Gil Polo (Gaspar), span. Dichter, geb. zu Valencia zwischen 1530 und 1540, zuerst Stadtschreiber seiner Vaterstadt, wurde durch seine geschickte Amtsführung dem König Philipp II. selbst bekannt, von ihm 1572 zum Koadjutor des Vorstehers der Oberrechnungskammer des Königreichs Valencia ernannt und 1580 nach Barcelona gesandt, um das königl. Patrimonium zu regulieren, wo er 1591 starb. Außer einigen lyrischen Gedichten .—6 de autores espanoleso, Bd. 42) lieferte G. eine Fortsetzung der DDianay des Montemayor (s. d.), die zuerst unter dem Titel „Primera parte de Diana enamorada; cinco libros, que prosiguen los siete de la Diana de Montemayoro zu Valencia 1564, in demselben Jahre wie eine andere Fortsetzung desselben Schäferromans, von dem Arzt Alonso Perez, erschien. Sie übertraf nicht nur die letztere, sondern in den metrischen Teilen, d. h. in den reichlich ausgestreuten Hirtengedichten, Liedern und Canzonen, wie auch was die glückliche Einfügung interessanter Episoden betrisst, selbst das Werk des Montemayor und nimmt überhaupt eine so ausgezeichnete Stelle unter den Gedichten dieser Gattung ein, daß das von Cervantes im Don Quixote G. gespendete Lob zwar übertrieben, aber nicht ungegründet ist. Sie wurde im 16. Jahrh. noch zweimal ins Französische, im 17. ins Lateinische übersetzt von dem gelehrten Küstriner Kaspar Barth. Unter den Ausgaben der Diana enamorada v ist die beste die von Cerday Rico besorgte und mit einem Kommentar versehene (Madr. 1778; neue Aufl. 1862). G. hatte einen gleichnamigen Sohn, welcher zu seiner Zeit als juridischer Schriftsteller und Professor des Griechischen in seiner Vaterstadt Valencia berühmt war und mit dem der Dichter fast von allen bisherigen Biographen für Eine Person gehalten worden ist.