FeedGirardin
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Girardin (Delphine Gay, Madame Emile de), franz. Schriftstellerin, Gemahlin des vorigen, geb. 26. Jan. 1804 zu Aachen als die Tochter der Schriftstellerin Sophie Gay (s. d.), empfing unter der Anleitung ihrer Mutter eine litterarische Erziehung, die in oefetne 4½ brachte. Als 16jähriges Mädchen besang sie die Hellenen, die Franzosen, den General Foy, Napoleon und auch Karl X. Eine Reise, die sie 1827 mit ihrer Mutter nach Italien machte, war einem Triumphzug ähnlich. Zu Rom wurde sie in die Accademia Tiberina aufgenommen und auf dem Kapitol bekränzt. Zwei Sammlungen «Essais poétiquese (1824; 4. Rufl. 1829) und Nouveaux essais poéëtiqueso (1825) bezeichnen vorzüglich diese erste Periode. Ihre letzte Dichtung, Napolines (1833), hatte keinen großen Nachhall, ist jedoch das Beste, was sie im lyrischen —7 geleistet hat. Nachdem sie sich 1831 mit Emile de G. vermählt, machte sie ihren ersten Versuch im Romangenre mit Le lorgnond (2. Aufl. 1832), dem sich verschiedene Romane und Novellen anreihten. Es findet sich darin ein Gemisch romanhafter Empfindsamkeit und ironischer Auffassung, das von dieser Zeit an ihr Talent charakterisierte. Ihre Prosa ist bestimmt, lebhaft, scharf und klar. Hauptsächlich zu ihrem Ruhme trugen ihre Pariser Briefesbei, die 1836—48 im Feuilleton der Pressen unter dem erdichteten Namen Vicomte de Launay und später in wiederholten Auflagen gesammelt erschienen (Le Vicomte de Launay, lettres parisiennes„, 3 Bde., Par. 1836—48). Eine dritte Phase, die dramatische, begann sie mit den Tragödien Judith² (1843) und Cléopàtre (1847), die nicht ohne Vorzüge sind. Doch zeigte sich ihr Talent hauptsächlich im eleganten Sprichwörterspiel, und ihre zwei Stücke dieser Art &C'est la taute du mario (1851), besonders aber La joie fait peury (1854), machten entschiedenes Glück; auch das größere Stück Lady Tartuffes behauptete sich mit viel Glück auf der Bühne. Delphine G. starb zu Paris 29. Juni 1855. Später erschienen zwei Gesamtausgaben von ihren Oeuvres complètes (6 Bde., Par. 1862). Auch sammelte man ihre Poésies compleèteso (Par. 1857). Vgl. Imbert de Saint-Amand, «Madame de G.5 (Par. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 54Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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