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NaturlehreBau-Lexikon 1881

Verwitterung, f. franz. rouillage, m., engl. rusting, weathering. Die meisten Gesteine erleiden eigenthümliche Veränderungen, wenn sie unmittelbar der Luft ausgesetzt sind. Man nennt dieses die V. Sie beruht vorzüglich guf der chemischen Einwirkung des Sauerstoffs und des Wassers der Atmosphäre auf die Bestandtheile des Gesteines. Gewöhnlich werden beide aufgenommen; es entstehen Oxyde, höhere Oxydationsstufen, Hydrate, Salze. Das Volumen der veränderten Substanzen wird größer u. dabei der Zusammenhang aufgehoben. Gesteine, welche Eisenoxydul, Magneteisenstein, Binärkies enthalten, sind der V. besonders unterworfen. Sie werden an der Oberfläche durch entstehendes Eisenoxydhydrat nach und nach gelb oder braun, es bildet sich eine dünne, ocherige, erdige thek Heidelberg DFC Lage, die sich abschält und eine frische Fläche bloslegt, die wieder dieselbe Veränderung erleidet, u. dieses geht so fort, bis die Masse vollständig zerfallen ist. Oder das Schwefelmetall verwandelt sich in schwefelsaures, wasserhaltiges Oxydulsalz, welches als solches ausblüht. So blühen auch Gips, Bittersalz, Alaun aus und das Gestein wird mürbe u. zerfällt, wie es kieshaltige Mergel, Schieferthone, Talkschiefer und Alaunschiefer zeigen. Auch Gesteine, welche kali⸗ oder natronhaltige Mineralien als Gemengtheile haben, verwittern leicht, z. B. Granit. Das Wasser zieht nach und nach eine lösliche Verbindung von Alkali und Kieselerde aus dem Gestein aus u. es hinterbleibt endlich eine weiche, thonige Masse, Kaolin. Licht u. Wärme steigern die chemische Aktion. Auch durch blose Anziehung von Wasser erfolgt V., wie beim Anhydrit. Das Wasser der Atmosphäre bewirkt auch durch mechanisches Einwirken das Zerfallen der Gesteine. Es sickert aus den Klüften ins Innere, erstarrt hier im Winter und treibt die Masse aus einander. Der Zusammenhang bleibt durch das Eis vermittelt, bis dieses beim Thauwetter schmilzt; s. d. Art. Abfrieren. Schieferige Gesteine sind dieser Art von V. besonders unterworfen. Die schieferige und schalige Struktur erleichtert auch die chemische und mechanische Einwirkung von Luft und Wasser.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 426Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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