Görgei (Arthur), ungar. Revolutionsgeneral, Soe 30. Jan. 1818 zu Toporcz im Zipser Komitat berungarns, studierte in Leutschau, Käsmark und Eperies und trat 1832 als Kadett des 60. Linien-Infanterieregiments in die Pionierkorps-Schule in Tuln. Nach Beendigung des vierjährigen Kurus kehrte er im Herbst 1836 in jenes Regiment zurück; 1837 trat er als Lieutenant in die königl. ungar. adelige Leibgarde und widmete sich in Wien den ernstesten Studien, worauf er im 8 Ober1842 dem Palatinal-Husarenregiment als Oberlieutenant zugeteilt ward. Nach dem Tode des Vaters trat er 1845 aus der Armee ging nach Prag, wo er den theoretisch-praktischen Kursus für Chemie an der Universität absolvierte und eine Abhandlung aliber die festen, flüchtigen und fetten Säuren des Kokosnußölso in den „Sitzungsberichten der kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu Wiend (Bd. 1) veröffentlichte. Im März 1848 kehrte er zurück. Hier ließ er sich zum Eintritt in die ungar. Lanptnguns bewegen und erhielt den Rang eines auptmanns im 5. Honvéd-Bataillon zu Raab. Mit der Errichtung einer Zünder⸗ und Zündhülsenfabrik beauftragt, kam er im Juni 1848 wieder nach Prag, kehrte im August nach Pest zurück, wurde Major und erhielt den Befehl, die mobilen Nationalgarden im Kreise diesseit der Theiß zu organi-Amma Gegen Ende September wurde G. beim Inmarsch des Banus Jellachich nach der Insel Csepel disponiert, wo er 2. Okt. 1848 den Grafen Eugen Zichy, welcher mit Proklamationen vom Ban aufgefangen worden, kriegsrechtlich hinrichten ließ. Die That machte ungeheueres 2 7 sie brachte G.s Namen in aller Mund. G. kam mit seiner Abteilung zu dem Korps des Obersten Moritz Perczel, zeichnete sich bei Adony aus, zwang bei Ozora die kaiserl. Truppen zur Waffenstreckung (7. Okt.), wurde zum Obersten ernannt (8. Okt.), folgte nach der Schlacht bei Schwechat dem General Moga im Oberkommando der ungar. Nordarmee (15. Okt.) und wurde zugleich zum General ernannt. Er zog sich, als Windischgrätz 16. Dez. 1848 den Einmarsch begann, über Raab nach Pest urück und räumte dann selbst die ungar. Hauptstadt. Nach der Teilung der Armee führte er mit der einen Abteilung die wichtige Aufgabe, durch seinen Rückzug in die Bergstädte den Feind von der kürzesten Linie nach Debreczin, dem einstweiligen Regierungssitze, abzulocken, in geschickter Weise aus. Das Mißtrauen des Landesverteidigungsausschusses und der Regierung gegen G., namentlich seit der waitzener Proklamation, hatte die übertragung des Oberkommandos an den Polen Dembinski (Anfang Februar 1849) zur Folge. In seinem Chr9256 tief verletzt, äußerte sich G.s Groll zunächst ei Kapolna (26. bis 28. Febr.), wo er mit seinem Korps zu spät eintraf, sodaß die von Dembinski Dieser 1 Schlacht wenigstens unentschieden blieb. ieser Umstand sowie auch die unglücklichen Dis⸗ + die die Theiß für den darauffolgenden Rückzug hinter die 418 traf, hatten die Übertragung des Oberbefehls an Vetter zur Folge, der aber denselben Anfang April an G. als den rangältesten General abtrat. Der nun folgende Aprilfeldzug lieferte in einer ununterbrochenen Reihe von Siegen, wie zu Gödöllö (7. April), Waitzen (9. April), Nagy-Sarlo (19. April), der Entsetzung von Komorn (24. Aprih), der Schlacht bei