Goldöni (Carlo), ital. Lustspieldichter, geb. 25. —— 170⁷7 zu Dene zeigte schon in frühester ugend entschiedene Neigung für das Theater. Nachdem er seine Jugendjahre sehr unstät in Perugia, Rimini und Chioggia verlebt, entschloß er sich endlich zum Studium der Rechte, dem er erst zu Venedig, dann zu Pavia, jedoch nur oberflächlich oblag. Wegen eines satirischen Gedichts aus Pavia vertrieben, mußte er seitdem infolge 4. bis er als Streiche öfter seinen Aufenthalt ändern, bis er als Sekretär zu dem Vizekanzler des Kriminalgerichts in Chioggia kam, dem er 1729 nach Feltre folgte. Neben seiner Berufsthätigkeit blieb er jedoch eifrig der dramatischen Kunst zugewandt. Er richtete für das Liebhabertheater im Palaste des Gouverneurs zu Feltre einige Opern Metastasios zur Iulsele die ohne Musik ein und schrieb auch zwei Lustspiele, die ebenso viel Beifall fanden als sein Spiel. Der Tod seines Vaters, der seine Familie in mißlichen Umständen hinterließ, führte G. zu dem Entschluß, seine jurist. Studien nochmals ernstlich aufzunehmen. Er disputierte in Padua und ging hierauf nach Venedig, um zu praktizieren. Durch ein übereilt gegebenes Eheversprechen in große Sorge verseßt, verließ er aber Venedig wieder und wanderte bis 1736 unstät herum, bis er sich in Genua mit der Tochter eines Notars verehelichte und aufs neue nach Venedig zog, wo er nun dasjenige Fach dramatischer Dichtung zu kultivieren ansing, in welchem er sich auszeichnen sollte, das der Charakter- und Sittenstücke, worin Molière ihm Vorbild war. Er trat hierdurch in einen Kampf gegen die hergebrachte Form der sog. Commedia dell' arte, der extemporierten Harlekinaden und Maskenstücke, in welchem er nach großen Anstrengungen zuletzt Sieger blieb. Sein Leben —. übrigens den unstäten Charakter. Bald hielt er sich mit seiner Familie in Bologna, in Modena, Rimini, Siena, bald in Pisa und Mantua auf, bald als Advokat praktizierend, bald für eine Schauspielergesellschaft Theaterstücke dichtend. In Paris, wohin er 1761 gezogen war, und wo er mit seinen Stücken Beifall fand, erhielt er durch die Dauphine die Stelle eines Lehrers der ital. Sprache bei den Töchtern Ludwigs XV., später ein Jahrgehalt, das ihm durch die Revolution verloren Aner Erst 7. Jan. 1793 wurde ihm auf Cheêniers Antrag durch ein Dekret des Nationalkonvents das Jahrgehalt wieder zuerkannt, als er schon auf dem Sterbebette lag. Er starb 6. Febr. 1793. G. hat 150 Stücke geschrieben. Wenn auch nicht zu leugnen, daß er bei einer solchen Fruchtbarkeit oft flüchtig gearbeitet, so hat er doch die Hauptzüge des Nationalcharakters seiner Zeit treu aufgefaßt, und ist deshalb der Liebling des Volks geblieben. Seine Sprache ist oft nachlässig, dabei aber doch natürlicher und wahrer als die späterer Lustspieldichter. Unter seinen Stücken sind die, in welchen er, dem Volksgeschmack nachgebend, noch die nationalen Masken mit „ Mauchs ten Sprache beibehält, die ergötzlichsten. Manche seiner Stücke haben auch in übersetzungen und Bearbeitungen auf der deutschen Bühne Glück gemacht wegen des Reichtums an guten Einfällen und komischen Situationen. Unter den vielen Ausgaben der Werke G.s, wovon die erste 1753—57 in Venedig erschien, ist die von Venedig (47 Bde., Vened. 1788—95) die vollständigste, die von Florenz (53 Bde., 1827) die gef mactvollste. Auswahlen von G.s Stücken haben Montucci (4 Bde., Lpz. 1828) und Prosdocimi (Triest 1858) Caal⸗ Eine deutsche Übersetzung der Werke hat Saal (11 Bde., Lpz. 1767— 69) versucht. Denkwürdigkeiten zur Geschichte seines Lebens und des Theaters (3 Bde., 1784—87; deutsch von Schatz, 3 Bde., Gotha 178889) schrieb G. in franz. Sprache, in welcher er auch einige Lustspiele dichtete, wovon das eine: Le bourru bienfaisanto, 1771 in Fontainebleau und Paris mit großem Beifall gegeben wurde. Zu seinen heftigsten Gegnern gehörte Gozzi (s. d.), der im Eifer für die Commedia dell' arte den Verdränger der Masken auf der Scene mit Epigrammen und Impromptus verfolgte. Vgl. die Biographien G.s von Carrer (Vened. 1824), Calvi (Mail. 1826), Meneghezzi (Mail. 1827) und Molmenti, 4«Carlo G., studio critico biograficop (Mail. 1875).