FeedGlossolalie
ReligionBrockhaus 1882

Glossolalie oder Zungenreden heißt eine eigentümliche Erscheinung religiöser Verzückung, welche in den ältesten Christengemeinden vorkam. Zu verstehen ist darunter nicht, wie die Darstellung des Lukas vom Pfingstfeste es sagenhaft ausgeschmückt hat (Apostelgesch. 2, 1fg.), ein wunderbares Reden in fremden Sprachen, welche die Redenden doch nicht erlernt haben, sondern, wie die Beschreibung des Paulus (besonders 1 Kor. 14) beweist, ein Reden in unverständlichen Lauten, bei welchem das wache Bewußtsein zurücktrat. Es war dies eine * des Gebetsverkehrs des Menschen mit Gott, ei welchem die Möglichkeit, andern verständlich zu werden, fast völlig wegfiel. Die älteste Christenheit sah in diesen ekstatischen Gebetslauten einen Hauptbeweis für das &Herabgekommensein» des Heiligen Geistes auf die Betenden, und rechnete die G. daher unter die sog. Geistesgaben oder Charismeno, deren die Gläubigen gewürdigt worden seien. Der Überschätzung der G. und der durch das eitle Hervordrängen der Zungenredner beim öffentlichen Gottesdienste angerichteten Unordnung bemühte sich schon Paulus im ersten Briefe an die korinthische Gemeinde zu wehren. Späterhin trat die G. von selbst wieder zurück. Doch traten ähnliche Erscheinungen zu Anfang des 18. Jahrh. wieder bei den Camisarden (s. d.) in den Cevennen hervor, und in unserm Jahrhundert rühmen sich die Irvingianer (. d.), daß bei ihnen jene ursprüngliche „Geistesgaber wieder erneuert worden sei. Vgl. Hilgenfeld, „Die G. in der alten Kirches (Opz. 1850).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 118Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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