FeedGottfried von Vonillon
GeschichteBrockhaus 1882

Gottfried von Vonillon, Herzog von Niederlothringen, geb. 1061, war der ä leste Sohn des Grafen Eustach II. von Boulogne und Idas, der Schwester Gottfrieds des Buckeligen, Herzogs von Niederlothringen, welchem letztern er 1076 in der Regierung des Herzogtums folgte. Die Sage machte ihn früh zum Oberanführer des ersten Kreuzzugs, u welchem er, nachdem er Bouillon zur Bestreitung er Kosten 1095 an den Bischof von Lüttich verpfändet hatte, im Frühjahr 1096 in Begleitung seiner Brüder Eustach und Balduin aufbrach. In Konstantinopel angelangt, versprach er dem Kaiser Alexius Komnenus dafür, daß derselbe sich verpflichtete, das Heer der Kreuzfahrer mit Lebensmitteln zu versehen, alle den Ungläubigen zu entreißenden Plätze zu übergeben, und setzte dann nach Kleinasien (April 1097) über. An der Eroberung von Nicäa und dem Ime Siege bei Doryläum (1. Juli 1097) hatte G. Anteil, aber doch nicht den überwiegenden, welchen die Sage ihm zuschreibt. Erst dann, als die Kreuzfahrer von Antiochien gegen Jerusalem aufbrachen, wird G. mehr maßgebend, und zwar besonders, weil sich bei ihm der Gedanke des Kreuzzugs am reinsten erhielt. Als es jedoch nach der Eroberung Jerusalems zur Wahl eines Königs kam, wurde 23. Juli 1099 nicht ihm, sondern Raimund von Toulouse die Krone angetragen, und erst als dieser ablehnte, G. erwählt. Allein der fromme G. «wollte nie an dem Orte eine Krone tragen, wo Christus mit Dornen gekrönt wordenp; ebenso lehnte er den Königstitel ab und begnügte sich mit dem Titel eines Herzogs und Sachwalters des Heiligen Grabes. Als der Sultan von Agypten erfuhr, daß die 300000 Kreuzfahrer, die Antiochia erobert, auf 20000 zusammengeschmolzen wären, rückte er mit einem Heere von 400 000 Mann gegen dieselben. Doch G. griff dasselbe in der Ebene von Askalon an, und der Sieg, den er hier erfocht, setzte Bes einige wenige Plätze ausgenommen, in den esitz des ganzen Gelobten Landes. Er setzte einen Patriarchen ein, stiftete zwei Domkapitel, erbaute ein Kloster in dem Thale Josaphat und förderte die Ansprüche der Geistlichkeit in aller Weise: selbst Jerusalem nahm er vom Patriarchen zu Lehn. Zu einer Organisation des Staates ist er nicht gelangt: schon 18. Juli 1100 starb er. Seinen Leichnam bestattete man auf dem Kalvarienberge neben dem Grabe des Erlösers. Auf eine würdige Weise preist diesen kemr. besonders Tasso in seinem Befreiten Jerusalemo. Vgl. von Sybel, «Geschichte des ersten Kreuzzugsv (2. Aufl., Lpz. 1881); Monnier, 4(Godefroi de Bouillon et les assises de Jerusalemo (Par. 1874); Vétault, „Godefroi de Bouillono (Tours 1874); Froböse, «Gottfried von Bouillon » (Berl. 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 236Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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