Girardet (Abraham), franz. upferstecher, geb. 1764 zu Locle im Kanton Neuchätel, lebte fast immer in Paris. Nach Dutertres stach er 1806 die Transfiguration nach Rafael und den Raub der Sabinerinnen von Poussin nach der Zeichnung des Fragonard, beide für das Musée français. Andere seiner stets durch eine solide Technik ausgezeichneten Blätter sind der Leichnam Christi nach del Sarto, der Triumph des Titus nach Giulio Romano und der Tod des Winkelried. G. starb in Paris 2. Jan. 1823. — Sein Bruder Charles Samuel G., geb. zu Locle 1780, war ebenfalls Kupferstecher und lieferte namentlich das Zelt des Darius und den Einzug Alexanders in Babylon, nach den Gemälden von Lebrun. Er starb in Versailles 1863. Charles G., der Sohn des letztern, geb. zu Locle 13. Mai 1810, kam in Paris in die Schule Cogniets wo er sich zum Genremaler ausbildete. Zuglei aber erlangte er im Landschaftsfache Vollkommenheit, wozu ihm seine weiten Reisen im Süden Europas, sowie in Nordafrika, Agypten und der Türkei die beste Schule boten. Aus dieser Zeit stammen eine große Zahl trefflicher, lebenswahrer Schilderungen der südl. Natur, mit charakteristischen Staffagen aus dem Volksleben geziert. Unter seinen histor. Kompositionen erwarb das 1842 in Paris ausgestellte Gemälde: überfall der beim Gottesdienst versammelten Hugenotten, außerordentlichen Beifall. Das Bild befindet sich jetzt zu Locle. Auch als Illustrator hat G. sich mit Glück versucht. Er starb 24. April 1871 in Paris. Edouard Henri G., Bruder des vorigen, geb. 21. Juli 1819 in Neuchätel, war als Kupferstecher und Genremaler thatig. Auch ihm hatten längere Reisen im Osten reichliche Gelegenheit zu landschaftlichen Studien gegeben, doch zog er meist vor, Volksscenen des Orients in genrehafter Weise darzustellen. Neben dieser fremdländischen Richtung entfaltete der Künstler aber auch eine besondere Befähigung zu Schilderungen aus dem Leben des schweiz. Landvolkes seiner Heimat. Das beste Werk dieser Gattung ist sein Markt im Berner Oberlande. Als Stecher leistete er weniger Bedeutendes, doch ist sein Moliere nach Geröme ein verdienstliches Blatt. Er starb 5. Jan. 1880 in Versailles. — Auch der dritte Bruder, Paul, geb. 8. März 1821 zu Neuchätel, hat als Kupferstecher einen Namen.