FeedSteinkohlentheeröl
NaturlehreBau-Lexikon 1881

Steinkohlentheeröl, Steinkohlenöl, n., franz. essence f. de goudron de houille, engl. mineral tar-oil. Wird Steinkohlentheer destillirt, so geht zuerst ein leichtes Oel von 0,%% spez. Gew. über; danach kommen Oele, welche dunkler, dicker, flüssiger und schwerer als Wasser sind. Die leichten Ste bilden ein Gemenge verschiedener Kohlenwasserstoffe, Benzol, Toluol, Cumol etc. Das mit verdünnter Schwefelsäure gereinigte leichte S. kommt im Handel als Benzin (s. d.) vor; es dient zu Auflösung von Harzen (Guttapercha etc.), zu Fabrikation von Firnissen, zum Reinigen von mit Fett beschmutzten Gegenständen etc. u. namentlich auch zu Darstellung des Anilins. Das weniger reine, leichte S. dient als Photogen zur Beleuchtung. Das schwerere Oel von 0,, spez. Gew. wird als Solaröl bezeichnet u. dient theils als Brennöl, theils als Zusatz zum Schmieren für Maschinen; es enthält 6 bis 10/ Kreosot, wird aber oft fälschlich Kreosot genannt; Imprägniren u. Kreosot Die dickflüssigen, schweren Produkte, welchemit steigender Temperatur bei der Destillation von Theer übergehen, enthalten basische Körper, Carbolsäure, Anilin, Picolin, Leucolinetc., welche sich aus den dickflüssigen Oelen durch wiederholtes Schütteln mit verdünnter Schwefelsäure ziehen lassen. Durch Ueberfättigen der sauren Flüssigkeit mit einem Alkali und durch Destillation lassen sich die flüchtigen Basen daraus gewinnen. Der zähe Rückstand bei der Destillation der Theeröle bildet das Steinkohlentheerpech; s. d. betr. Art. Reinigung des Ses von Theer⸗ und Schwefelverbindungen. Ein gußeiserner, mit Dampfgehäuse versehener Cylinder wird vorzugsweise mit Kalkhydrat beschickt, von dem das feine Pulver abgestäubt ist, und dann ein wenig über den Siedepunkt des zu reinigenden Oels erhitzt; dann läßt ISERG O Umversitatsbibsio man das Oel in den untern Theil des heißen Reinigers gelangen und durch denselben durchziehen, worauf man es kondensirt. Das dabei erzeugte Gas läßt man von gelöschtem Kalk absorbiren. Der Reiniger muß sehr langsam mit dem Oel beschickt werden, damit der Theer nicht mit übergeht; ist das gereinigte Oel nicht farblos, so geht es entweder zu rasch durch oder das Reinigungsmaterial ist gesättigt und muß erneuert werden.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 264Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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