Corueille (Pierre), berühmter franz. Tragödiendichter, geb. 6. Juni 1606 zu Rouen, wo sein Vater Generaladvokat war, erhielt seinen Unterricht bei den Jesuiten, bildete sich zum Juristen aus und wurde Advokat. Seine Neigung für enGeian entfremdete ihn jedoch früh seinen amtlichen Geschäften, und bereits 1625 brachte er sein erstes Stück, das Lustspiel Meliter mit Erfolg auf die Bühne. Schnell nacheinander arbeitete er nun Clitandre, Là veuver, La galerie du palaiso, (La suivantep und „La Place royale (1635), die so viel Beifall fanden, daß sich eine eigene Schauspielergesellschaft ur „Adeiten 8.8 die T. bildete. Dennoch hatten diese Arbeiten C.s die Vernachlässigung der Natur mit allen poetischen Erzeugnissen seines Zeitalters gemein. Auch seine berühmte, Seneca nachgebildete (Médéer (1635) war deklamatorisch. Damals umab sich der Kardinal Richelieu mit Dichtern, welche ustspiele nach seinen Angaben ausführen mußten; C. soll das Wohlwollen des mächtigen Ministers dadurch sich verscherzt haben, daß er bei den ihm zur Ausführung übertragenen Lustspielentwürfen Ronen Selbständigkeit bewies. Er zog sich nun nach ouen zurück, wo ihn der ehemalige Sekretär Marias von Medici, Chalon, 1 das span. Drama hinwies; dem Studium desselben erwuchs C.s erstes, durch den größten Beifall ausgezeichnetes Meisterwerk, der «Cidy (1636). Die Bewunderung, die der Cidy fand, erweckte den Neid; der Dramatiker Scudery wußte unter Zustimmung des Kardinals die gider den Akademie zu veranlassen, ihre Meinung über den «Cid o auszusprechen, was sie nach Uchtetd Zögern that in ihrer ersten für die offentlichkeit bestimmten Arbeit, den «Sentiments del'Académie française sur la tragicomédie du Cido; doch ist das Urteil der Akademie, welche in dieser Schrift die Dreieinheitentheorie für das franz. Drama zum unbedingt lobend, noch unbedingt tadelnd. Durch die Horaceso (1639) widerlegte C. hierauf den geen ihn erhobenen Vorwurf mangelnder Schöpferaft. Franz. Kritiker sind geneigt, «Cinnay (1639) re sein Meisterwerk zu halten; höher möchte Po-Yeucter zu stellen sein. In dem Mort de Pompéer Lachteil ger ein seinen spätern Schöpfungen zum achteil gereichender Hang zum Schwülstigen schon stark hervor. C.s Bearbeitung des «Menteur v Immiich C Pedro de Roxas, worin statt des herömmlich Erfundenen im Lustspiel Natur und Wahrheit zur Geltung gebracht wird, bedeutet den Anang der Charakterkomödie in Frankreich. Schon in der ½⁹ (Rodogune, C.s Lieblingsstück (1646), ist C.s Dichterkraft nicht mehr auf der Höhe. Sonst verdienen nur Nicomèdep (1652), (Oedipe⸗ (1659) und «Sertorius v (1662) noch Erwähnung. C. war der eigentliche Schöpfer der dramatischen Poesie und der heroischen regelmäßigen Tragödie in Frankreich; von seinen 33 Stücken werden die vorzüglichsten noch immer mit Beifall gegeben. Sein Beiname «der große C. ist unangetastet geblieben und sein Ansehen hat durch die Zeit gewonnen, obschon Voltaires und Laharpes Kritik es zu schmälern geeignet war. Die Schwächen in der Anlage mehrerer seiner Stücke zeigte Lessing mit schlagender Kritik. Das einseitig Heroische seiner Charaktere und der Mangel an innerer Wahrheit sind nicht mehr bestrittene Mängel seiner Tragödien. Seit 1647 war er Mitglied der Französischen Akademie. Er starb 1. Okt. 1684. Unter den zahlreichen Ausgaben der Werke C.s, zu denen auch eine versifizierte Übertragung der Nachfolge Christi gehört, sind als die genauesten und vollständigsten hervorzuheben: die von Renouard (12 Bde., Par. 1817), von Parelle (12 Bde., Par. 1824), von Didot und Lefevre (12 Bde., Par. 1854—55), von Taschereau (7 Bde., Par. 1857—62), besonders von Marty-Laveaux (12 Bde., Par. 1862—68). Die besten seiner Stücke, darunter der «Cido (von Greffinger) bereits 1650, sind auch ins Deutsche übertragen. Biographien des Dichters lieferten Taschereau (Par. 1829; neue Aufl. 1855), Levavasseur (Par. 1843) und Guizot (Par. 1852; 6. Aufl. 1866). Vgl. Picot,