FeedGipsverband
HeilkundeBrockhaus 1882

Gipsverband, ein fester immobilisierender Verband, der häufig in solchen Fällen Anwendung findet, in denen ein krankes Glied längere Zeit hindurch völlig unbeweglich erhalten werden soll. Gebrannter Gips (schwefelsaurer Kalk durch Erhitzen seines Krystallwassers beraubt) besitzt bekanntlich die Eigenschaft, mit etwa dem gleichen Volumen Wasser zusammen ebracht, in wenig Minuten zu einer steinartigen Masse zu erhärten. Dieser Eigenschaft, auf welcher seine Verwendung für plastische und Stuccaturarbeiten beruht, verdankt er auch seine Einführung in die chirurgische Praxis zu erhärtenden Verbänden, welche namentlich bei der Behandlung von Knochenbrüchen, Gelenkkrankheiten und Verkrümmungen ausgedehnte Anwendung finden. Die Gipsverbände, als deren Erfinder der hollän½7 Wundarzt Mathysen (1852) zu bezeichnen ist, werden auf verschiedene Weise angelegt: 1) man 1 . w. wut eine Rollbinde von Gaze, Flanell u. s. w. mit Gipsmehl, taucht sie in Wasser ein und wickelt sie sofort, naß, ehe der Gips erstarrt ist, in mehrern Schichten um die betreffende Extremität; 2) man mischt in einer Schüssel Gipsmehl und Wasser zu einem Brei, streicht diesen auf die um das Glied gelegte trockene Rollbinde (von Gaze) in gleichmäßiger Schicht auf, legt darüber wieder eine Rollbinde, welche abermals mit einer Gipsbreischicht überzogen wird u. s. f., bis der Verband die nötige Dicke hat; 3) man rührt Gips mit Wasser zu Brei an, taucht in diesen Verbandstucke von geeigneter Form und legt dieselben in mehrsacher Schicht um das kranke Glied herum. Bei jeder dieser Applikationsweisen wird der kranke Teil mit einer Kapsel umgeben, welche in wenigen Minuten steinhart wird. Manchmal ist es vorteilhaft, den G. noch durch Einfügen baben ö oder eiserner Schienen (die auch Gelenke haben können) zu ergänzen. So sehr dem Chirurgen auch die Härte und 1,10 hat diese d des Verbandes zu statten kommt, so hat diese doch den Nachteil, daß der Verband, wenn er nicht absolut genau paßt, leicht durch zu starken Druck Schaden verursacht. Man pflegt deshalb vor Anlegung des G. das Glied mit einer Flanellbinde oder Watteschicht zu umhüllen. Sollen Teile des in dem G. eingeschlossenen Gliedes für die Besichtigung und Behandlung frei bleiben, so legt man dieselben durch in den G. geschnittene Lücken (Fenster) bloß. Zum Abnehmen des G. bedient man sich starker Scheren, Messer

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 50Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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