FeedGivet
ErdkundeBrockhaus 1882

Givet, Stadt im franz. Depart. Ardennen, an beiden Ufern der Maas, 37 km oberhalb Namur in einem gebirgigen Terrain, durch die Zweigbahn nach Rheims mit der Französischen Ostbahn und durch belg. Bahnen mit Namur und Charleroi verbunden, ist eine der stärksten Festungen Frankreichs, welche als ein doppelter Brückenkopf, am weitesten gegen Nordosten in das belg. Gebiet vorgeschoben und am Vereinigungspunkte mehrerer Straßen gelegen, auch von hoher strategischer Wichtigkeit ist. Durch Kaiser Karl V. wurde 1555 das Schloß Charlemont (Karlsberg) erbaut. Ludwig XIV., dem es im Frieden von Nimwegen zufiel, es den am Fuße des Bergs gelegenen Flecken G. befestigen und Charlemont verstärken. Der Platz besteht seitdem aus drei Teilen, von denen Charlemont und Groß-oder G.⸗St.⸗Hilaire auf dem linken, Klein- oder G.⸗Notre-Dame auf dem rechten Ufer der Maas liegen, beide durch eine steinerne Brücke miteinander verbunden. 7½ lemont erhebt sich auf einem schmalen, 215 mhohen, fast überall dominierenden, senkrecht nach der Maas und nach Westen zu abstürzenden, auf der Nordseite sehr steilen und nur ostwärts sanft abgedachten Felsen, ist mit sechs Bastionen, auf der Ostseite, dem einzigen möglichen Angriffspunkte, mit einem Horn-und einem Kronenwerk und außerdem mit mehrern detachierten Werken befestigt; fast alle Gräben den in Felsen gehauen und die meisten Werke kasemattiert. Groß-G. hat vier Bastione und drei Ravelins mit trockenen Gräben, Klein-G. vier Bastione und nasse Gräben, jedoch keinen Gedeckten Weg. An dem rechts von der Maas gelegenen Hügel Mont d'Or finden sich Spuren eines alten Fort. Die Festung ist auf 11000 Mann Besatzung eingerichtet, kann aber 25000 fassen und nötigenfalls mit nur 4000 Mann verteidigt werden. Wenn auch die beiden G. einen minder schwierigen Angriff zulassen, so ist doch Charlemont fast unangreifbar, wie es denn auch noch keinen eigentlichen Angriff erfahren hat. Bei Feststellung des neuen Landesbefestigungsplanes 1874 wurde G. als Festung beibehalten, erfuhr jedoch keine Erweiterung oder erhebliche Veränderung. Die Stadt G. zählt (1876) 5275, als Gemeinde 5575 E., welche berühmte Thonpfeifen, Nägel, Bleistifte, Siegellack, Leder und Marmorwaren fabrizieren und Grenzhandel nach Belgien treiben. Dem hier geborenen Komponisten Mehul ist 110 der Place de l'Hötel de Ville ein Denkmal (Büste) errichtet worden. In der Nähe ist ein Marmorbruch.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 65Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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