FeedGraciän (Baltasar)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Graciän (Baltasar), span. Schriftsteller, geb. gegen Ende des 16. Ja 1 zu Calatayud in Araonien, ein Jesuit, erster Rektor des Kollegiums zu arragona, dann zu Tarazona, wo er 1658 starb, stand in Verbindung mit den ausgezeichnetsten aragones. Gelehrten, z. B. mit dem berühmten Numismatiker Don Vicencio Juan de Lastanosa, der mehrere seiner Werke herausgab. In der Geschichte der span. Litteratur ist er dadurch merkwürdig geworden, daß er der Göngora in ungebundener Rede, der Einführer des estilo culto in die Prosa wurde. Geistreich und witzig wie Gön½ aber ebenso eitel und begierig, Neues und Unerhörtes zu schaffen, huldigte er dem krankhaften Paunden m am Spitzfindig-Dunkeln, Affektiertretiösen und Geschmacklos-Pedantischen. Er schrieb mehrere moralisch-philos. und theol. Werke in diesem Stil, wie EI héroe, eine Anleitung ein seine zu werden (sein Erstlingswerk, 1630) und das einer Zeit so berühmte „Criticono, ein allegorischdidaktisches Gemälde des und in Ron Lebens, eingeteilt in Krisen (erisis) und in Romanform eingekleidet; ferner das nicht minder hochgepriesene „Oräculo manualo, eine Sammlung von Lebensregeln; EI discretop, eine Auseinandersetzung der Eigenschaften eines höfisch-gebildeten Mannes, EI politico Don Fernando el Catélico, einen Panegyrikus auf diesen König, und EI comulgatorio v, ein Kommunionbuch. Auch brachte er die neue Kunst in ein förmliches System und gab eine Anleitung zu dem estilo culto heraus unter dem affektierten Titel La agudeza, y arte de ingeniov. Durch Lehre und Beispiel wurde er das Haupt der prosaischen Göngoristen, und seine «Kunst, geistreich zu denken und zu schreiben blieb fast durch das anze 17. Jahrh. das Gesetzbuch des Modegeschmadks. Er fand in Spanien viele Nachahmer; in Italien, Frankreich und Deutschland wurden seine Werke durch Übersetzungen verbreitet. Schopenhauers Übertragung des «Handorakelv gab Frauenstädt heraus (3. Aufl., Lpz. 1877). Eine Sammlung der beliebtesten der Werke G.s erschien in zwei Quartbänden (Madr. 1664 u. öfter). Neu abgedruckt wurden »Der Höflingo, das Handorakelo und der „Held o in der (Biblioteca de Autores Espanoles (Bd. 65). Mit Ausnahme des Kommunionbuchs wurden alle seine mehr weltlichen Schriften unter dem Namen seines Bruders Lorenzo G. herausgegeben (weshalb ihm oft fälschlich dieser Taufname beigelegt worden ist) und zwar von dem aragones. Edelmanne Lastanosa.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 259Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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