FeedGodolphin
GeschichteBrockhaus 1882

Godolphin, alte in Cornwall ansässige engl. Familie, deren Name ursprünglich Godolghan war. Ein John G. wird als Grundbesitzer in Cornwall schon zur Zeit der normann. Eroberung genannt. Ein anderer John G. war Sheriff von Cornwall und Verwalter der dortigen Bergwerke unter Heinrich VII. Während der Regierung Heinrichs VIII. empfing William G., Sheriff und Parlamentsmitglied für Cornwall, die Ritterwürde. Später erscheint ein John G. als eifriger Puritaner und Republikaner während der Revolutionszeit des 17. Jahrh. Dieser, ein ausgezeichneter Jurist, wurde 1653 von Cromwell zum Admiralitätsrichter ernannt. Er schrieb ein damals sehr geschätztes Werk über das Seerecht, war Kronanwalt unter Karl II. und starb 4. April 1675. Am berühmtesten wurde Sydney G., des vorigen Großneffe. Geboren um 1635, war er mit Karl II. schon während dessen Verbannung bekannt und kam nach der Restauration an den engl. Hof. Zum Parlamentsmitglied erwählt, errang er im Unterhaus einen Ruf als Autorität in den Finanzangelegenheiten. Im J. 1678 ging er als Gesandter nach Holland, 1679 trat er mit Viscount Hyde und Graf Sunderland an die Spitze der engl. Regierung; 1684 stieg er als Baron G. von Rialton zur r auf und erlangte den osten des Premierministers. Auch nach der hronbesteigung Jakobs II. blieb G. bei Hofe in roßer Gunst, wurde 1687, nach Clarendons Fall, ommissar der Schatzkammer und unterhandelte im Auftrage des Königs, in Gemeinschaft mit Halifax und Nottingham, mit Wilhelm von Oranien, als dieser gegen London vorrückte. Von Wilhelm III. wurde er zuerst zum Kommissar, dann zum ersten Lord der Schatzkammer ernannt, unterhielt aber trotzdem eine verräterische Korre-Anteus mit Jakob II. und wurde 1696, als des nteils an einer Verschwörung gegen den König verdächtig, entlassen. Bei der Rückkehr der Tories ins Amt (1700) gelangte jedoch G. von neuem als erster Lord der Schatzkammer zur Macht und behauptete sich dann in dieser Stellung während der Regierung Annas durch den Einfluß des Herzogs von Marlborough, mit dem eine innige Freundschaft ihn verband. Im J. 1704 wurde er zum Ritter geschlagen, 1706 zum Viscount Rialton und Grafen G. erhoben. Infolge des allmählich abnehmenden Einflusses der Marlboroughs kam indes später Harley Graf von Oxford neben ihm zu Ansehen; im Aug. 1710 wurde er in den Sturz der Marlboroughs verwickelt. Er starb 15. Sept. 1712. Sein Sohn Francis, zweiter Graf G., geb. 3. Sept. 1678, K Martbor sich mit einer Tochter des Hendloe von Marlborough, war 1735 — 40 Großsiegelbewahrer, dann Konstabler des Towers und starb 17. Jan. 1766 ohne Nachkommen, worauf die Grafenwürde erlosch.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 148Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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