FeedGlaukopis
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Glaukopis (grch.) ist ein Beiname der Göttin Athene, welcher sie als lichtäugig bezeichnet. Da die CEule (dE) wohl eben wegen ihrer großen, unheimlich glühenden Augen der Athene heilig war, so hat man das Wort vielfach auch als eulenäugig gedeutet. 230 Glankos (lat. Glaucus) heißt in der griech. Mythologie ein Dämon oder Gott des schimmernden Meeres, nach welchem er auch vom griech. Worte II6ros, Pontios, der G. des Meeres, genannt wird. Nach einer Sage, welche in der Seestadt Anthedon in Böotien heimisch war, aß der Fischer G., der gesehen hatte, daß gefangene Fische durch Berührung oder den Genuß eines Krauts wieder auflebten, selbst von dem Wunderkraute und stürzte sich darauf ins Meer, nach der gewöhnlichen Erzählung sofort, nach einer andern im Poben Alter, der vom Kraut apmerreott 2000 überdrüßig. G. wurde hierauf zum Meergott. Man agun ihm namentlich die Gabe untrüglicher Weissagung zu. Spätere Grammatiker berichten, daß die Fischer sich fürchteten ihn zu hören, weil er gewöhnlich Unheil verkündete. Pindar und Aschylus (in einem Satyrdrama) und viele andere griech. und röm. Dichter haben Sagen von ihm behandelt. G. wurde auch in die Argonautensage verflochten. Als seine Geliebten werden Ariadne und Skylla angeführt. Dargestellt wurde er als Greis mit struppigem Haar und Bart und in die —7 gekrümmtem Schuppenschwanz. Der vornehme Römer Munatius Plancus stellte nach Vellejus Paterculus bei einem Gelage vor Antonius und Kleopatra den Dämon in der Weise eines pantomimischen Tänzers so dar, daß er, blaugefärbt und nackt, das Haupt mit Rohr umwunden, auf den Knien ruhend, einen langen Schwanz nachschleppte. Vgl. Gädechens, G., der Meergotte (Gött. 1860), G. ist der Name noch mehrerer anderer griech. Heroen. Nahe verwandt mit G. Pontios ist der zum Unterschiede von ihm von dem Orte Potniä bei Theben Potnieus genannte G., ein Sohn des Sisyphos (s. d.) und Vater des Bellerophon. Er hieß auf dem Isthmos von Korinth Taraxippos, d. h. ein die Pferde Scheumachender, und sollte selbst bei den Leichenspielen des Pelias in Jolkos oder in Potniä von seinen eigenen Pferden zerrissen worden sein. Die Sage von diesem G. hat Aschylos in einer Tragödie behandelt. Vgl. G. Hermann, De Glauciso, in dessen &0puscula (Bd. 2). Ein ebenfalls G. genannter Enkel des Bellerophon ist nach der Ilias der eine Führer der Lykier im Heere der Trosaner, der mit Diomedes, als dieser sich der Gastfreundschaft ihrer Großväter erinnerte, die Waffen austauschte. Ein G., Sohn des Minos, fiel in ein Faß voll Honig und erstickte, ward aber von Polyeidos, der sah, wie eine Schlange eine andere von ihm getötete durch ein Kraut wieder lebendig machte, durch das gleiche Kraut wieder ins Leben zurückgerufen. Diese Sage hat Euripides behandelt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 98Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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