Giese (Christian Jos. van der), Dialektdichter, geb. 3. März 1803 zu Düren, gest. daselbst 3. Aug. 1850, verfaßte acht Lustspiele, zahlreiche Scherz- und andere Gedichte, fast sämtlich in dürener Mundart, und war auch Mitverfasser eines Wörterbuchs dieser Mundart. Seine „Gesammelten Werked gab Werners heraus (Bd. 1. 4Gedichtev, Düren 1879; Bd 2: (Dramatische Stücke», Düren 1854). „Giesebrecht (Wilh. von), ausgezeichneter deutscher Geschichtschreiber, geb. 5. März 1814 zu Berlin, erhielt seine Vorbildung auf dem Gymnasium — Grauen Kloster daselbst und studierte dann auf er Universität seiner Vaterstadt, wo ihn Ranke besonders für das Studium der Geschichte gewann. Kurz nach Vollendung seiner Universitätsstudien wurde er als ord. Lehrer am Joachimsthalschen Gymnasium zu Berlin angestellt, an welcher Anstalt er, zuletzt mit dem Titel als Professor, 20 Jahre hindurch wirkte. G. widmete seine Muße histor. Forschungen, als deren Frucht unter anderm die Geschichte des Kaisers Otto II. in Rankes Jahrbüchern des Deutschen Reichsv (Berl. 1840) und die Herstellung der Annales Altahenseso (Berl. 1841), einer verloren gegangenen wichtigen Quellenschrift des 11. Jahrh., zur Veröffentlichung gelangten. Diese Arheiten erregten die Aufmerksamkeit des Ministers Eichhorn, der ihm einen längern Urlaub und die Mittel zu einer wissenschaftlichen“ Reise nach Italien (1843—45) gewährte. Die Ergebnisse dieser Reise fanden hauptsächlich ihre Verwertung in G.s „Geschichte der deutschen Kaiserzeith (Bd. 1—5, Braunschw. 1855—80) die 5. Aufl. des ersten Bandes 1881, die 4. Aufl. der Bde. 2—4 1875—77), seinem Hauptwerke, das wegen der Gründlichkeit der Quellenforschung, der geistvollen Charakteristiken und der meisterhaften Darstellung verdienten Beifall gefunden hat. Auch wurde ihm der große, von Friedrich Wilhelm IV. ausgesetzte Preis für ausgezeichnete Leistungen auf dem Gebiete der deutschen Geschichte von der berliner Akademie zuerkannt. G. hatte 1857 die Professur der Geschichte zu Königsberg übernommen und folgte 1862 einem Rufe als Professor der Geschichte und Direktor des Historischen Seminars an die Universität München, wo er auch nach Sybels Abgange die Geschäfte der Historischen Kommission übertragen erhielt. Durch Verleihung des Ordens der bayr. Krone wurde er 1865 in den Adelsstand erhoben, und 1872 zum königl. Geheimrat ernannt. Als in demselben Jahre ein oberster Schulrat für Bayern eingerichtet wurde, berief der König G. dun Mitgliede und stellvertretenden Vorsitzenden ieser neuen Behörde. Seit 1873 ist G. auch Sekretär der histor. Klasse der königl. Akademie der Wissenschaften. Im J. 1874 übernahm er die Redaktion der großen, von Heeren und Ukert begonnenen Sammlung der europ. Staatengeschichte. Von seinen Schriften sind außer den bereits genannten 6 erwähnen: »De litterarum studiis apud Italos primis medii aevi saeculisd (Berl. 1845), die übersetzung des Gregor von Tours (Berl. 1851; 2. Aufl. 1878), De Gregorii VII registro emendandos (Braunschw. 1858), Deutsche Redeno (Lpz. 1871) und «Arnold von Brescia (Münch. 1873); viele seiner Abhandlungen sind in den Sitzungsberichten der münchener Akademie und in histor. Zeitschriften zerstreut gedruckt. G.s Vater, Karl G., geb. 9. Juni 1782 zu Mirow, erst Gymnasialprofessor „ Bremen, seit 1812 am Grauen Kloster zu Berlin, gest. 20. Sept. 1832, gehörte den Vertretern der romantischen Schule. Als Dichter hat er sich besonders durch mehrere Dramen, wie «Armidav (1804), „Sertoriuso (1807) u. s. w. bekannt gemacht. — Ein Bruder desselben, Ludwig G., geb. 5. Juli 1792 zu Mirow, seit 1816 Lehrer und Professor am Gymnasium zu Stettin, gest. zu Jasenitz bei Stettin 18. März 1873, hat sich als Schulmann, Dichter und Gelehrter einen geachteten Namen geschaffen; er war der Vertreter Stettins in der frankfurter Nationalversammlung von 1848. Unter seinen 1 Schriften sind hervorzuheben: »Wenische Geschichtend (3 Bde., Berl. 1843), «Gedichter (2. Aufl., 2 Bde., Stettin 1867), die Zeitschrift (Damariso (5 Bde., Stettin 1860—65). Vgl. Fr. Kern, «Ludwig G. als Dichter, Gelehrter und Schulmanno (Stettin 1875).