Acs oder Waitzen (28. April), wodurch Welden zum Rückzug nach Preßburg genötigt ward, glänzende Beweise für G.s Feldherrntalente. Anstatt jedoch jetzt offensiv gegen die —— Grenze vorzudringen, wendete er sich nach Ofen, welches die Österreicher unter Hentzi ilia besetzt hielten, und nahm nach dreiwöchentlicher Belagerung 21. Mai die ofener Feste mit Sturm. Die Würde eines Feldmarschalls, die ihm Kossuth zum Lohne anbot, lehnte G. ab, aber er übernahm das Portefeuille des Kriegs im Ministerium Szemere. Während G. nach der Einnahme von Ofen drei Wochen unthätig verstreichen ließ, waren die Russen infolge des Interventionsvertrags mit OÖsterreich von mehrern Seiten her in Ungarn eingedrungen. Jetzt kam es zwischen G. und Kossuth zu Meinungsdifferenzen, und G. weigerte sich, Komorn zu verlassen. Durch das weitere Vordringen der Russen von der Hauptstadt und dem Regierungssitze Szegedin abgeschnitten, wagte G. 11. Juli 1849 noch die Schlacht bei Komorn, erlitt aber eine Niederlage, mußte sich in die Festung Komorn zurückziehen und endlich 13. Juli den Abmarsch nach der Theiß beginnen. Die Russen folgten, ohne daß sie ihn wirklich erreichten, bis er endlich, durch die Niederlage Nagy-Sandors bei Debreczin (2. Aug.) bedeutend geschwächt, 8. Aug. in Arad eintraf, wohin sich bereits die Regierung geflüchtet hatte. Dembinsti, statt sich kriegsministeriellem Befehle gemäß ebenfalls nach Arad zurückzuziehen, hatte sich nach der feindlichen Festung Temesvar gewendet und hier 9. Aug. eine völlige Niederlage erlitten. Die offizielle Kunde von derselben traf 10. Aug. in Arad ein. Schon vorher hatte G. auf die Unmöglichkeit einer Fortsetzung des Kampfes hinweisend, gegenüber Kossuth erklärt, daß er, falls sich die Niederlage Dembinskis bestätige, sofort die Waffen strecken werde. Zugleich hatte, namentlich auf G.s Drängen, die ungar. Regierung den Beschluß gefaßt, dem Kaiser von Rußland die ungar. Krone anzutragen, und G., der mit den Russen schon seit dem 21. Juli in Verbindung getreten war, sollte mit der Ausfobgen des Beschlusses betraut werden. Unter solchen Umständen nun richtete G. an Kossuth, welcher gegen die feibn an wollf keinen Widerspruch erhob, aber sie selbst zu vollführen keine Neigung zeigte, die Forderung, in aller Form abzudanken und ihm die höchste Gewalt zu übertragen. Am 11. Aug. erhielt G. die Diktatur, ergab sich aber bereits 13. Aug. bei dem Flecken Vilägos mit 20000 Mann Infanterie, 2000 Mann Kavallerie und 130 Geschützen den Russen unter Rüdiger auf Gnade und Ungnade. (S. Ungarn.) G. selbst wurde nach seiner Ergebung begnadigt und in Klagenfurt interniert, wo er bis 1867 als Privatmann und Chemiker in der Moroschen Tuchfabrik lebte, um dann nach Ungarn zurückzukehren. Ende 1872 wurde er bei der Linie Schäßburg-Reps der Siebenbürgischen Ostbahn angestellt. Sein Werk: Mein Leben und Wirken in Ungarn in den J. 1848 und 18495 (2 Bde., Lpz. 1852), ist die Rechtfertigung G.s gegen den oft erhobenen Verdacht des Verrats. Neuestens (1881) hat er seine Handlungsweise vor und während der Waffenstreckung bei Vilägos gegenüber den ungerechtfertigten Angriffen Kossuths in dessen „Schriften aus der Emigrationo erfolgreich verteidigt. G. lebt zurückgezogen in Visegrad.