FeedGobryas
GeschichteBrockhaus 1882

Gobryas (altpers. Gaubruva, wahrscheinlich Kuhaugenbraue), ein mehrern Persern gemeinsamer Name. — Kenophon erzählt in seiner romanhaften „Cyropaedian (Erziehung des Cyruso) von einem G., assyr. Reiterhäuptling, der von seinem König feindselig behandelt, zum Perserkönig über-Hedt und demselben bei der Einnahme Babylons ehilflich ist. Merkwürdigerweise haben neuerdings entdeckte babylonische Keilinschriften gezeigt, daß Cyrus allerdings schon vier Monate vor seinem Einzuge in Babylon, im Oktober 538 v. Chr., diese Stadt durch einen G. (babyl. Gubara oder Ugbaru), Statthalter der Guti, eines medischen Stammes, hatte besetzen lassen. Die milde Behandlung, die G. den Babyloniern versprochen, bewilligte Cyrus, der, nach diesem Texte, auch den G. zum Statthalter der eroberten Stadt einsetzte. — Es ist wohl anzunehmen, indessen auch nicht zu beweisen, daß dieser G. nicht identisch ist mit dem G., Sohn des Mardonius, der übereinstimmend von der Inschrift von Bisutun (s. d.) und Herodot als einer der sieben Verschworenen gegen den Magier Gomates, den falschen Smerdis (521 v. Chr.), genannt wird. Im Rat der Sieben war G. für schleunige Beseitigung des Usurpators und rang auch selbst mit ihm; wie Herodot erzählt, hatte dieser im finstern Zimmer den G. erfaßt, und letzterer forderte den Darius auf, aufs Geratewohl zuzustoßen, was letzterer that und hierauf glücklicherweise den Ma⸗ — traf. Später begleitete er den König geworenen Darius I., seinen Schwiegersohn, auf seinem 8.9 gegen die Skythen. Vielleicht ist er auch der „den die Inschrift von Bisutun als den Unterdrücker eines Aufstandes in Susiana erwähnt. Er war der Vater des bei Platää 479 v. Chr. besiegten Mardonius. Auf dem Grabe Darius' I. zu Naksch-i-Rustem ist noch heute sein Bildnis zu sehen: er figuriert als aus dem Stamm der (auch von Strabo als edlem Persergeschlecht erwähnten) Patischorier und als Lanzenträger des Königs. Ein anderer G., Sohn des Darius J. von der Tochter des Cyrus, Artystone, befehligte 480v. Chr. bei dem Zuge des Xerxes die Mariandynen, Ligyer und kappadokischen Syrer. — Noch ein anderer G. wird kurz als einer der Heerführer des Artaxerxes II. im Kriege gegen seinen Bruder Cyrus den Jüngern (401 v. CEhr.) erwähnt. lrado (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 144Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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