FeedGretry (André Ernest Modeste)
MusikBrockhaus 1882

Gretry (André Ernest Modeste), berühmter franz. Komponist, geb. zu Lüttich 8. Febr. 1741, erhielt als Chorknabe an der Kirche St.⸗Denis musikalischen Unterricht und wurde durch den Organisten Renekin und den Kapellmeister Moreau weiter gefördert. Sodann ging er, mit einem Stipendium vom lütticher Domkapitel versehen, nach Rom. Hier studierte er unter der Leitung Casalis, schrieb einige ital. Scenen und Symphonien, die man mit Beifall aufnahm, und lieferte für das Theater Aliberti das Intermezzo La vendémiatricen, welches ebenfalls gefiel. Anfang 1767 wandte er sich nach Genf, wo er mit Beifall die Oper Isabelle et Gertrudep aufführen ließ. Sein nächstes Ziel war Paris, wo indes seine musikalischdramatische Thätigkeit, auf die sein ganzer Ehrgeiz gerichtet war, anfangs nicht recht in Fluß kommen wollte. Durch die Vermittelung des schwed. Gesandten, Grafen von Creutz, überließ ihm endlich Marmontel das Libretto Le Hurono, welche im Aug. 1768 aufgeführte Oper großen Erfolg hatte. Ihr folgten unter gleich beifälliger Aufnahme Luciles und WLe tableau parlanto, denen sich bis ins J. 1803 unter Steigerung seines Ruhms noch gegen 50 anschlossen. Aus dieser Reihe sind hervorzuheben: Les deux avaresv, émire et Azoro, L'amie de la maisono, La rosière de Salencys, La fausse magien, L'amant jalouxo, Les événements imprévuso, Aucassin et Nicolettev, Richard Cœur-de-Liono, La caravane du Caireo, Barbe-Bleuen u. s. w. So weit Anmut und 6. Vor lebendiges Gefühl und Geist reichen, hat „Vortreffliches geleistet; für das Große und Tiefbedeutende reichte seine Kraft nicht aus. In der That war darum auch nur die komische Oper und wohl auch noch die semi-seria das Feld seines eigentlichen Wirkens. G.s Büste wurde noch bei seinen Lebzeiten im Foyer der Großen Oper, seine Statue im Vestibul der Opéra comique aufgestellt. Bei der Gründung des Konservatoriums erhielt er eine von den Inspektorstellen, die er aber nur kurze Zeit bekleidete. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte G. zumeist auf Rousseaus Eremitage zu Montmorency, die er käuflich an sich gebracht hatte. Hier starb er 24. Sept. 1813. Sein Herz wurde später in einem besondern Denkmal zu Lüttich bei-Siatus auch ward 1842 daselbst seine bronzene tatue aufgestellt. Außer seinen Opern publizierte er einige Kompositionen für Kirche und Kammer. Auch als Schriftsteller trat G. auf, indem er Mémoires ou essais sur la musique 2. Aufl., 3 Bde., Par. 1789; deutsch von Spazier, Lpz. 1800) veröffentlichte. Eine mit Unterstützung der belg. Reierung zu veranstaltende Gesamtausgabe seiner erke wurde 1883 durch Breitkopf u. Härtel in Leipzig begonnen. eine Tochter, Lucile G., geb. zu Paris um 1770, gest. daselbst 1793, trat als Komponistin mit den Operetten (Le mariage d'Antonied und Toinette et Louis auf.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 345Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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