FeedGirard (Pierre Simon)
NaturlehreBrockhaus 1882

Girard (Pierre Simon), franz. Ingenieur, geb. 4. Nov. 1765 in Caen, machte seine ersten Studien in seiner Vaterstadt und brachte es durch seinen rastlosen Wissensdrang bald zu tüchtigen Leistungen auf dem Gebiete der technischen Mechanik. Bereits 1789 erhielt er die Stellung eines Ingénieur des ponts-et-chaussées; 1792 wurde ihm von der pariser Alademie der Wissenschaften für eine Abhandlung über Schiffahrtsschleusen ein Preis erteilt. In Agypten, wohin er 1798 die Expedition Bonapartes als Mitglied der wissenschaftlichen Kommission begleitete, zeigte er sich außerordentlich thätig und stellte namentlich wichtige Untersuchungen am Nil an. Nach Frankreich zurückgekehrt, wurde er zum Ingénieur-en-chef des ponts-et-chaussées ernannt, in welcher Eigenschaft er mit der Ausführung des Kanals betraut wurde, der das Wasser des Flusses Ourcg bis in ein Bassin bei Paris teils fuür den Wasserbedarf der Hauptstadt, teils für den Zweck der Schiffahrt ableiten sollte, welchen Bau er von 1802 bis 1820 leitete. Im J. 1815 wurde G. Mitglied der Akademie. Das Ministerium des Innern übertrug ihm 1819 die Direktion der Gas eleuchtung für Paris und sandte ihn nach London, um die dortigen Einrichtungen für Gasbeleuchtung und Wasserversorgung zu studieren. Er starb in Paris 30. Nov. 1836. Als Schriftsteller machte sich G. zuerst bekannt durch sein Werk «Traité analytique de la résistance des solides etc. (Par. 1798; deutsch bearbeitet von Krönke, Gieß. 1803), in welchem er die betreffenden mathem. Theorien einfacher darzustellen und die Resultate durch eigene Versuche zu bestätigen oder zu berichtigen suchte. Noch mehr Erfolg hatte er mit seinem Rapport des ponts-etchaussées sur le projet général du canal de I'Ourcqo (Par. 1803); in diesem Werke bringt er den Gedanken zur Ausführung, bei der Aufstellung einer Gleichung, um das vorteilhafteste Gefälle eines zu projektierenden Kanals zu ermitteln, den Coulombschen zweigliedrigen Ausdruck für den Widerstand der Bewegung fester Körper im Wasser zu benutzen. Sowohl um die Lösung der gleichen Frage als in Bezug auf die günstigste Verteilung des Gefälles bei gegebener Länge machte sich G. verdient durch die Abhandlung Essai sur le mouvement des eaux courantes et la figure qu'il convient de donner aux canauxo (Par. 1804). Alles, was sich auf die Geschichte und das Projekt des ebengenannten Kanals, sowie auf Berechnungen und praktische Angaben bei der Ausführung desselben bezieht, faßte G. in den Mémoires sur le canal de l'Ourcg et la distribution de ses eaux eto. v (Par. 1831) zusammen. Von seinen übrigen Verdiensten um die Mechanik sind besonders seine Versucheüber die Gesetze der Bewegungen des Leuchtgases in langen Röhrenleitungen zu erwähnen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 52Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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