schweißhitze, Schweißwärme, k, frz blane m. soudant, engl. welding-heat, auch blos Hitze, oder fließende Hitze genannt (Eisenarb.), der dem Eisen im Schweißfeuer, frz. fire, im offenen od. überbauten Kohlenfeuer gegebene Hitzgrad, welcher erforderlich ist, um das Eisen in Schweiß (.d. 1.) zu bringen und dann schweißen zu können. Wenn das Eisen zur Weißhitze gebracht, schweißwarm gemacht (frz. rougir en blanc, engl. to give welding-heat) wird, in⸗ [dem man durch eine Verhüllung mit Boraxpulver oder Lehm die Verschlackung hindert, so nennt man dies trockene S.; wird aber das Eisen od. der Stahl beim Erhitzen mit „leichtflüssiger Schlacke, Schweißschlacke, franz. scorie de réchauffage, engl. reheating-slag, od. mit Sand, Schweißsand, frz. sablensoudre, engl. welding-sand, umgeben, so 1heißt dies saftige S. Der Stahl exsordert weniger S. als das Eisen. Beim Schweißen des Stahls wendet man statt des Schweißsandes gepulverten Schwerspat, gestoßenes Glas, gestoßene glasirte Thonwaren, Boraxpulver od. ein „Schweißpul ver (s. d.) an. rSchweißpulver, u., franz. poudre f. à souder, engl. Welding-powder, 1. 2 Gewichtstheile krystallisirter Soda werden in einem eisernen Topf geschmolzen und dann gepulvert; 7 Th. Blutlaugensalz werden durch fortgesetztes „Hämmern zu Pulver gemacht, beides vermengt; ferner wird Borax in einem glühenden Tiegel kalzinirt, gepulvert an Eisen zu schweißen: 11 Th. Borfäure, 9 Th. Kochsalz, 4 Th. Blutlaugensalz und 2 Th. kohlensaures Natron. schweizer Bauart, k. frz. architecture f. suisse, engl. helvetian wood-building. Auf dem Gebiet des Kirchenbaues haben die Schweizer stets denselben Gang eingehalten, wie die benachbarten Länder. Auch die Profanbaukunst der Schweizer ist zwar, gleich der anderer Länder, dem allgemeinen Gang der Kunstgeschichte gefolgt, so daß es geradezu falsch ist, von Schweizerstil zu sprechen, hat aber durch alle Stile hindurch sich gewisse Eigenthümlichkeiten bewahrt. Diese bestehen hauptsächlich in Folgendem: Die Häuser sind zwar im Unterbau oft massiv, im Oberbau aber entweder ganz von Holz ausgeführt, oder mindestens in Fachwerksbau; die Dächer kragen sehr weit aus, Sparren, Winkelbänder etc. sind mehr oder minder reich durch Schnitzwerkre, verziert. Unter demSchutz des Daches, bei zweigeschossigen Häusern ringsum, bei blos einstockigen mindestens am Giebel, steht eine Gallerie auf den oft sehr weit vorgekragten Balkenköpfen, ohne von der Erde aus durch Säulen unterstützt zu sein. Das Dach ist ziemlich steil (zwischen 30 u. 40), mit Ziegeln od. Schindeln gedeckt und in letzterem Fall mit Steinen belegt. Fenster und Das Obergeschoß ist oft mit äußeren hölzernen Treppen geben wir in Fig. 3152, ein Beispiel noch mittelalterlich gehaltener Detaillirung des Schrinkbaues in Fig. 3153, ein Beispiel für die Detaillirung des Schrotbaues aus der Zeit um 1600 in Fig. 3154. Als Abänderung des Schrotbaues erscheint der Ständerbau, welcher in seiner älteren, namentlich in den Kantonen Zürich, Aargau u. Thurgau geübten Art, durchgehende Ständer hat, s. Fig. 3155, während in Bern und Luzern die Ständer viel seltener durchgehen, auch oft im Erdgeschoß Schränkwand u. im Obergeschoß Ständerwand angewendet ist. Im Anfang des 18. Jahrhund. wurde der Ständerbau durch den Riegelbau verdrängt, s. aber häufig, z. B. in Bendlikon, durch kreuzweise od. sonstige ornamentale Vertheilung der Riegel modifizirt ward. Die Ornamentirung der Hölzer, bes. aber der aus Bret hergestellten Saumladen, Giebelschutzbreter, Abhänglinge zu Verbergung der Pfettenköpfe, Brüstungen u. anderer solcher Theile folgte der allgemeinen Stilentwickelung, aber meist um einen Schritt hinter derselben zurückbleibend. Wir geben in Fig. 3157 einen Abhängling als Verdeckung der Pfettenköpfe am Giebel und in Fig. 3158—-3160 Brüstungsmuster, und verweisen imübrigen auf die Werke von Prof. Gladbach, Zürich, bei Orell Füßli & Comp.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 175Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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